Hilari
Narrenzunft Honolulu lanciert Fasnacht

In Solothurn, pardon, Honolulu, regieren die Narren: Mit dem Hilari-Abend in vier Lokalitäten hat die Narrenzunft Honolulu die Fasnacht 2013 lanciert. Generalthema und Schenkelklopfer Nummer eins war die Erhöhung der städtischen Kaderlöhne.

Wolfgang Wagmann
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Peter Keller, Ober der Narrenzunft Honolulu, hat die Stadt übernommen. Hanspeter Bärtschi

Peter Keller, Ober der Narrenzunft Honolulu, hat die Stadt übernommen. Hanspeter Bärtschi

Stunde Null in Honolulu: «Wir feiern einen Sonntag, Wir haben Kurt Fluri abgesetzt.» Ein Standardsatz von Ober Peter Keller an der 160. Generalversammlung der Narrenzunft Honolulu. Doch frenetisch bejubelt im «Alten Stephan», im «Roten Turm» und im Zunfthaus zu Wirthen ebenso wie in der Säulenhalle, die erstmals für die verwaiste «Krone» eingesprungen war – und dies offenbar erfolgreich.

Ergo blickte Keller weit zurück bis 1853, ins Geburtsjahr der Zunft: Kein Handy, kein Auto, nichts dergleichen habe es gegeben. «Aber der Stadtpräsident heisst immer noch Kurt Fluri.» Auch mit seinem 1975 verstorbenen Grossvater unterhielt sich der Ober über die Errungenschaften seither. Dass Esther Gassler im Regierungsrat sitzt habe der Grossätti lakonisch kommentiert: «Was, e Frau?»

Damit übergab Keller an den Novizen Beat Wyler. Der im Rathaus tätige Informatiker stellte sich kurz, prägnant und gekonnt als «professioneller Bildschirmschoner» vor. Zwerchfellerschütternd vor allem jene Sequenz in seiner familiären Schwedenreise, als sich in Wylers Neopren-Anzug beim Tauchgang in der Ostsee infolge vorangegangenen Kohl-Genusses eine Luftblase vom verlängerten Rücken aus in Richtung Nacken bildete. «So ne Chabis!»

Ein Zwiegespräch des Obers zwischen der Jesuitenkirche und St. Ursenkathedrale – «immer an Weihnachten bist Du voll» - sowie Solothurner Verständigungsschwierigkeiten am Concours de Chevaux in Saignelégier leiteten zur zweiten Perle, Reto Stampfli, über. Dieser präsentierte eine gemischte Platte «Asian Food» mit dem Hauptakzent auf der «gelben Gefahr», mit der vor allem Kurt Fluri Erfahrung habe. Eingeleitet wurde die Produktion von einem beschwingten Zunft-Tänzli, das aber nicht darüber hinweg täuschen konnte, dass die Chinesen spätestens 2033 Solothurn – wie schon das «Krone»-Inventar – übernommen haben werden, Grenchen werde zur «Verbotenen Stadt» und natürlich pflegte Stampfli das beliebte Spiel mit dem «r», dass für Chinesen als «l» ausgesprochen wird. Also «Regierung - Legielung», vor allem aber «Ruscht - Luscht». Chinesische Kost könne aber auch zu einer «Wind-Wind-Situation» führen, folgerte der Narr. Und kam zum Punkt: «Die Chinesen kommen. Wenn jeder zweite Mensch ein Chinese ist, dann sind sie hier.»

Mit einem launigen Crash-Fährtli des neuen Aareschiffs Rousseau ebnete Ober Keller das Terrain für eine zweite Hilari-Halbzeit, die – weil hochpolitisch themenbesetzt - zum absoluten Highlight wurde. Denn nach wie vor steht das fachkundige Publikum in Honolulu auf gekonnt umgesetzte Stadtstorys mehr als auf allgemeinen Klamauk. Eine seinen vieler Brüller setzte Redaktor Fabian Schäfer mit seiner Wahlanalyse: «Stadtpräsident Kurt Fluri ist jetzt Stadtpräsident seit einem Büttiker».

Das sei die Zeiteinheit für 20 Jahre oder fünf Amtsperioden. «Dabei konnte Büttiker die viermal die eigene Haut retten und einmal die der Cervelat.» Scharf geisselte Schäfer die Erhöhung der städtischen Kaderlöhne als wahre «Lohnexplosion», als «Zaster-Tsunami» ja «Salär-Supernova.» Der Arbeiter arbeite, «dr Buur buuret und der Scheff schefflet», folgerte Schäfer. In der Kritik standen in Sachen Lohnerhöhung vor allem auch Pirmin Bischof, weil dieser als «Staatspersonal-Samichlaus» die Erhöhung seinerseits kritisiert hatte, dann aber auch Gaston Barth, Leiter Rechts- und Personaldienst, der auf das «Doch-noch-Rauskommen» der höheren Saläre wie ein Fliegenpilz reagiert habe: «Betupft, und leicht giftig.»

«Zum Glück sind die Wahlplakate normiert», meinte Ober Peter Keller, so habe beim Slogan der Grünen «bio, bodenständig, blond» das vierte Wort nicht mehr Platz gehabt. Damit war die Arena frei für Marco Lupi, der jederzeit für eine Lach-Stampede gut ist. Und er enttäuschte seine Fans nicht: Zuerst drohte er mit einer Eigenkomposition auf dem Alphorn, ehe er sich ans Eingemachte heran tastete: Die Riesenempörung, die ihn erfasst hatte, als er von der Erhöhung der besagten Kaderlöhne erfahren hatte.

Nicht wiederzugeben sein ständiger wachsender Zorn auf dem Weg von der Vorstadt hinauf ins Stadtpräsidium, wo er Kurt Fluri direkt auf sein Problem ansprechen wollte. Natürlich war Kurt Fluri wegen Session in Bern nicht da, und so wollte sich Lupi an Gaston Barth schadlos halten. Genial wie Lupi dies löste: Barth wurde abwechselnd zum lieben Smeagol, der die Lohnerhöhung nicht übers Herz brachte und zum raffgierigen Gollum aus «Herr der Ringe», der zuletzt im Chefbeamten obsiegte: «Nüd müesse mer luege, meeeein Schatzzzz ist meeeein Schatzzzzzz!»

Die Humor-Hochburg Honolulu hatte tatsächlich einen Schatz gehoben, für den Zunftober war die Fasnacht lanciert.