Restaurant Flora
Neu gibts an der Weberngasse indische Spezialitäten

Nach mehrmonatiger Pause steht das Solothurner Traditions-Beizli Flora wieder offen. Am der Weberngasse werden jetzt an fünf Tagen in der Woche indische Spezialitäten serviert.

Wolfgang Wagmann
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Jasitharan und Parmiga Rajaratnam mit den Kindern Akshara und Akchana.

Jasitharan und Parmiga Rajaratnam mit den Kindern Akshara und Akchana.

Wolfgang Wagmann

Seit 1842 gibt es das kleine Eckbeizli an der Weberngasse, und es hat seither viel gesehen. Aber sicher noch nie so exotische Wirtsleute wie jetzt. «Ich bin glücklich, dass sie angefangen haben», meint Lukas Rüefli für die Besitzerfamilie und meint damit seinen neuen indischen Pächter Jasitharan Rasratnam, oder kurz «Jasi» genannt. Und so soll das Restaurant auch künftig heissen, «die Lampe mit dem Schriftzug Flora wird allerdings bleiben», so der neue Wirt.

Auch den Ruf des« Flora» als Fasnachtsbeiz will Rasratnam durchaus hochhalten, «wenn es die Gäste wünschen». Einen Apéro mit den Fasnächtlern habe er schon gehabt, und tatsächlich: Neben viel indischem Wandschmuck grüssen von der Wand auch die vereinigten Alt-Ehren-Ober-Ober der Fasnachtsgesllschaft UNO.

"Tschüss Flora! - de haut!"

Es war meine erste Beiz , die ich alleine aufsuchte. Sie war gerade um die Ecke. Und ich erst vier Jahre alt. Damals, in den Fünfzigerjahren, musste samstags noch bis in den Nachmittag gearbeitet werden. Das Wochenende für die Büezer war also kurz und intensiv. Das galt auch für die Schlosserei in der St. Urbangasse, wo mein Vater arbeitete. Nach getaner Arbeit traf man sich deshalb im «Flora» zu mehr als einem «Fürobe-Bier», waren doch eineinhalb freie Tage zu begiessen. Die Strategie meiner Mutter: Ich wurde ins «Flora» geschickt, quasi als Mahnung – daheim ist eine Familie, die auch noch was von ihrem Vater haben will! Die Konsequenz: Ich musste etliche Spendier-Sirüpli schlucken, bis sich die Arbeiter-Runde auflöste.

Später wurde das «Flora» zum Unikum in der serbelnden Beizen-Landschaft. Peter Bichsel goutierte das. Und die Fasnachtsszene ebenso. Unvergesslich der Abend, als plötzlich in fröhlicher Runde auffiel, dass alle immer zum Schluss eines Satzes «De haut!» von sich gaben. Das perfekte Sujet für die nächste Fasnacht. Um es in alkoholis nicht zu vergessen, schrieben wir es gross auf die Dekoration: «De haut!»

Jetzt soll das «Flora» plötzlich «Jasi» heissen. «De haut!»

Indisches Buffet an drei Abenden

Schon im Frühling hatte sein Vorgänger nach nur einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen das «Flora» wieder verlassen. Was sich als die Chance für Jasitharan Rasratnam entpuppte. Wurde doch das Haus an der Baselstrasse verkauft, wo er elf Jahre lang nach dem Café Steinbrugg sein indisches Spezialitäten-Restaurant Malarvanam geführt hatte. «Ich habe hier im ‹Flora› mit dem Säli im ersten Stock und seinen 30 Plätzen fast gleich viel Platz wie an der Baselstrasse», addiert der neue Wirt die 25 Innen- und Aussenplätze im Parterre dazu, wo «zum Glück» inzwischen der platzfressende Kran für den Manor-Umbau verschwunden ist. Denn dieser hatte letzten Sommer das Aussengeschäft im «Flora» doch arg beeinträchtigt.
Jasitharan Rasratnam und seine Frau Parmiga – «wir sind ein Familienbetrieb und manchmal hilft auch noch mein Vater mit» – wollen sich auf ihre indischen Spezialitäten fokussieren. «Und jeweils am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend bieten wir ein Indisches Buffet an», wollen die Wirtsleute ihre Tradition von der Baselstrasse her weiterführen.

In Solothurn kein Unbekannter

Inzwischen hätten sich bereits frühere «Flora»-Stammgäste wie solche von seinem vorherigen Restaurant eingefunden und mit der bisherigen Resonanz sei er zufrieden. Immerhin lebt Rasratnam sei über 22 Jahren in der Schweiz, und aktuell hat die vierköpfige Familie ihren Wohnsitz in der Weststadt. Gearbeitet hatte er vor dem Engagement an der Baselstrasse im früheren Hotel Krone sowie jahrelang in der «Pittaria» von Sami Daher an der Theatergasse. Geöffnet soll das «Jasi» vom Dienstag bis und mit Samstag jeweils durchgehend von 9 bis 23 Uhr sein, «dazu auch an den Marktmontagen». Ein Ziel verfolgt er ausserdem: «Wir möchten auch ein jüngeres Publikum anziehen.» Habe er doch im Vorfeld viele Leute befragt, ob sie das «Flora» kennen. Und immer wieder die Antwort erhalten: «Ja, aber ich war noch nie dort.» Auch deshalb möchte er das Beizli in Jasi» umbenennen. Und nach den bisherigen Erfahrungen lautet sein Fazit: «Ich glaube, das kommt gut!»