Nachlass
Naturmuseum-Fundus wird mit 10'000 Steinschätzen bereichert

Die Fossilien und Mineralien aus dem Nachlass des verstorbenen Grenchner Primarlehrers und Hobby-Mineralogen Jörg Erzer gehen ans Naturmuseum Solothurn über. Von den rund 10'000 Objekten kommen 4000 ins Naturmuseum.

Katharina Arni-Howald
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Das Naturmuseum Solothurn hat die Sammlung des Grenchner Lehrers Jörg Erzer erhalten
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Die Mineralien sind säuberlich verpackt und sorgfältig beschriftet.
Schatztruhe aus einer anderen erdgeschichtlichen Epoche. Die Erzer-Sammlung ist ein wahrer Fund fürs Naturmuseum.
Von Erzer umfunktioniertes Förderband aus der Uhrenindustrie.

Das Naturmuseum Solothurn hat die Sammlung des Grenchner Lehrers Jörg Erzer erhalten

Hanspeter Bärtschi

Im geräumigen Haus an der Alpenstrasse 4 in Grenchen stehen säuberlich verpackte und sorgfältig beschriftete Mineralien zum Abtransport ins Naturmuseum Solothurn bereit. Sie gehören zum Nachlass des im Frühling 2015 unerwartet verstorbenen Hobby-Mineralogen und Primarlehrers Jörg Erzer. «Als ich die Sammlung zum ersten Mal sah, bin ich vorerst einmal verstummt», sagt der Sammlungsbetreuer Erdwissenschaften vom hiesigen Naturmuseum.

Neben ihm sitzt die Studentin Evelyne Margelisch, die an der Uni Bern Geologie studiert. Sie ist eine von fünf Studenten, die in den vergangenen Monaten Tausende von Fossilien und Mineralien gesichtet, digitalisiert, inventarisiert, archiviert und schliesslich transportfähig gemacht haben. Auch sie ist von der Sammlung beeindruckt: «Was wir hier vorgefunden haben ist einmalig und übersteigt alles, was ich bisher gesehen habe.»

Eine steinharte Arbeit

Rund 500 Arbeitsstunden dürften es gewesen sein, die die Studenten an der Alpenstrasse eingesetzt haben, um das Erbe von Jörg Erzer zu sichern. Thüring spricht von rund 10'000 Objekten, von denen 4000 ins Naturmuseum Solothurn überführt werden. Für das Museum sei es eine einmalige Chance, die in Umfang und Qualität einzigartige und für den Kanton Solothurn bedeutungsvolle Sammlung in den Museumsbestand aufzunehmen, sagt der Geologe und Paläontologe, der die Sammlung insgesamt auf einen monetären Wert im siebenstelligen Betrag schätzt.

Aus diesem Grund hat der Regierungsrat dem Naturmuseum Solothurn für die aus der Übernahme der Sammlung «Erzer» entstandenen Kosten einen Beitrag von 40'000 Franken plus 15'000 Franken aus dem Lotteriefonds zugesprochen.

Stein-Trouvaillen aus aller Welt

Unabhängig vom Projekt des Naturmuseums wird die Stadt Solothurn auch aus anderen Gründen wieder zur Hochburg für Fossilien und Mineralien. Am Samstag, 29., und Sonntag, 30. Oktober, finden im Landhaus die 49. Solothurner Mineralien-, Fossilien- und Schmucktage Solothurn statt. Es ist dies gleichzeitig auch die 50. Schweizer Durchführung. Vorab gibt es am Freitag Vorträge zum Thema der Sonderschau: «Alte Nordwestschweizer – Mineralien und Fossilien aus dem Jura».

Die Veranstaltung im Landhaus, an der rund 65 Aussteller teilnehmen, darunter auch Schweizer Strahler, ist von gesamtschweizerischer Bedeutung. Anlässlich der Ausstellung werden Bergkristalle und viele andere Mineralien, Meteoriten sowie Fossilien aus der Schweiz und aus aller Welt feilgeboten, ferner geschliffene Steine, Steinschmuck, Literatur, Strahlerwerkzeuge, Bearbeitungsmaschinen und Mineralien-Zubehör. (mgt/szr)

Noch ist nicht klar, welche Stücke tatsächlich in Solothurn bleiben und welche allenfalls in die Sammlung eines anderen Museums integriert werden oder welche Objekte im Sinne des verstorbenen Sammlers einer geeigneten Person übergeben werden. Eines ist allerdings sicher: die umfangreiche Sammlung kann nicht im Naturmuseum Solothurn aufbewahrt werden, und das bisherige Depot im Rosengarten wird wegen der Umnutzung des Gebäudes aufgehoben. «Wir sind zusammen mit den städtischen Behörden auf der Suche nach einem geeigneten Lagerraum», so Thüring.

Ein Leben, eine Passion

Jörg Erzer hat bereits als Jugendlicher zusammen mit seinem Vater seine Leidenschaft für Versteinerungen und Mineralien entdeckt. Der spätere Primarlehrer verliess 1960 seinen Geburtsort Dornach und liess sich in Grenchen nieder. Seine ganze Freizeit widmete der passionierte Sammler seinem Hobby und reiste um die halbe Welt auf der Suche nach Mineralien und Fossilien. «Am liebsten streifte mein Bruder jedoch durch den Jura», sagt seine Schwester Anne-Käthi Schenkel, die die Schenkung an das Naturmuseum initiiert hat. «Ich habe ihn immer gedrängt mir zu sagen, was mit seinem Lebenswerk einst geschehen soll, aber er sagte stets, er wolle es sich überlegen.»

Der unerwartete Tod habe sie deshalb vor grosse Probleme gestellt. «Glücklicherweise hat das Naturmuseum Interesse gezeigt und versprochen, mich bei der Bewältigung des umfangreichen Erbes zu unterstützen. Anne-Käthi Schenkel staunt noch heute darüber, dass der Bruder nach seiner Pensionierung ein Haus mit einer Werkstatt kaufte, nachdem er den grössten Teil seines Lebens in einer Mietwohnung verbracht hatte. «Er wollte einfach seine Sammlung irgendwo unterbringen.»

Obwohl Erzer oft allein durch die Natur streifte, war er kein Einzelgänger. Die Ferien verbrachte er meist in einer Gruppe Gleichgesinnter. Auch seine Schüler liess er an seiner Passion teilhaben und führte jährlich eine Steinverteilung in seinem Schulhaus durch. Er war Mitglied bei verschiedenen Mineraliensammler-Vereinigungen und besuchte Anlässe im Naturmuseum Solothurn.

Auch Anne-Käthi Schenkel erinnert sich an ihre Jugendzeit: «Die ganze Familie beteiligte sich an den Exkursionen des Vaters.» Es ist deshalb verständlich, dass auch die Nichten und Neffen von Erzer und die Familie seiner Schwester das Interesse am Sammeln von Mineralien geerbt haben. So wird auch ein Teil der schönsten Stücke in der Familie bleiben.