Offiziell nennt sich das Vorhaben «Bielstrasse 80», der inoffizielle Titel klingt um einiges visionärer: «Tor zu Solothurn». So oder so plant die Sasolim AG auf der als «Öufi»- oder Sauser-Areal bekannten 10 000-Quadratmeter-Fläche seit einiger Zeit ein Neubauprojekt für Verkauf, Dienstleistung und Büro.

Während der westliche Gebäudeteil mit der «Öufi»-Brauerei und dem charakteristischen Fabrikkamin bestehen bleiben wird, soll der Flügel mit Produktionshallen im östlichen Bereich dereinst einem eigenständigen Neubau Platz machen. Jetzt hat die Eigentümerin die nächste Wegmarke auf dem Prozess dorthin erreicht.

Supermarkt im Erdgeschoss

Als erste und grösste Mieterin des Projekts beim «Jumbo»-Kreisel steht die Genossenschaft Migros Aare fest. Sie wird mit einem Supermarkt auf rund 1000 Quadratmetern im Erdgeschoss des Neubaus vertreten sein.

Laut Reto Wüthrich, Migros-Pressesprecher, liege der Fokus auf dem Food-Bereich, insbesondere auf Frischware. Ebenso sei ein Anteil für Non-Food-Artikel vorgesehen. Auf gleicher Etage wird Migros eine Denner-Filiale in Untermiete beherbergen, während im zweiten Obergeschoss ein «Flowerpower»-Fitnesscenter entsteht.

Das erste Obergeschoss soll Dienstleistern und weiteren Einzelhändlern Platz bieten. Für Dienstleistungsbetriebe ist auch Gewerbefläche im zweiten und dritten Obergeschoss vorgesehen. Laut Privera AG, die für die Vermarktung und Vermietung der Flächen verantwortlich zeichnet, ist die Migros, die rund die Hälfte der Mietfläche ausmacht, insofern ein Gewinn, als dass der Supermarkt positiv auf andere Interessenten ausstrahlen könne.

Verhandlungen mit potenziellen Partnern seien im Gange. «Mieter, die Präsenz und Frequenz suchen, sind bei uns am richtigen Ort: Wir liegen am verkehrsreichsten Kreisel der Region», betont Raoul Stampfli, Sasolim-Verwaltungsratspräsident. Sowohl für Pendler des Individualverkehrs als auch für öV-Pendler mit Anschluss an die Bahnhaltestelle Allmend könnten sich die Einkaufsmöglichkeiten als vorteilhaft herausstellen. Dies ist im Sinne der Migros, die vor einem Jahr ihre Absichten bekundete, «nahe am Pendlerstrom zu sein». Die Filiale an der Wengistrasse bleibe von den Plänen unangetastet, so Wüthrich.

Mit dem Quartier im Dialog

Während sich das nahe gelegene Bauprojekt rund ums Gibelin-Coop aufgrund eines Einsprechers hinzieht, befindet sich die Sasolim AG in der Zielgeraden vor der Baueingabe. «Wir rechnen damit, dass wir das Baugesuch im Spätsommer einreichen können. Zurzeit arbeiten die Architekten an der Eingabe.» 

Unbekannt bleibt der Zeitpunkt des Bauabschlusses. Widerstand gegen das Vorhaben konnte Stampfli indes kaum feststellen. Selbst, als der Coop-Einsprecher auch den Gestaltungsplan von Sasolim angriff, konnte durch gewisse Anpassungen eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. «Wir haben die Anwohnerschaft zu Informationsveranstaltungen eingeladen und Rücksicht auf die Bedürfnisse aus dem Quartier genommen», so Stampfli. Konkret werde die Nachbarschaft der Fabrikstrasse durch das Projekt gar vom Verkehr entlastet, «was das Quartier aufwertet.»

So sind die meisten Parkplätze unterirdisch angelegt und werden vonseiten der Bielstrasse angefahren. Die Ausfahrt führt dann auf die Weissensteinstrasse. «Dass der Kanton diese Erschliessung zulässt, ist nicht selbstverständlich.»

Einkaufscluster als Chance

Aus Sicht der Sasolim trägt das Projekt zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Solothurn bei. Auch erhoffen sich die städtischen und kantonalen Behörden eine qualitative Verbesserung des «Tors zu Solothurn».

Dass in der Nähe mit Coop bald auch ein zweiter Anbieter aktiv werden könnte, sieht Raoul Stampfli nicht problematisch: «Klar entsteht durch die Nähe des geplanten Coop eine Konkurrenzsituation. Doch gleichzeitig entsteht ein konzentrierter Einkaufscluster.» Gerade auch die Präsenz des Jumbos dürfte also das «Tor zu Solothurn» abrunden.