Reformierte Stadtkirche Solothurn
Neue Pfarrerin: «Ich habe die Kirche richtig gern bekommen»

Pfarrerin Thala Linder wurde feierlich installiert und von der Gemeinde der Reformierten Stadtkirche Solothurn aufgenommen

Silvia Rietz
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Thala Linder: «Daneben bin ich ein Mensch wie alle anderen.»

Thala Linder: «Daneben bin ich ein Mensch wie alle anderen.»

Hansjörg Sahli

Installiert die reformierte Kirchgemeinde eine Pfarrerin, wird nach der liturgischen Zeremonie beim Apéro weiter gefeiert, erfüllt Urs Aeberhards herrliches Orgelspiel den Sakralraum, nehmen neben Amtskollegen, Behörden und den Reformierten der Stadt auch Gläubige der umliegenden Gemeindekreise teil. Eine Festgemeinde, wie Manuela Liechti-Genge, von Radio-Predigten bekannte Pfarrerin, die Gottesdienstbesucher begrüsste und meinte: «Sie haben Thala gewählt und Thala hat Sie gewählt. Mit ihr bekommt ihr eine inspirierte Dienerin am göttlichen Wort.»

Sowohl die Installateurin wie auch Thala Linder betonten den Gemeinschaftscharakter der Gemeinde, gewachsen aus einem Kirchenverständnis der flachen Hierarchien, wo Gläubige eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüder bilden – vereint im Dienste für Gott, für die Verkündigung. «Wir sind eine Dienstgemeinde», brachte es Manuela Liechti-Genge auf den Punkt. Im Sinne des Gemeinschaftsgedankens gestalteten Kolleginnen und Kollegen die Feier mit, lasen aus dem Johannes- und Matthäus-Evangelium, hiessen Thala Linder willkommen.

Die Kirche gern bekommen

«Nun wirke ich bereits seit einem Jahr hier als Pfarrerin. Als ich 2012 bei einem privaten Taufbesuch die Stadtkirche erstmals erblickte, fand ich den pompösen Bau wenig einladend. Mir fehlte die reformierte Schlichtheit. Spätestens beim Kirchenkaffee revidierte ich jedoch meine Meinung, und heute habe ich die Kirche richtig gern bekommen», erzählte Thala Linder.

Vor allem habe sie die Inschriften lieb gewonnen und sie als Leitmotto über die Installationsfeier gesetzt: Das Johannes-Wort «Gott ist Liebe» sowie aus dem Matthäus-Evangelium «Einer ist Euer Meister, Christus» und «Ihr aber seid alle Geschwister». Die Pfarrerin offenbarte, sie wolle nicht über der Gemeinde stehen, sondern empfinde sich als einen Teil davon. Ein Mitglied auf Augenhöhe, das sich dank Theologiestudium mit Bibeltexten auseinandersetzen und sie weitergeben dürfe. «Daneben bin ich ein Mensch wie alle anderen, ringe ab und zu mit mir, mit dem Leben und manchmal auch mit Gott.»

«Sind alle Geschwister»

Denn die Bibel gebe nicht auf alle Fragen der modernen Welt Antwort, aber sie schenke Hinweise, wie das Zusammenleben gelingen könne. Thala Linder: «Und wenn Gott der einzige Vater ist, kann es in der Kirche keine Patriarchen geben, sondern nur Gleichgestellte. Wir sind alle Geschwister. Unterschiedliche Menschen, die sich auf Gott einlassen und sich an ihm orientieren.» Manuela Liechti-Genge nahm den Gedanken auf und betonte, die Dienstgemeinschaft sei wechselseitig. Thala Linder habe die Wahl angenommen, die Gläubigen hätten sie bereits kennen gelernt, mit all ihren Stärken und auch Schwächen. So wie die neue Pfarrerin wisse, wie die Kirche hier funktioniere. «Real existieren weder Traumpfarrerinnen noch Traumgemeinden. Doch es gibt gute Pfarrerinnen und gute Gemeinden. Doch erst ein Stück Himmel, der Glanz von Gott, befruchtet diesen soliden Boden. Wo der belebende Hauch Gottes weht, dort kann der Dienst gelingen und die Dienstgemeinschaft wird wieder zu einer Festgemeinschaft.»

Kirchgemeindepräsidentin Barbara Fankhauser und Cornelia Müller, Co-Präsidentin KKT, wünschten Thala Linder in ihrem Wirkungsfeld offene Herzen und offene Türen. Sie legten ihr die Hand auf die Schultern als sie gelobte: «Ich bin bereit für den Dienst an Gottes Wort. Bereit, ihn im Geiste der Reformation zu erfüllen.» Die neu installierte Pfarrerin erhielt den Segen zur Amtseinsetzung nicht von einem Amtsträger, sondern von der ganzen Gemeinde.

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