Auf der Hebebühne montierten Mannen der Regio Energie fleissig die letzten Birli-Girlanden der Weihnachtsbeleuchtung ab, und der Monatsmäret hatte die Altstadt comme gäng im Griff. Dies die Ausgangslage für Ober-Ober Max Kaeser, der die Narrenschar zum Hilari launig begrüsste: «Gut hundert haben sich eingefunden, die nun wissen, wo der Börsenplatz ist.» Um anzufügen: «Keine Angst, heute gibts keine Kirchenbesuche.»

Gerber, Schneider, Schmiede

Dafür gabs närrischen Nachhilfeunterricht zum Thema Zünfte; Handwerks- und nicht Narrenzünfte allerdings. Vor dem ehemaligen Zunfthaus der Gerber erklärten die Hauptgassleistler Martin Schmuckle und Nicola Arnold in Schaffellen, wie ihnen die Gerber früher in einem richtigen «Massentöten» diese über die Ohren gezogen hätten.

Einblicke in den Solothurner Hilari.

Einblicke in den Solothurner Hilari.

Ein tapferes Schneiderlein widmete sich auf dem Rand des Gerechtigkeitsbrunnens dem Zunfthaus der Schneider, heute das «Kinderparadies Bohnenblust».

Der emsig nähende HGL-Altober Markus Leuenberger reimte pfiffig: «Ohni Schniider gohts doch nit, wüus ohni ihn ke Fasnacht gitt.» Und verselte sich dann durch alle Fasnachtsgruppen von Honolulu und ihre Outfit-Wünsche wie: «Dr Mamfi-Ober lüttet a - er müessi hür föif Goschtüm ha.»

Natürlich durfte vor dem Zunfthaus der Schmiede (heute Eckhaus «Ex Libris») eine lohende Esse und ein Amboss nicht fehlen. Darauf hämmerte HGL-Schmied Daniel Lisibach eine Amboss-Polka, unterlegt mit dem gesungenen Refrain: «Welche Lust ein Schmied zu sein!»

Als hätte ein Pferdegespann geahnt, dass hier in der Glut der Esse neues, krummes Hufschuhwerk entsteht, ratterte es plötzlich die Hauptgasse hinauf, im Schlepp eine altehrwürdige Gulaschkanone.

Daraus servierte die Derendinger Umzugsgruppe Herregääger der Narrenschar währschafte Erbssuppe mit Gnagi. Damit leitete der Ober-Ober zu seinem offiziellen Schlussakt ein: Als letztes und drittes Teil der «Kaeserschen Trilogie» durften die Narren einen Brieföffner in Empfang nehmen - gegen einen Obolus, welcher der Sozialarbeit der Pfarrei St. Ursen zu Gute kommen wird.

Wie Feldbrunnen auf Touren käme

Spannend jeden Hilari die Frage, ob und wen die Narrenzunft Honolulu aufnimmt. Diesmal wars der Inhaber einer Zürcher Werbeagentur namens Pierre Laubscher, kurz «PL», der auf dem Märetplatz die Narren in breitestem Züri-Dütsch begrüsste.

Dahinter steckte jedoch der 28-jährige Silvan Studer, Kadermann bei Aldi aus Solothurn. Er hatte ein schlagkräftiges Unterstützungskomitee für eine Pro-Feldbrunnen-Kampagne zusammengetrommelt - angeführt von Gemeindepräsidentin Anita Panzer.

Support erhielten sie von Solothurner Gemeinderätinnen wie Frau Franziska Roth, Frau Anna Rüefli und Frau Brigit Wyss. «Bei linken Politikerinnen pflege ich stets ‹Frau› voranzusetzen, denn bei linken Männern weiss man nie, ob sie eine Frau oder ein Mann sind», witzelte Studer keck.

Und an die Adresse der Gemeinderätinnen: «Das mit Tempo 30 auf der St. Niklausstrasse habt Ihr gut eingefädelt - seither hat Feldbrunnen schon wieder vier Steuerzahler mehr.» Nach viel Applaus für den Novizen war zum Apéro Unterschriftensammeln für Feldbrunnen angesagt.

Vater Kurt und Sohn Umberto Ferrari sorgten nun dafür, dass die Rathausgasse bis Aschermittwoch Eselsgasse heisst, und im Stadtpräsidium übergab Kurt Fluri den Schlüssel an Honolulu-Ober Peter Keller, der sich für die Narrenzunft mit einem originellen Notfallkoffer revanchierte.