Solothurn
Neue Erzählformate halten Einzug ins Filmtage-Geschehen

Andreas Kaufmann
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Das andere cineastische Erlebnis

Das andere cineastische Erlebnis

Andreas Kaufmann

Während die Filmtage das Leinwandschaffen der Gegenwart reflektieren, spielen sie auch Zukunftsmusik. Man stelle sich vor: Der Zuschauer kommender Generationen bestimmt die Geschichte durch Entscheidungen selbst mit und lässt sich von Handlung und Stimmung eines Films einnehmen. Psychologen sprechen von Immersion, wenn es darum geht, in eine konstruierte Umgebung einzutauchen, die virtuelle Realität (VR) heisst. Und VR ist in der Säulenhalle des Landhauses ab heute auch Thema der Filmtage, wo 3D-Brillen den Blick ins Filmschaffen von Morgen gewähren.

Anlässlich der Ausstellung «Virtual Reality: 360°» werden drei Schweizer Projekte vorgestellt, die sich aus dem Experimentalkasten moderner Filmtechnik bedienen. Dazu zählen eine in der Postapokalypse angesiedelte animierte Serie «Sequenced», die durch eine dieser fremden, dystopischen Welt geleitet und den Zuschauer mitten ins Geschehen stellt.

Apelab, dieselbe Digitalschmiede aus Genf, aus der die 3D-Serie stammt, hat auch ein interaktives Spiel für Smartphones entwickelt, das auf dem Animationsfilm «Ma vie de Courgette» basiert. In «Watchout» begleitet der Spieler die Hauptfiguren aus dem Film und verhindert, dass diese ein allzu grosses Chaos anrichten. Als drittes Anschauungsobjekt dient ein Film des Schweizer Fernsehens, der den Gotthardtunnel zeigt.

Mehr Interaktivität in Zukunft

Die erste Folge von «Sequenced» kann durch eine spezielle VR-Brille mitverfolgt werden. Der Zuschauer befindet sich mitten im Geschehen und kann die Umgebung erforschen, indem er den Kopf dreht. Bei «Watchout» greift er gar aktiv in die Handlung ein. Die Fahrt durch den Gotthardtunnel zeigt zudem auf beeindruckende Art auf, welchen dokumentarischen Mehrwert 360°-Filme künftig bringen könnten.

Doch wie hält es Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer mit immersiven oder interaktiven Filmformaten? «Wir haben bereits ein erstes Beispiel im diesjährigen Programm.» Die Rede ist von «Late Shift», in der das Publikum darüber befindet, was mit dem Protagonisten geschieht und somit auch darüber, ob es zum Happy End kommt. Rohrers Prognose: «Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft vermehrt solche interaktive Filme erhalten werden.»

Übrigens ist diese Zukunft bereits heute breit zugänglich: Für viele Smartphones bestehen sogenannte Cartboard-Viewer, mit denen 3D-Inhalte per App oder Video betrachtet werden können. Ein wichtiger Mehrwert der Solothurner Filmtage geht dieser neuen Art des künftigen Filmerlebnisses allerdings ab: die Geselligkeit.

Ausstellung Fr–Mi, 18–20 Uhr, ausser So. Di, 13–17 Uhr, von 16–18 Uhr mit den Machern. Säulenhalle Landhaus.