Stadtbummel Solothurn
Nasenspaziergang im Spätsommer

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Was riecht man alles?

Was riecht man alles?

KEYSTONE/EPA AFP POOL/VINCENZO PINTO / POOL

Immer der Nase nach: Noch einige wenige heisse Tage, an denen man sie besonders intensiv riechen kann: die Stadt, wie sie riecht. Wer nicht gerade mit üppigem Deospray übersteuert, dem riecht man den Körpergeruch in all seinen Facetten an, beispielsweise im Kreuzackerpark. Denn wo Grün ist, herrscht Sommerfrische. Es ist der Ort, wo sich verschwitzte Schattensucher vor der Sonne verstecken: Leider bleibt der liebliche Geruch der Platanen aussen vor, wenn besagte Schattensucher nach dem «bränntigen» Gang über die Kreuzackerbrücke unter dem Blätterdach auf einem Vorstadt-Holzsofa verweilen. Selbst wenn diese am Smartphone festgebackenen Zeitgenossen lethargisch und somit bewegungslos ihren Mittagsrast abhalten: I don’t like.

Immer der Nase nach: Dieses Motto gilt auch in der Altstadt, wo zur Mittagszeit der etwas angenehmere Mittagsduft aus den Lokalen strömt. Bei diesem Riechquiz-Postenlauf erübrigt sich die Speisekarte. Erlebnisgastronomie mit olfaktorischem Rätselraten. Bis es einem stinkt.

Immer der Nase nach ist auch der Ratschlag für Schnäppchenjäger. Nicht dass es dazu einen besonderen Anlass geben oder brauchen täte – denn ein Anlass gibts immer und nie. Aber es herrscht schon Sommerschlussverkauf, bevor dann der Altsommerschlussverkauf, der Nebelzeit-Startverkauf, der Frühherbst-Schlussverkauf, der Indian-Summer-Ausverkauf und der Adventsverkauf mit «Sale, Sale, Sale!» locken. Kennt man ja.

Immer der Nase nach: Als sich ein armer Tropf in Mani Matters Lied den «Zinggen» hat kürzen lassen, war dies sein Untergang; weil er eben den Weg nicht mehr wusste und deshalb als Strassenverkehrsopfer endete. Umso wichtiger, dass wir den Gesichtserker dankbar ehren – mit offenen Nüstern. Denn bevor in nicht allzu langer Zeit Väterchen Frost mit Frischluft unsere geruchliche Menükarte wieder auf ein klägliches Angebot zusammenstreicht oder ein Schnupfen jegliche Geruchsempfindung einfach zupfropft, darf man noch einmal herzhaft auf- und einschnaufen. Beispiel gefällig?

Immer der Nase nach gilt besonders ab heute – in einem vergnüglichen Sinne: So herrscht wieder Streetfood-Festival. Dort wird es an Kostbarkeiten für Riechkolben und Gaumenzäpfchen «bei Leibe» nicht mangeln.

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