Solothurn
Nach Unfall mit «Bipperlisi»: Ist der Übergang korrekt gesichert?

Der Bipperlisi-Personenunfall vom Wochenende in Solothurn wirft Fragen zur Sicherheit des Zebrastreifens auf.

Andreas Kaufmann
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Fussgängerübergang an der Rötistrasse
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Ungefähr so präsentiert sich die Unfallstelle aus der Sicht des Zugführers
Die Unfallstelle aus der Sicht des Fussgängers
Zehn Jahre zuvor war es dort das letzte Mal zu einem Unfall gekommen. Dieses Bild entstand 2008 nach dem damaligen Unfall noch ohne Sicherungsleitplanken.
Die Unfallstelle 2008 noch ungesichert aus der Bahnoptik
Die Unfallstelle nach dem Umbau als Folge des Unfalls von 2008

Fussgängerübergang an der Rötistrasse

Wolfgang Wagmann

Es ist zehn Jahre her, als am Fussgängerstreifen der Chantierwiese zum Rosenweg der letzte Personenunfall mit einem «Bipperlisi» geschah. Damals wurden eine junge Frau und zwei Kinder beim Überqueren der Rötistrasse trotz Schnellbremsung vom Zug erfasst. Alle drei erlitten dabei zum Teil schwere Verletzungen. Noch einmal sieben Jahre zuvor war eine 55-jährige Frau am selben Ort gar tödlich verunfallt.

Der Fussgängerstreifen blieb vielen deshalb als «Todesfalle»oder «blutgetränkte Gefahrenquelle» in Erinnerung – dies, obwohl beim Vorfall von 2008 laut Polizei die Schuld bei der Fussgängerin lag: Missachten des Vortrittsrechts, das der Strassenbahn gemäss Artikel 38 des Strassenverkehrsgesetzes zusteht. Und über die Schuldfrage im aktuellen Fall äussert sich die Kantonspolizei nicht. «Deren Klärung ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft», sagt Mediensprecher Bruno Gribi. Ebenso wenig gibt es über den derzeitigen Gesundheitszustand des Verunfallten neuen Informationen.

Ein 51-Jähriger wurde beim Überqueren der Rötistrasse von einer Komposition der Aare-Seeland mobil Bahn erfasst.
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Unfall in Solothurn
Er musste mit der Rega ins Spital geflogen werden.
Wie es zum Unfall kam, ist noch unklar.

Ein 51-Jähriger wurde beim Überqueren der Rötistrasse von einer Komposition der Aare-Seeland mobil Bahn erfasst.

Kapo Solothurn

So oder so waren die Unfälle – wie auch alle anderen Kollisionen – Öl ins Feuer der öffentlichen Diskussion um das Dafür und Dawider des «Bipperlisis». Bis heute reichen die Meinungen von «Es gehört abgeschafft» bis «Andernorts kommt man mit weitaus komplexeren Strassenbahn-Netzen klar als in Solothurn.»

Zehn Jahre ohne Personenunfall

Immerhin wurden unverzüglich nach dem letzten Vorfall Massnahmen in Angriff, um diese «Todesfalle» zu entschärfen. Wie Fredy Miller, Direktor der Aare Seeland mobil AG, auf Anfrage erläutert, sei nach besagtem Personenunfall von 2008 die heutige sogenannte Umlaufschranke mitsamt Warnbeschilderung installiert worden. Sie verhindert ein direktes Hinauspreschen auf die Strasse und forciert Fussgänger zum Innehalten vor dem Zebrastreifen. Schon damals kam das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau zur Erkenntnis, dass die Massnahme das Sicherheitsgefühl der Verkehrsteilnehmer erhöht habe.

Seither sind zehn Jahre ohne Personenunfälle am Übergang Volière–Rosenweg verstrichen – bis zum vergangenen Wochenende: Am Samstagmittag wurde ein 51-jähriger Mann vom «Bipperlisi» erfasst und schwer verletzt. Bis auf weiteres dauern entsprechende Untersuchungen zum Unfallhergang an. Und so konnte auch Fredy Miller auf Anfrage über die noch laufende Untersuchung des Vorfalls am Wochenende keine Auskünfte erteilen. «Hier warten wir den Abschlussbericht ab.»

Er zeigt sich aber betroffen über das Ereignis: «Wir möchten dem Verunfallten und seinen Angehörigen unser Mitgefühl ausdrücken. Jeder Unfall ist einer zuviel.» Gleichzeitig sei in Sachen Sicherheit in den vergangenen zehn Jahren viel passiert, so Miller. So konnten in diesem Zeitraum 50 Bahnübergänge aufgehoben werden, während bestehende Übergänge vermehrt durch Wechselblinker und Bahnschranken aufgerüstet worden seien. Auch seien die neuen Fahrzeuge tendenziell sicherer, so Miller – beispielsweise durch frontale Knautschzonen. Und nicht zuletzt sei das Personal im Führerstand auf neuralgische Gefahrenstellen noch besser sensibilisiert.

In Sicherheit investiert

«Insgesamt haben wir in den vergangenen zehn Jahren viel Geld in die Sicherheit investiert», sagt Miller. Während dieser Zeit haben sich laut der betriebseigenen Unfallstatistik die Ereignisse – und dazu zählen Fahrzeugkollisionen ebenso wie Personenunfälle und Zusammenstösse mit Wildtieren – geradezu halbiert. «Heute sind wir eine sichere Bahn», ist Miller überzeugt.

Sicher sei im übrigen auch der betroffene Fussgängerstreifen über die Rötistrasse: «Der Übergang gilt nach Umsetzung der Sicherheitsempfehlungen der eidgenössischen Untersuchungsstelle Bahnen und Schiffe als korrekt gesichert», sagt Miller. Auch aus Sicht der Kantonspolizei seien «die Sicherheitsmassnahmen im Bereich der Unfallstelle ausreichend», wie Gribi festhält.

Ebenso wird dies auf Anfrage vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau AVT bestätigt. Konkret wurden damals vor und nach der Installation des Geländers Videoanalysen sowie Befragungen durchgeführt. Demzufolge sind keine weiteren Sicherungsmassnahmen mehr nötig, hiess es schon damals. Für die Bahn ist gemäss AVT die Sicherheitsmassnahme angebracht, den Übergang mit maximal 30 Stundenkilometern und bei allfällig wartenden Passanten mit einem Warnpfiff zu befahren.

Eine Aufhebung des Übergangs war weder für die befragten Schützenmatt-Bewohner, aber auch für die Stadt eine Option. Stattdessen wurden eine Lichtsignalanlage oder eine Unterführung vorgeschlagen. Das AVT hält aber fest, dass von einer Unterführung abzusehen sei, da solche bereits bei der Rötibrücke und beim Baseltor-Kreisel bestehen. Auch eine Lösung mit Lichtsignalanlage entfällt aus Sicht des AVT, da man so Rückstau und Wartezeiten in Kreiselnähe befürchten müsste.

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