Solothurn
Nach Todes-Sprung: Wird Stagediving im Kofmehl bald verboten?

Die Kulturfabrik Kofmehl erhält viele Reaktionen auf die Nachricht des tragischen Todes eines Besuchers nach dem Sprung ins Publikum. «Im Moment sind wir dabei, das Ganze aufzuarbeiten», sagt Leiter Pipo Kofmehl. Auch ein Verbot werde geprüft.

Wolfgang Wagmann
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Das «Stagediving» beschränkt sich laut Pipo Kofmehl keineswegs nur auf die Hardrock- oder Heavy-Metal-Szene.

Das «Stagediving» beschränkt sich laut Pipo Kofmehl keineswegs nur auf die Hardrock- oder Heavy-Metal-Szene.

az/key

Tiefe Betroffenheit herrscht auch am vierten Tag nach dem Tod eines jungen Konzertbesuchers in der Kulturfabrik Kofmehl.

Vor dem Mittag hatten sich bereits 30 Leute aus der ganzen Schweiz beim Leiter der Kulturfabrik, Pipo Kofmehl, gemeldet. «Darunter waren viele Anrufe aus der Veranstalterszene, ja ein grosser Event-Organisator hat unverzüglich eine Teamsitzung zum Thema Sicherheit einberufen.»

Quer durch die ganze Szene sei allen bewusst geworden, welche Verantwortung man trage. «Dies wurde uns jetzt auf brutale Art und Weise vor Augen geführt.»

Doch könnten die zu ziehenden Konsequenzen aus dem tragischen Ereignis dereinst «vielen Leuten helfen», hofft Kofmehl.

Schauen, was zu tun ist

Das Thema «Stagediving», der Sprung oder das Hinabgleiten von der Bühne ins Publikum, wird sicher nicht nur das «Kofmehl» beschäftigen. Laut «20 Minuten online» prüfe man, ob Stagediving verboten wird. «Wir tauschen uns zurzeit mit anderen Veranstaltern aus.»

«Wir haben zuerst einmal geschaut, ob in der nächsten Zeit Anlässe mit solchem Potenzial geplant sind. Zum Glück ist das nicht der Fall.»

So verfüge man über genügend Zeit, sich damit zu befassen. «Denn im Moment sind wir dabei, das Ganze aufzuarbeiten. Jedenfalls ist das Team, darunter sind auch viele sehr junge Leute, noch enger zusammengerückt», meint Pipo Kofmehl.

Viele offene Fragen stünden an: Muss künftig die Bühne abgeriegelt werden, wie dies bei gewissen Formationen mit so genannten «Crash Barriers» schon gehandhabt wird?

Eine Praxis, die allerdings bisher eher dem Schutz der aufwendigen Technik auf der Bühne als demjenigen von Fans und Bandmitgliedern galt.

Natürlich könne man jetzt die Bands auch auf das tragische Ereignis hinweisen und sie damit beeinflussen, nicht um jeden Preis die Fans auf der Bühne zu haben. Auch kann Pipo Kofmehl nicht ausschliessen, dass aufgrund des Vorfalls behördliche Auflagen folgen.

Ein Ritual der Emotionen

Was der Leiter der Kulturfabrik noch immer nicht fassen kann: Seit 40 Jahren gibt's das Ritual des «Stagedivings» und «seit 20 Jahren uns - aber nie ist dabei etwas passiert.»

Wer sich auf die Bühne wage und ins Publikum eintauche, könne sich auf dessen Unterstützung verlassen.

«Die Leute schauen auf Dich und man hilft einander.» An sich sei das Ganze etwas Positives, aber auch sehr emotional - «die Fans sind dabei in Ekstase.»

Deshalb beschränke sich das «Stagediving» keineswegs nur auf die Hardrock- oder Heavy-Metal-Szene.

Gerade bei Boygroups neigten die Fans ebenfalls zum Ausflippen, «das zieht sich durch alle Musikstile, auch an Konzerten von Justin Bieber kommt es vor.»

In der Kulturfabrik Kofmehl allerdings galt an jenem verhängnisvollen Mittwochabend unter den sieben auftretenden Formationen die bekannte Hardcore-Band Suicidal Tendencies als die Hauptattraktion.