Solothurn

Nach gescheitertem Bauplan: Bauherren des Dilitschquartiers sind masslos enttäuscht

Im Dilitschquartier wird gebaut, doch die ursprünglichen Projektinitianten wurden übergangen. Sie verstehen das Vorgehen der Behörden nicht.

Für sie bleiben nach dem geplanten Bauprojekt zwei Dinge zurück. Ein erheblicher finanzieller Verlust – und Frustration, wie die Akten von Rainer Bernath und Barbara Probst aufzeigen. Hier im Dilitschquartier, hatten sie ein brachliegendes Stück Land für ihr Projekt entdeckt: ein Wohnhaus, unter anderem für sich selbst. «Heute würden wir schon darin wohnen», ist sich Bernath sicher. Doch mit «würden» und «wollen» steht auf der Parzelle auch heute noch kein Stein auf dem anderen. Denn: Die Idee der Initianten wird nach langem Hin und Her zwar umgesetzt, aber durch eine andere Bauherrschaft, die den Zuschlag erhielt (s. Kasten).

Zunächst zeigte sich die Stadt offen...

Was nach einem reibungslosen Wettbewerbsverfahren klingt, hat eine holprige Vorgeschichte, wie Bernath und Probst erzählen. Stein des Anstosses ist eine 900-Quadratmeter-Parzelle, einst Schrebergärtnerparadies für Anwohner, heute überwuchert und kaum mehr genutzt. Für Bernath und Probst eine gute Vorlage für ihre Idee: die Realisierung einer Liegenschaft in nachhaltiger Holzbauweise, und mit fünf altersgerechten Wohnungen je für sich und drei andere Mitstreiter sowie ein weiteres Appartement zur Vermietung.

Da der Stadt der Baugrund gehört, nahmen die vier Parteien 2015 mit Finanzverwalter Reto Notter Kontakt auf, der auch für die Liegenschaftsverwaltung zuständig ist. Die Stadt zeigte sich offen für die Idee, das Land im Baurecht für mindestens 70 Jahre abzutreten. Die Gemeinderatskommission (GRK) fällte einen Beschluss, den Baurechtsvertrag durch den Rechtsdienst aufgleisen zu lassen, obwohl einzelne Bedenkenträger aus ihren Reihen forderten, die Vergabe in einem Wettbewerb auszuschreiben. Damit sahen Bernath und Probst den Weg frei für ihr Projekt und liessen durch ihren Architekten einen Detailplan erstellen. Dies, weil das Projekt neben einer Beurteilung durch die Baukommission auch eine der Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen benötigte. Das Grundstück befindet sich in einem Ortsbildschutzgebiet.

Schliesslich wurde das Projekt im Kontakt mit den Behörden unter Auflagen genehmigt: Der geplante Bau dürfe gegenüber dem bestehenden, geerdeten Dilitsch-Ensemble keinesfalls «zu leicht» wirken, hiess es von der Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen. Die Bauherrschaft verzichtete zudem auf einen durchgehenden Balkon ost- und westseitig, ebenso auf eine Einstellhalle für Fahrzeuge. Und: Statt eines Flachdachs sei ein Satteldach zu erstellen.

...dann folgte der Rückzieher

«Durch das Hin und Her waren mittlerweile die anderen drei Parteien abgesprungen», erzählt Bernath. Kurz nach Eingabe des Baugesuchs besannen sich die Behörden: Auf Anregung der damaligen Leiterin des Rechts- und Personaldienstes, Christine Krattiger, wurde das Geschäft wieder der GRK vorgelegt, da sich mit dem Ausstieg von drei Bauparteien die Voraussetzungen geändert hätten. Und diesmal entschied die GRK anders: «Man liess uns wissen: Unter der Hand wird das Baurecht nicht vergeben.» Bis zu diesem Zeitpunkt waren bei den Bauherren in spe für das Bauvorhaben mit projektiertem Kostendach von 2,5 Mio. Franken bereits Planungskosten von einigen 10'000 Franken aufgelaufen.

Doch für Bernath und Probst kam ein Rückzug nicht infrage: Sie holten vor dem eingeleiteten Wettbewerbsverfahren als neue Bauherren Sibylle Berberat und Kari Stadler ins Boot. Mit einer Aufwertung stieg die neue Bauherrschaft ins Verfahren ein: «Wir entschlossen uns für eine Materialisierung in Vollholz, auch wenn dies mit Mehrkosten verbunden gewesen wäre», so Stadler. Letzten Endes half ihnen auch dies nichts: Unter vier zugelassenen Kontrahenten wurden sie durch die Eingabe des Solothurner Büros Dual Architekten BSA ausgestochen.
«Wir sind masslos enttäuscht. Schliesslich waren wir überzeugt, dass es so realisiert würde», sagt Kari Stadler.

Neben der grundsätzlichen Kritik am Ablauf des Verfahrens stehen sie vor allem einer Teilbegründung der Jury ratlos gegenüber: Der Bau sehe aus wie aus eine Arbeitersiedlung. «Genau das ist das Dilitsch ja», findet Bernath. Er und Probst vermuten gar, der Rückzieher der Stadt gründe auf ihren eigenen früheren politischen Mandaten: Bernath war SP-Gemeinderat und Kantonsrat, Probst Mitglied der GRK. «Dort sass ich lange», sagt Probst. «Aber dass bei der Verwaltung solches passiert, hätte ich nicht gedacht.» Immerhin: Nach aussergerichtlichen Verhandlungen mit Stadtpräsident Kurt Fluri erhielten Bernath und Probst die Hälfte des investierten Betrages von der Stadt erstattet.

«Die Voraussetzungen hatten sich geändert»

Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Rechts- und Personal- dienstes, stellt keine Verfahrensmängel seiner Vorgängerin fest: «Tatsache ist, dass die ursprüngliche Voraussetzung für eine Baurechtsvergabe nicht mehr erfüllt war.» Will heissen: Nachdem der Entwurf des Baurechtsvertrags waren nicht mehr alle Parteien gemäss der ursprünglichen Orientierung an Bord. «Der ursprüngliche Gedanke des altersgerechten Wohnens konnte daher gemäss den Verhandlungen so nicht mehr erfüllt werden», sagt Meyer.

Zum Verdacht Bernaths und Probsts, dass ihre eigene politischen Mandate für das Rückkommen mitbestimmend waren: «Eine reine Vermutung zu entkräften ist immer schwierig», sagt Meyer. «Tatsache ist, dass die vier eingereichten Projekte auf Basis der Kriterien geprüft wurden – und die GRK erteilte den Zuschlag.»

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