Fasnachtspresse

Narrenblätter sind politisch unkorrekt – «gäng wie gäng»

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Wieder wecken die Narrenblätter «Hudibras», «Postheiri» und «Amzblatt» mit spitzer Feder und politisch kritischen Worten Lust auf Honolulu.

Nachdem vergangene Woche bereits das Gratisblatt «11 Minuten» für ein amüsantes Vorbeben in der hiesigen Narrenlandschaft gesorgt hat, werden die Fasnächtler nun noch einmal durchgeschüttelt – und dies dreifach: Seit gestern Abend sind nämlich die anderen Narrenblätter, der «Postheiri», der «Hudibras» und das «Amzblatt», erhältlich. Und was sich der «Postheiri» auf die Fahne schreibt – nämlich «politisch kritisch und gäng wie gäng total unkorrekt» zu sein – gilt wohl auch für die Produkte der Mitstreiter.

Das gleich auf mehreren Seiten «gefeierte» Thema im fasnächtlichen Fadenkreuz ist natürlich die Seilbahn Weissenstein. Und da es diesmal um die Eröffnung und somit um keinen Schaden ging, müssen die Narrenblätter selbst für den Spott sorgen. Beispielsweise über blau-gelb-bemützte Ehrengäste: Laut «Hudibras» seien an der «Verladung zur Seilbahneröffnung» also «alli käppelet» gewesen. Der «Postheiri», respektive seine unsterbliche Autorenschaft mit Hilarius Immergrün und dessen Tochter Elisi, widmet sich den Gondeli gar auf zwei ganzen Seiten. In seinem bewährten Beneidungsregister wirft das «Amzblatt» die Frage auf, weshalb der Weissensteintunnel die Seilbahn zu beneiden habe: «Er möchte auch schon saniert, eingeweiht und wieder in Betrieb sein.»

Doch genau dies könnte teuer kommen, entnimmt man dem «Amzblatt» weiter. Für die anberaumten 170 Millionen Franken wird eine entsprechende Luxusvariante erwartet: mit separatem Fussgänger- und Velostreifen neben den Geleisen, mit klimatisiertem Tunneldrehrestaurant, mit obligatem Kunst am Tunnelbau und einer Haltestelle «Nidleloch». Vielleicht kommt es aber ganz anders, geht es nach Doris Leuthard, die hier bald eine «Tunnelschliessung eröffnen» müsse. Vielleicht aber setzt sich dereinst auch eine Interessengruppe für den Erhalt ein, wie der «Hudibras» spekuliert, dann nämlich, wenn der Verein «Pro Sässeli» als «Pro Tunneli» hier seine neue Bestimmung findet.

Hofer und Bischof im Fokus

Es spricht für sich, dass Jahr für Jahr nicht nur Themen, sondern auch Personen durch den Kakao gezogen werden. Beim «Hudibras» schafft es Kurt Fluri gar auf die Titelseite. Viel neue Angriffsfläche bietet der Stadtpräsident aber nicht. «Kurt am Bache» titelt der «Postheiri» und zeigt ihn schlummernd im Bachbett der Einsiedelei. Der «Hudibras» legt ihm in gleicher Sache ein Zitat in den Mund: «Dank meinen vielen VR-Sitzungen komme ich zu genügend Schlaf.»

Umso schärfer geschossen wurde gegen Tourismusdirektor Jürgen Hofer, wobei als Kontext und Steilvorlage die brandaktuelle Nachricht des Feuers im Von-Roll-Haus diente. Das «Amzblatt» widmet seinem Tagesablauf eine lyrische Ode in 15 Vierzeilern: «Dr hütig Tag zeigt wieder klar: I trotze täglich jeder Gfahr. Ja dasch Tourismus! Do heschs gäng, so als Diräkter cheibe sträng!» Bitterbös doppeln die anderen nach. Beim «Hudibras» fragt man sich, ob dem Direktor dadurch Feuer unter dem Hintern gemacht werde, das hilario-elisische Intelligenzblatt betreibt Brandermittlung: «War der Brand Hofers erster Geistesblitz?»

Immer gern angepeiltes Opfer der Narrenpresse ist auch Ständerat Pirmin Bischof. Und was als Lob anfängt, endet meistens anders: «Ob Strompreis, Euro, Wirtschaftskrise: Zu allem weiss er stets Bescheid. Die Meinung dreht sich nach der Bise, egal was är hett geschter gseit», schreibt der «Hudibras» höhnisch. Ebenso bei Bea Heim, die als höflichste Politikerin des Jahres geehrt wurde: «Sie lässt allen anderen beim Rücktritt den Vortritt.»

Auch aufs Solothurner Rathaus wird grosszügig gepfeffert. Laut «Amzblatt» hält der Regierungsrat seine «Audi-Enzen» künftig in der magistralen Luxuskarosse ab. Derweil schiesst der «Hudibras» scharf auf das düstere Regierungsrats-Foto: «Verrückte führen Blinde...» Der «Postheiri» hingegen veröffentlicht den fiktiven Diskurs «Qunst am Bau» von Regierungsrat Roli Fürst, Kulturchef Cäsar Eberlin und Christo Voegele vom Kunstmuseum: «Im Schachen wird die Kunst gleich weggesperrt», meint dazu Fürst.

Rettung für den FC Grenchen

Was im honolulesischen Blätterwald nie fehlen darf, ist die «Würdigung» des Grenchner Geschehens. Wobei man sich dieses Mal fast wehmütig mit der Frage auseinandersetzte, was eigentlich alt Stapi Banga zurzeit umtreibt. «Korrigiert er krampfhaft die Fehler seines Nachfolgers?», mutmasst der «Hudibras». Oder folge er Scheidegger auf Schritt und Tritt, geifrig wartend, dass er eines der Fettnäpfchen seines Nachfolgers bei Facebook posten könnte? Apropos Fett: Wie auch schon bei «11 Minuten» kriegt der FC Grenchen erneut das seinige weg. Immerhin mutet der Vorschlag einer «revolutionären Vorwärtsstrategie» des «Hudibras» konstruktiv an: So soll der Tribünentrakt zur Asylunterkunft umfunktioniert werden und die Speakerkabine zum Minarett.

Was die Form der drei Fasnachtsblätter angeht, setzt man auf Bewährtes, einmal davon abgesehen, dass der «Postheiri» mottogetreu «ungerobsi» «hingerfürschi» zu lesen ist. Optische Höhepunkte hier sind das Videospiel «Knack die Benedikta» sowie die liebevoll gezeichnete und als Poster geeignete Doppelseite mit dem «Who is Who» rund ums Stadttheater. Alljährlichen humoristischen Hochgenuss bietet im «Hudibras» der Polizeirapport, diesmal mit Wm Schneider und Gfr Rogenmoser, sowie – in der Hauptrolle – Dackelrüde Waldemar, der vom Popularitätsgrad fast schon mit Hilarius, Elisi und Konsorten mithalten kann. Im diesjährigen Einsatz verirrt sich die Truppe wegen falsch eingestelltem Navi nach Einsiedeln, statt in die Einsiedelei. Auf der zunächst ergebnislosen Suche nach okkulten Scharlatanen kommt wenigstens Waldemar auf seine Rechnung, als er mit Schwester Benediktas Pudel Timmy ein Gspänli gewinnt...

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