Solothurn

Nelly Mathys: «Jetzt nehme ich den Hut»

Nach 48 Jahren gibt die Modistin Nelly Mathys ihr Geschäft am Kronenstutz auf. Am Samstag ist ihr Laden zum letzten Mal geöffnet. «Die Solothurner Kundschaft war sehr treu und hatte Stil», meint sie rückblickend.

«Es war eine schöne Zeit; jetzt nehme ich den Hut.» Eine lange schöne Zeit, denn 48 Jahre lang wirkte Nelly Mathys als Modistin im eigenen Geschäft. Am Samstag aber dreht sie nun den Schlüssel an der Hutgalerie im umzubauenden Hotel Krone. Nadel, Faden und Fingerhut legt die adrette Geschäftsfrau, die eigentlich schon einige Jährchen Pensionierung zugute hätte, noch nicht beiseite. Aber davon später.

«Meine Nachbarin war Damenschneiderin, und ich half ihr als Kind, die Nadeln einzufädeln.» Eine Passion, die sie in die Modistinnen-Lehre bei Käthi Schranz führte. 1965 übernahm Nelly Mathys das Geschäft der verstorbenen Lehrmeisterin, ehe sie 1978 am Kronenstutz das damalige Lokal des Blumengeschäfts Rust mieten konnte. Nelly Mathys: «Vieles der Einrichtung stammt noch von damals. Doch da hinein wollte ich schon immer, und es hat sich dann auch so ergeben.»

Lady Di brachte ein Zwischenhoch

Die Pferderennen von Ascot finden nicht in Solothurn statt, doch in den sechziger Jahren war die Hutwelt auch hierzulande noch in Ordnung. «Es gab damals neben mir noch zwei, drei Modistinnen wie das Fräulein Reichle, die Frau Studer am Friedhofplatz; Hüte erhielt man aber auch in den Warenhäusern Von Felbert und Nordmann sowie im Modegeschäft Sperisen.»

Doch mit den 68ern und den neuen Autos mit Kopfstützen verlor sich recht rasant das Interesse an Hüten – vor allem bei den Frauen. «Sie verlangten nicht mehr den gestylten Damenhut», weiss Nelly Mathys.

Daran änderte auch ein Zwischenhoch in den achtziger Jahren nichts, als Lady Diana wieder etliche Frauen zum schicken Hut zurückbrachte. «So stellte ich damals vom reinen Hutgeschäft zusätzlich auf Damen-Kleinkonfektion um.» Noch bis 1998 bildete die weitherum bekannte Modistin 20 Lehrtöchter aus, dann fanden sich keine mehr, weil «man davon nicht leben kann».

Einzig das Geschäft mit den Männern lief noch ganz passabel: «Männer haben wegend der Glatzenbildung eine empfindlichere Kopfhaut. Und sie laufen sowieso anständiger herum als die Frauen.»

Ein Lob den treuen Kundinnen

Rückblickend aber meint Nelly Mathys: «Die Solothurner Kundschaft war sehr treu und hatte Stil. Eine Stadt prägt halt ihre Leute.» Die Modistin tat das ihre dazu: «Wir merkten uns immer die Namen der Kundschaft, das war sehr wichtig. Und dazu gabs stets ein paar nette Worte.» Viele gute Kundinnen hat Nelly Mathys altershalber verloren, und heute werde auch das «Büeze» nicht mehr so geschätzt. Ja, sie habe sogar schon etwas repariert, und die Kundin hätte es nicht interessiert, ob das etwas koste.

In einem Hut stecken immerhin sechs bis acht Stunden, «jeder ist ein Unikat.» Besonders Spass machten ihr Hüte fürs Theater, «einen ganz speziellen habe ich aus einem Salatsieb angefertigt.» Aber auch Narrenhüte, speziell für neu aufzunehmende Honolulesen, waren ihre Domäne. Theater, Narren und Spezialkunden können aber aufatmen: In einem Atelier in Flumenthal «büezt» Nelly Mathys weiter. Nur das Geschäftsleben, das hat sie gesehen – trotz der «schönen Zeit».

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