Im Jahr 1888 begann Fritz Meyer mit sechs Angestellten in Solothurn mit der Produktion von Uhrenteilen. Als Firma «Meyer & Stüdeli» wurden ab 1905 die MST-Qualitätsuhrwerke gefertigt. Eine eigene Gehäuseproduktion kam 1923 dazu und später auch noch Zifferblätter. Noch vor dem 2. Weltkrieg erhielt die Firma ein Patent auf ihr doppelt gekapseltes Anfibio-Gehäuse, was weltweit neue Massstäbe für die Wasserresistenz der Uhren setzte. Die Eigenschaften des wasserdichten Gehäuses wurden laufend verbessert und die Anfibio-Linie wurde zu einem Qualitätsbegriff.

Ab 1952 gab die prestigeträchtige Hauptmarke Roamer dem Unternehmen den Namen. In der ehemaligen Roamer-Fabrik am Solothurner Hauptsitz an der Weissensteinstrasse arbeiteten zeitweise bis zu 1200 Menschen und erzielten einen für damalige Verhältnisse riesigen Umsatz von 43 Mio. Fr. Die Uhrenpatrons Leo und Ernst Meyer machten sich auch im Sozialen einen Namen. Einrichtungen wie Kinderkrippen, Freizeiträume und eine Kantine (im sog. Roamer-Haus) waren zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich.

Opfer der Uhrenkrise

1972 erweiterte Roamer sein Sortiment um Quarz-Uhrwerke, allerdings war die internationale Vermarktung schwierig. Wie fast alle Schweizer Uhrenhersteller ereilte sie das Schicksal der Uhrenkrise. Es kam zu Hunderten von Entlassungen und schliesslich 1975 zum Nachlass. Ein langjähriger Mitarbeiter, Marcel Leval, kaufte die Marke heraus und fertigte mit einigen Mitarbeitern unter Verwendung von Komponenten anderer Hersteller weiterhin Roamer-Uhren. Mitte der 1990er-Jahre konnte dank der Unterstützung eines Investors aus Hongkong die Marke neu ausgerichtet werden. Im Jahr 2009 erwarb der Aargauer Uhrenunternehmer Christian Frommherz die Mehrheit bei Roamer - gleichzeitig mit der Bieler Marke Hanowa, die seither in Solothurn unter dem gleichen Dach an der Gibelinstrasse heimisch ist. Auch die ebenfalls in Solothurn domizilierte Marke Swiss Military Hanowa gehört zu Frommherz' Gruppe. Gut 30 Angestellte sind für das Unternehmen tätig.

«Wir sind wieder mit wachsendem Erfolg unterwegs», sagt Ralph Furter, der seit 1997 für die Marke Roamer tätig ist, heute als Product Manager. Die Modell-Kollektionen umfassen heute vor allem klassisch-traditionelle und elegante Modelle, die sowohl als Quarzuhren als auch als mechanische Modelle mit Schweizer Uhrwerken ausgestattet sind. Mit einer Preisspanne von 350 bis 700 Fr. ist das Preissegment moderat. Hauptabsatzgebiete sind China, Russland, Australien und Teile von Europa. In der Schweiz werde die Marke schwergewichtig in Tourismus-Regionen beworben. «Selbstverständlich kann man sie aber auch in Solothurn kaufen», lacht Furter. Denn viele Leute in der Region seien nach wie vor emotional mit Roamer verbunden.

Man habe das Glück, dass relativ viel Material des Firmenarchivs erhalten geblieben sei und heute als Quelle für Recherchen dienen kann. Es ist im Rahmen des Projekts Solothurner Firmenarchive in Olten eingelagert. Stolz zeigt Furter auch ein funktionsfähiges Grossmodell eines Roamer-MST-Uhrwerks und eine alte Werbeleuchte für Uhrengeschäfte.

Klassiker wiederbelebt

Zum Jubiläumsjahr lanciert Roamer auf der Uhrenmesse Baselworld, die am kommenden Donnerstag beginnt, eine Jubiläums-Neuauflage der erfolgreichen Uhr «Stingray» von 1970. Die «Stingray Chrono Diver» wird in einer limitierten Auflage von 333 Stück produziert und ist zu einem Preis von 1888 Franken zu kaufen.

Die Hommage ans Gründungsjahr soll später mit weiteren Replika-Modellen weitergeführt werden, erklärt Furter. Auch erscheint eine Jubiläums-Broschüre mit der Firmengeschichte. «Wir wollen die handwerkliche Tradition und die Qualität der Roamer-Uhren wieder ins Zentrum rücken.» Dabei nütze man natürlich die Technologie von heute. So werden beispielsweise Keramik- oder andere Hightech-Werkstoffe eingesetzt. Und schliesslich soll im Jubiläumsjahr auch erstmals seit Jahren wieder ein eigenes Uhrwerk entwickelt und produziert werden. Details will Roamer aber zurzeit noch keine bekannt geben.