Vielmehr ein «Heisser Kinosessel» als ein «Heisser Stuhl» wurde gestern im Zelt 13 der Herbstmesse abgehalten. Denn so einer stand vor den rund 100 Gästen des Behördentags im Schwingerzelt. Der Sessel passte ganz gut zum Gast, der dort neben Gesprächsleiter Theodor Eckert, Chefredaktor der Solothurner Zeitung, Platz nahm. Seraina Rohrer, seit gut einem Jahr Direktorin der Solothurner Filmtage, stellte sich den kritischen und neckischen Fragen rund um den Film.

Einleitung zum Solothurner «Lieblingsthema»

Einführende Worte hatte zunächst HESO-OK-Mitglied und Stadtschreiber Hansjörg Boll parat. Dabei kam das gegenwärtige Lieblings-Politikum der Stadt Solothurn, nämlich die Gemeindefusion, zur Sprache: «Die funktionsräumliche Verflechtung der Gemeinden deutet darauf hin, dass wir gewisse Fragen künftig gemeinsam beantworten sollten.» Auch ein interessantes Detail wusste Boll zu erzählen: «Durch die Fusion der Projektgemeinden würde Solothurn zur elftgrössten Stadt der Schweiz.»

«HESO oder Filmtage, Frau Rohrer?»

Nach Bolls Vorwarnung an Eckert, dass in Solothurn gefälligst niemand «grilliert» werde, hielt sich Chefredaktor in der Rolle des Gesprächsleiters auch daran. Neckisch wurde es jedoch allemal, was für Rohrer jedoch kein Problem darstellte: Hatte sie am Dienstag doch ihre Dissertation erfolgreich verteidigt und war als frischgebackene Doktorin somit genügend warmgelaufen, um den kommenden Fragen im entspannten Wortgefecht humorvoll zu parieren. Auch von der Gretchenfrage «HESO oder Filmtage?» liess sich die Filmtage-Direktorin nicht aus der Ruhe bringen: «Mein Herz schlägt für den Film, aber die HESO ist für mich um einiges entspannter.»

Angesprochen auf die diesjährigen ersten Filmtage unter ihrer Ägide konnte Rohrer bei den anwesenden Behördenvertretern aus Stadt und Region einige Sympathiepunkte abholen: «Ich bin in Solothurn gut aufgenommen worden, was aber nicht an mir, sondern an den Filmtagen selbst liegt. Dabei war ich vor den misstrauischen Solothurnern gewarnt worden, was überhaupt nicht stimmt.» Ihr präsentiere sich hier vielmehr ein offenes, innovatives Klima.

«Kuschel-Kummer» oder «goldener Fisch»

Trotzdem habe sie selbst nach Ivo Kummer nicht alles umkrempeln, sondern lediglich eigene Akzente setzen wollen. Offen bleibt aber noch die Frage, mit welchem Filmtage-Maskottchen man gegen goldene Raubtiere antreten wolle, «Gibts in Solothurn das ‹Rostige Sässeli›?», wollte Eckert wissen. Doch Seraina Rohrer winkte ab: «Man sagte mir, dass ich mich keinesfalls auf die Sässelidiskussion einlassen soll.» Stattdessen erinnert sie sich, dass für ihren Vorgänger ein «Kuschel-Kummer» vorgesehen war: «Bei mir kommen Kühe oder Fische als Wappentiere infrage», meinte sie selbstironisch: «Aber das steht eigentlich noch aus.»

Bruno Ganz als Wunschgast

Schliesslich wurden auch filmpolitische Themen angeschnitten. So sprach Eckert sie auf die heftigen Verteilkämpfe um Filmfördergelder an – und auf die Missgunst zwischen Filmschaffenden: «Damit hat es jetzt ein Ende: Mit Ivo in Bern und mir in Solothurn wirds wieder friedlich», konterte sie augenzwinkernd. Dann streifte sie ansatzweise auch die kommenden Filmtage 2013 und konnte als «Recontre»-Gast bereits den Filmemacher Silvio Soldini ankündigen. Nach einem Wunschgast für die weitere Zukunft gefragt, sagte die gebürtige Männedörferin: «Bruno Ganz wär ganz läss...»

«Ganz läss» fand auch das Publikum den charmereichen Anlass im Schwingerzelt. Zwar wurde der «Heisse Stuhl» traditionsgemäss in Drittel einer Spielfilmlänge abgehalten, war aber mindestens so amüsant wie ein Leinwandstreifen.