Solothurn
Nachbarn haben sich gefunden: Das «Bistraito» erhält neuen Wirten

Ab 2017 führt «Wirthen»-Wirt Chris van den Broeke das «Bistraito» zusätzlich als Pächter. Er sieht darin eine saisonale Ergänzung. Ungeklärt bleibt, ob das Exklusivrecht der Privés für einen Aussen-Grillstand auch für den neuen Betreiber gilt.

Wolfgang Wagmann
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«Bistraito»-Nachfolger Chris van den Broeke (l.) mit Maria und Lionel Privé.

«Bistraito»-Nachfolger Chris van den Broeke (l.) mit Maria und Lionel Privé.

Wolfgang Wagmann

Nun sind die Würfel am Märetplatz vorne gefallen: Die Familie Privé verpachtet ihr «Bistraito» mitsamt der Nutzung der Terrasse an «Wirthen»-Pächter Chris van den Broeke. «Wir übernehmen das gesamte Personal auf den 1. Januar 2017», verspricht dieser.

Am Engagement im Zunfthaus zu Wirthen soll sich nichts ändern, die Motivation für van den Broekes Schritt liegt woanders: «Wir haben ein typisches Winterrestaurant. Für das Sommergeschäft ist unsere Terrasse jedoch zu klein.» Oder anders ausgedrückt: «Den perfekten Betrieb gibt es nicht. Entweder du hast ein Winter- oder ein Sommerproblem.»

Deshalb sah der «Wirthen»-Wirt im «Bistraito» eine «ideale Ergänzung». An der Ausrichtung und an der bewährten, beliebten Angebots-Palette des «Bistraito» will Chris van den Broeke vorläufig nicht rütteln – ausser er müsste. Denn ob er den Wurstgrill von Privés als deren Pächter weiterführen darf, ist derzeit noch keineswegs geklärt – und gesichert.

«Wir werden darum kämpfen»

Auch für Chris van den Broeke geht es im «Bistraito» um die Wurst, respektive den Aussenstand mit Backwaren und Grillwürsten. Dieser ist so von der Stadt lediglich geduldet, und zwar nur solange, als ihn das Ehepaar Privé selbst betreibt. Auch deren Tochter Stephanie hatte zuletzt keine Garantie gehabt, ob sie den Stand in dieser Form weiterführen könne oder nicht – was ihr den Entscheid zum Weiterführen des elterlichen Geschäfts schwer gemacht hatte.

Lionel und Maria Privé besitzen wie auch noch Stadtmetzger Ruedi Wälchli mit seinem Aussengrill lediglich eine Besitzstandgarantie, weil sie schon vor Inkrafttreten der städtischen «Lex Grill» im Jahr 2004 ein solches Angebot geführt hatten. Seither verbietet ein Passus im Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums für Märkte und marktähnlich Nutzungen Aussengrill-Stände.

Damit wollte man ähnlichen Begehren anderer Wirte und Gastro-Anbieter den Riegel schieben, andererseits auch Grill-Immissionen verhindern. Zum heiklen Thema meint der neue «Bistraito»-Pächter: «Wir haben auf unsere Anfrage eine mündliche Antwort von der Stadtkanzlei. Der Stand sei kein Problem, der Grill dagegen schon.»

Chris van den Broeke macht aber keinen Hehl daraus; dass es vor dem «Bistraito» weiterhin Bratwürste und Schüblinge vom Grill geben soll: «Wir werden darum kämpfen.» (ww)

«Idealer Partner»

Lange hat sich der Hauseigentümer und Betreiber des «Bistraito», Lionel Privé, schwergetan mit der Nachfolgeregelung. Neben einer familieninternen Regelung mit seiner Tochter, die ausgebildete Wirtin ist, hätten sich auch viele Interessenten für das top gelegene Haus im Herzen der Altstadt gemeldet: Migros, Coop oder Starbucks zählt Privé auf.

Die meisten lockte das aktuelle Zauberwort «Take-away» – der aktuelle Renner in der Gastro-Szene. «Doch zogen sie sich nach und nach alle wieder zurück.» Hauptbegründung sei laut Privé stets gewesen, dass die wirtschaftlichen Perspektiven in Solothurn nicht gerade vielversprechend seien. Deshalb sei nun die Wahl auf den Nachbarn Chris van den Broeke gefallen: «Er ist für uns der ideale Partner.»

«Muss wohl weiter arbeiten»

Lionel Privé ist der eigentliche Take-away-Pionier in Solothurn. 27 Jahre lang hatten Privés im Warenhaus Manor – damals noch Nordmann – einen Stand betrieben, und vor 30 Jahren dann das «Bistraito» eröffnet. Neben ihrer gehobenen Küche machten sich Lionel und Maria Privé vor allem einen Namen mit ihrem Aussenstand, wo Backwaren, Glace und Grillwürste der Renner sind.

Den Versuch, als Erster in Solothurn Kebab, allerdings draussen, anzubieten, unterbanden die Stadtbehörden in den Neunzigerjahren. Inzwischen sei die Situation für sein Geschäft nicht einfacher geworden: «Wir haben in der Stadt 15 neue Konkurrenten erhalten.» Und meint damit vor allem die ständig gewachsene Kebab-Szene.

Für das «Bistraito» sei der Aussenstand «überlebenswichtig», ohne diesen habe der Betrieb «keine Existenzberechtigung mehr». Selber sieht der 73-jährige Geschäftsmann nur eine Perspektive: Weiter arbeiten. Denn aufzuhören, könne er sich nicht leisten. Und deshalb wird Lionel Privé auch unter Pächter van den Broeke weiterhin in seinem Haus anzutreffen sein.