Stadtbummel Solothurn
Nach fast einem «Jahrelft» der Bummeleien ...

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Blick auf die Stadt Solothurn

Blick auf die Stadt Solothurn

Andreas Kaufmann

Je nach kalendarischer Auslegung sind die «Zehnerjahre» vor zweieinhalb Monaten zu Ende gegangen. Andere Zeitgenossen lassen fürs neue Jahrzehnt erst in neuneinhalb Monaten die Korken knallen. Und die Jünger der «Füfi-und-Weggli»-Mentalität werden weder die eine noch die andere Gelegenheit zum Feiern ausschlagen – sobald durchgestanden ist, was es zurzeit durchzustehen gilt.

Wie dem auch sei: Für den Bummler, der diese Zeilen hier verfasst, geht das Jahrzehnt nächste Woche zu Ende. Ein Jahrzehnt der Bummelei in den Gassen Solothurns. Und auch wenn es – hiesigen Gepflogenheiten entsprechend – kein Jahrelft wurde: Er blickt dankend zurück aufs Stedtli wunderhübsch und den es bewohnenden Homo Solodorensis.

So hat der Bummler die Blickwinkel der Stadt kennen gelernt. Solothurn von oben, konkret auf Stippvisite beim St.-Ursen-Güggel (66 Meter über Bsetzistei-Niveau) oder von unten, nämlich wenige Meter neben dem plätschernden Grundwasser im Berntor-Parking. Ebenso Solothurn «by night» – bei der Gassenfasnacht oder wenn es anderswo laut und spät wurde: beispielsweise im Gemeinderatssaal, wo mit fortschreitender Stunde der Blick auch mal auf die Aare abschweifte. Da gab es durchaus Momente, wo ein Ordnungsantrag gelegen kam, um den Abend auch mal Abend sein zu lassen.

Und dann der Solothurner per se. Liebens- und merk-würdig (mit Bindestrich!). Der Sportbewusste, der sich zu Recht über unzulängliche Spielstätten ärgert. Der Selfie-Fotograf, der nur die Aarekulisse als Hintergrund akzeptiert. Der Baumschützer und der Baumfäller. Der Kunstbeflissene, der auch einmal lackierten Bananen zuschaut, wie sie über Wochen aktionskünstlerisch vor sich hinfaulen.

Und ohne ihn geht es gar nicht: Den feiernden, hedonistischen Solothurner. Und als Unterart davon der fasnächtliche Solothurner, ebenfalls stets heiter, nur manchmal etwas dünnhäutig, wenns um die närrische Sache selbst geht.

Hier haust ein eigener Menschenschlag, den der Bummler kennen gelernt hat. Dass der Beobachter ein Grenchner sein musste, wurde jeweils mit einem dankenswerten «Das macht doch nüt» quittiert – was vom grossen Integrationsbewusstsein des Solothurners zeugt.Andreas Kaufmann