Alternative
Die Kulturnacht Solothurn dauert wegen Corona ein ganzes Jahr

Die 7. Kulturnacht Solothurn sollte eigentlich am Samstag stattfinden. Bedingt durch COVID-19 kann sie das aber nicht. Stattdessen lancieren die Veranstalter für die Fans eine Alternative.

Fabio Vonarburg
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Kulturnacht Solothurn 2019: Steiner & Madlaina in der Kofmehl Raumbar.

Kulturnacht Solothurn 2019: Steiner & Madlaina in der Kofmehl Raumbar.

Michel Lüthi

Kulturelle Explosion. So lässt sich die Solothurner Kulturnacht in zwei Wörtern am besten beschreiben. Es ist Wahnsinn, welche Vielfalt an Kunst es alle zwei Jahre in einer Nacht zu erleben gibt. Zu Beginn des Abends macht man etwa eine Stadtführung, eine Stunde danach hört man bereits Slam-Poeten im Kantonsratssaal zu, und wiederum eine Zeigerumdrehung später tanzt man im Kofmehl zu Rockmusik und lässt danach den Abend im Kinouferbau ausklingen, indem man Kurzfilme anschaut.

Es ist die Nacht der Entdeckungen, in der man sich traut, Dinge auszuprobieren. Gefällt nicht, macht in dieser Nacht nichts, denn nach 40 Minuten geht es ja bereits weiter.

Der Prolog für die nächste ordentliche Kulturnacht

Diesen Samstag wäre es wieder so weit gewesen, der Tag, auf den viele jeweils zwei Jahre lang «plangen». Doch wegen Corona ist die nächste kulturelle Explosion nun erst 2022. Dennoch ist der Samstag ein Freudentag für die Kulturnacht-Liebhaber.

Wie die Veranstalter eröffnen, haben sie eine Alternative ausgeheckt, die am Samstag beginnt. Wenn man so will, ist es der Prolog bis hin zur nächsten Kulturnacht am 23.April 2022. Das OK nennt es «die längste Kulturnacht der Welt».

Mehr zur längsten Kulturnacht der Welt

Die längste Kulturnacht der Welt findet vom 24.April 2021 bis zum 22. April2022 statt. Tickets und mehr Information unter: www.kulturnachtsolothurn.ch. Ein reguläres Ticket kostet 50 Franken, ein Gönnerticket 75 Franken. Beide Tickets ermöglichen den Besuch von drei Veranstaltungen und sind bis zum 22.April 2022 gültig. (fvo)

Eigentlich ist vieles ähnlich wie an einer «normalen» Kulturnacht. Man löst sich ein Ticket und kann damit Veranstaltungen seiner Wahl besuchen. Nur sind diese für einmal nicht innerhalb einer Nacht, sondern verteilt auf ein ganzes Jahr. Wiederum machen über 30 Kulturveranstalter mit, dieses Mal sogar auch ausserhalb der Stadt. Wie etwa das Schloss Waldegg in Feldbrunnen-St.Niklaus oder auch die Kächschür in Oberdorf.

Wegen der langen Zeitspanne ist die Zahl der Events, die man besuchen kann, allerdings auf drei pro Ticket beschränkt. Hat man alle drei Voucher verbraucht, muss man sich ein neues Ticket besorgen. Die Veranstaltungen, die angeboten werden, sind mehrheitlich solche aus den regulären Programmen der Kulturveranstalter.

So kann man mit einem Voucher etwa eine Vorführung im Theater Mausefalle besuchen, ein Konzert seiner Wahl in der Raumbar im Kofmehl erleben und während der Barocktage im August dabei sein, wenn ein Fechtmeister im Museum Altes Zeughaus sein Können zeigt.

«Wer will, kann alle seine drei Voucher bereits dieses Wochenende verbrauchen», sagt der Geschäftsführer der Kulturnacht, Peter Keller, und lacht. Zum Beispiel mit einer Stadtführung und einem Besuch im Kunstmuseum am Samstag sowie der sonntäglichen Kinovorführung im Uferbau, wo um 18Uhr ein Dokumentarfilm über einen finnischen Architekten gezeigt wird.

Kulturbranche soll wieder angekurbelt werden

«Wir hätten auch einfach nur verschieben können», sagt Christoph Rölli, der für die Kommunikation zuständig ist. «Doch das wollten wir nicht.» Zum einen geht es den Kulturnacht-Veranstaltern darum, trotz Ausfall im Gespräch und damit präsent zu bleiben.

Des Weiteren wollen sie mithelfen, die Kulturbranche wieder anzukurbeln, die wegen Corona beinahe zum Erliegen gekommen ist. Dementsprechend auf ein gutes Feedback stiess die Idee bei den verschiedenen Veranstaltern. «Wir sind auf sehr offene Ohren gestossen», erzählt Keller, «es brauchte keinen grossen Erklärungsbedarf».

Eva Gauch, die OK-Leiterin fügt an: «Wir wagen jetzt wieder einen Blindflug.» Bei der Organisation der normalen Kulturnacht, die 2009 ins Leben gerufen wurde, hat sich eine Routine eingestellt. Und es war bekannt, dass das Angebot jeweils auf grosses Interesse stösst. Rund 3000 Tickets verkaufte man zuletzt, wobei ein durchschnittlicher Besucher jeweils vier Anlässe während der Nacht besuchte.

Auf wie grosses Interesse die längste Kulturnacht stösst, sei schwierig abzuschätzen, so Rölli. «Gleich viele Tickets wie sonst zu verkaufen, wird vermutlich schwierig.» Und Keller fügt an: «Dieses Mal braucht es Schnauf für ein ganzes Jahr.» Um zu zeigen, dass etwas passiert, sind am Samstagabend von 21 bis 23 Uhr Eingänge zur Altstadt beleuchtet – das Bieltor, das Baseltor sowie das Bürgerhaus bei der Wengibrücke.

Beteiligt an der längsten Kulturnacht der Welt

Acoustic Nights, Altes Spital, Architekturforum Tou-ringhaus, Buchhaus Lüthy, Café Philo, Frag-, Jazz im Chutz, Kino im Uferbau, KreuzKultur, Kulturfabrik Kofmehl, Kulturgarage, Kultur i dr Kächschür, Kulturm, Kulturverein Deitingen, Künstlerhaus S11, Kunstmuseum Solothurn, Museum Altes Zeughaus, Museum Blumenstein, Museum ENTER, Naturmuseum, Radiologisch, Region Solothurn Tourismus, Schloss Waldegg, Solothurner Filmtage, Solothurner Literaturtage, Solotutti Zentrum für Musik, TAMTAM produktion, Theater Mausefalle, Theater Orchester Biel Solothurn TOBS, Töpfergesellschaft, Zentralbibliothek.

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