Wenn man darin blättert – für viele der Vernissage-Gäste vergangene Woche ein Aha-Erlebnis – reist man unsentimental-nostalgisch zurück in eine vertraute und doch inzwischen fremde Welt. Gab mit «Clic 1» von 1978 Leonardo Bezzola fotografische Einblicke in die bewegte Schweizer Kunstszene der 50er- bis 70er- Jahre und deckt «Clic 2» die Jahre 1978 bis 1992 ab, so ist «Clic 3» ein Rückblick auf die Jahre von 1992 bis 2011. «Clic», das assoziiert natürlich einmal das vertraute Klicken der Kamera, ist aber auch ein Wortspiel Bezzolas mit dem Begriff der Clique, die diese Kunstszene ja auch war.

Die Idee zum Fotoband entstand einst im Kreis um Bernhard Luginbühl. Doch nach dem zweiten Band, der ursprünglich auch als letzter gedacht war, mussten fast 20 Jahre vergehen, bis dieser
3. Band, auf Anregung der Grafikerin Elisabeth Schwarzenbeck und des Kunstpublizisten und -kritikers Konrad Tobler, zustande kam. Wiederum werden 688 Archivaufnahmen aus Leonardo Bezzolas Fundus im gleichen kompakten Format gezeigt: ein Bild pro Seite und eine kurze Randnotiz. Denn diese Bände kommen ohne grosse Worte aus, die Bilder stehen für sich und erklären sich selber und ihre Zeit. Bilder, in klassischer Manier schwarz-weiss fotografiert aus dem persönlichen Blickwinkel des professionellen Fotografen, der ohne künstlerische Manipulation auskommt.

Bilder suchen, finden und fotografieren

Anlässlich der Buch-Vernissage im Haus der Kunst St. Josef, Solothurn, beschrieb André Kamber Leonardo Bezzola als einen «Fotografen, der zuerst seine Bilder sucht, findet und dann fotografiert». So schliesst «Clic 3» einen Ausblick auf ein fotografisch vielseitiges Lebenswerk ab.

Leonardo Bezzola hat sich schon früh als sensitiver Beobachter und Archivar der Schweizer Kunstszene nachhaltig etabliert. Seit Jahrzehnten schon fotografiert der 1929 geborene, in Bätterkinden lebende Fotograf Ausstellungen, Kunstschaffende, Vernissagen, Künstlerfeste, Ateliers, Stimmungen. Stets am Rande des Geschehens aus der diskreten Position des interessierten Zeitzeugen verzichtet Bezzola auf grosse Posen, auf dem Grat von Distanz und Intimität setzt er auf eine dokumentarische, zuweilen recht anekdotische Atmosphäre. Auf weiche Grautöne setzend, historisch und zeitlos, nähert sich Bezzola mit der traditionellen Kamera Menschen, Künstlern und ihrer Kunst, Situationen und Augenblicke, ohne diesen zu nahe zu kommen. So trifft man auch in diesem Band auf altvertraute Namen und Gesichter, dabei steht weniger das Kunstschaffen im Mittelpunkt als vielmehr die Menschen und ihre Zeit im Focus regionaler, nationaler, internationaler Bedeutung.

«Clic 3» ist wiederum ein dokumentarisches Poesiealbum, das Schauplätze der Kunst und private Nebenschauplätze, das Öffentliche und das Familiäre, zufällige und flüchtige Begegnungen, Freundschaften, prominente und anonyme, lebende und inzwischen verstorbene Zeitgenossen, Happenings, Kinder, Transporte, Vernissagen als Geschehen und Zeichen ihrer Zeit festhält.

«Clic 3», Verlag Gerber & Keller, Zürich, 704 Seiten, broschiert, CHF 60.–.

Weitere Buchpräsentation, 1. April, 11 Uhr, Restaurant Commerce, Gerechtigkeitsgasse 74, Bern. Ausstellung zum Buch: Galerie Walter Keller, Oberdorfstr. 2, 8001 Zürich, Ausstellungsdauer 5. April bis 5. Mai 2012, Do/Fr 12–18 Uhr, Sa 12–17Uhr.