Solothurn

Narrenzunft Honolulu lässt die Fasnacht Revue passieren

Das Böögg-Verbrennen bildet den Abschluss der Fasnacht.

Das Böögg-Verbrennen bildet den Abschluss der Fasnacht.

«Nicht nur der Böögg musste dran glauben, König Kurt wartete gierig auf den Stadtschlüssel», kündete als Ober der Narrenzunft Honolulu Peter Studer das definitive Ende seiner Amtszeit an. Nach 52 Tagen an der Macht habe er diesen Schlüssel gut versteckt, damit noch etwas «Pfuus» übrig bleibe, um das Ende im Stadtpräsidium hinauszuzögern und Zeit zu schinden für die Närrische Abdankung. Doch vorerst schilderte Peter Studer seine Amtsübernahme – im Traum und in Narrenwirklichkeit.

Was man sagen darf...

Als erste Perle verschrieb sich Zunftgarderobier Bernhard «Bänz» Christen, ganz der politischen Korrektheit. Zur Frage, was man sagen dürfe und was nicht, riet ihm sein Zunftkamerad Silvan Studer: «Ganz einfach, was stimmt, darf man sagen, einfach ohne Namen». In der Tat stellte der Steiger fest, dass ethisch «niemand in den Sinn kommt, dass das Jägerschnitzel etwas mit dem Cherzejeger zu tun hat.» Was für Irritationen die (Rück-)Wahl des Klublokals beim Lions-Club, von der Wirthen in die Couronne, auslöste beschrieb Christen ausgiebig. Quintessenz: Der Präsident hat im Jahresprogramm 2019 die Anlässe auf Wirthen, auf die Couronne und wegen wirkungsvollem Lobbying auch auf den Turm verteilt. Übrigens, dass an der Urne die Änderung der Gemeindeordnung mit neun Stimmen abgelehnt wurde, sei kein Zufallsmehr. «Die Narrenzunft hat 14 Zünftler, davon wohnen fünf nicht in Solothurn, dank der Zunft hat die FDP gewonnen», so Christen.

Nachdem der Ober seine Notizen doch noch erblätterte, plauderte Silvan Studer nicht aus dem Nähkästchen, sondern aus seiner ersten Gemeinderats-Sitzung mit dem Haupttraktandum «2000 Jahrfeier im Jahr 2020». Wegen dessen bescheidener Geschichtskenntnisse führte er mit diesem einen Crashkurs durch. Das heisst, er verpackte seinen Rückblick in historische Sentenzen in Verbindung zu all den vielen Fasnachtshöhepunkten und Aktiven.

Ode an die Traurigkeit

Zunftkarajan und zweite Perle Charlie Schmid erhielt den Auftrag, sich der Traurigkeit zu widmen. «Ich bleibe ernst, der Klimawandel findet statt, hier drinnen ist es viel zu warm», sein Einstieg. Gendertechnisch korrekt, verstand er es nicht nur die Schülerinnen und Schüler, auf ihrem Demonstrationszug begleitend, auch Lehrer und Eltern in diese Neudefinition mitzunehmen. So wurde aus «Schüler*innen», abgekürzt SuS, Susi. Seinen Vorgeschmack auf das ultimative Fasnachtsende kleidete Schmid an der Handorgel zusammen mit Beat Wyler an der Gitarre in eine herrliche Ballade: «Am Tag, wo die Fasnacht gestorben ist».

Eine einmalige Ehrbezeugung verlieh der Ober auf Wirthen, im Roten Turm und zum endgültigen Lichterlöschen im Stephan. Studer spendete allen den «Hilariusorden vom himmelblauen Konfetti». Stehend wurde diese mit dem Ober-Zepter erteilte Auszeichnung würdig entgegengenommen.

Seine Anhänger folgten ihm ganz in Weiss, der dritten Perle Marco Lupi. Mit seinen Kalauern wie selbstironischen Einschüben bescherte er ein ausschweifendes Brimborium närrischen Gedankenguts. Grussformen und -rituale und deren Folgen waren sein Thema. Das Beispiel des FaBuBi-Syndroms testete Lupi im Selbsttest an einem Samstagmarkt. Er löst auf: «FAst-BUndesrat BIschof grüsst jeden. Ich kam auf 37 und wenn ich mal nicht gegrüsst habe – es ist extra gewesen».

Der Ober’sche Schlussvers verkündete das definitive Ende, aber auch Trost: «In einem Jahr wird die Fasnacht wieder geboren!». «Nicht öppe so, sondern so sollte sie sein», so Studer in seinen Schlussworten. Wobei manche Träne beim Brämelied der «Wienerli Philharmoniker», auch als Hilarimusig bekannt, verdrückt wurde. Der Tambourenverein Solothurn betrommelte den allerletzten Gang wie gewohnt.

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