Künstlerhaus S11
Nach vier Monaten als Gastkünstlerin: «Ich arbeite am besten in Krisen»

Anita Gratzer aus Linz zeigt ihr Schaffen aus vier Monaten Gastkünstler-Zeit im Künstlerhaus S11.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Ausstellung Anita Gratzer im Künsterhaus S11
16 Bilder
Jetzt stellt sie im Künstlerhaus S11 aus. Die Ausstellung steht unter dem Titel «Persona».
Zu sehen sind Zeichnungen...
...
und auch Büsten, in Seiten antiker Gebetsbücher oder asiatischer Kalenderblätter gehüllt.
Anita Gratzer: «Durchs Scheitern erschliessen sich neue Wege.»
Moulage-Gesichter
Gratzer hat auch spirituelle Roben, ebenfalls aus antiken westlichen, nah- oder fernöstlichen Schriftstücken gefertigt.

Ausstellung Anita Gratzer im Künsterhaus S11

Hanspeter Bärtschi

In den letzten vier Monaten hiess es für Anita Gratzer nicht selten Tagwacht morgens um vier und Feierabend abends um acht. Die Österreicher Gastkünstlerin hat in ihrem Atelier im Alten Spital einige Irr-, aber noch viel mehr Königswege beschritten. Denn: «Durchs Scheitern erschliessen sich neue Wege. Und ich arbeite am besten in Krisen», sagt sie.

Die Werke, die sie anlässlich ihrer «Artist in Residence»-Zeit schuf, sind mannigfaltig und zahlreich. Ebenso wie die Fülle an Materialien und Impulsen, die sich ihr von Anfang ihrer Gastzeit an bot.

Zu sehen sind Büsten, in Seiten antiker Gebetsbücher oder asiatischer Kalenderblätter gehüllt, grossformatige Rohrschach-Symmetrien, nach japanischer Machart gestaltete Zeichnungen oder spirituelle Roben, ebenfalls aus antiken westlichen, nah- oder fernöstlichen Schriftstücken gefertigt. In Gratzers «Wunderkammer» zu sehen sind Moulage-Gesichter, Modelle, die beispielsweise auch zur Illustration von Hautkrankheiten dienen. Andererseits ziert eine sogenannte «Schafskopfbibliothek» – Schädel, ebenso mit religiösen Textseiten versehen – die «Wunderkammer.»

Das Menschsein im Zentrum

In der Ausstellung unter dem Titel «Persona» ist am Freitag und am Wochenende Gratzers Schaffen aus der Zeit vor und während Solothurn im Künstlerhaus zu sehen. Damit stützt sie sich auf die Gedankenwelt C.G. Jungs und zeigt das in Masken oder Kleider gehüllte, oder durch Prothesen veränderte Menschsein, das doch stellenweise durch die Hülle nach aussen bricht.

Gratzer wandert entlang der Grenze der musealen Auseinandersetzung und der Kunst, wobei das Handwerk durch inspirierten Umgang mit Materialien und ideenreiche Anwendung von Techniken zentrale Beachtung erhält. Durch ihr Stöbern in antiken Beständen zeigt Gratzer: Die Geschichte liefert das Rohmaterial, das sie wertschätzend aufnimmt, um ihre Kunst zu schaffen.

Was der Betrachter über ihr Schaffen in Solothurn sehen wird, ist aber nicht das Endergebnis: Die Objekte werden danach zur Kulisse von Fotoporträts mit Solothurnern, die dann künstlerisch abgewandelt werden. Zu sehen ist also eine Ausstellung, die neugierig zurücklässt. Hoffentlich aber nicht lange: Tatsächlich hat Gratzer die Stadt und ihre Menschen ins Herz geschlossen – und will zurückkehren ...

Vernissage: Fr, 16. März, 19 Uhr, Künstlerhaus S11. Ausstellung: Sa, 17. und So,
18. März, 14 bis 17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten