Solothurn

Nach elf Jahren werden im Blumenstein keine Schätze mehr geschätzt

Der Traditionsanlass «Schätze schätzen» im Museum Blumenstein wird 2013 nicht fortgesetzt. Dies bedeutet das Ende von elf erfolgreichen Anlässen.

Zahlreiche Solothurner haben sich schon daran gewöhnt: Im Frühling wurde jeweils der Dachboden nach Familienschätzen durchstöbert, deren Geheimnis man schon lange mal lüften wollte. Und elf Jahre lang im Frühling boten Experten am Anlass «Schätze schätzen» – vormals «Kunst oder Krempel» – im Museum Blumenstein den dazugehörigen Service: Dort erhielten die Fündigen – stets zwischen 380 und 450 an der Zahl – die gewünschten Antworten auf die Fragen, wie viel Wert die wiederentdeckte Porzellanvase hat, wie man die uralte Bibel aus dem Familienvermächtnis am besten lagern sollte oder aus welcher Epoche das geerbte Silberbesteck stammt.

Auf Anfrage informierte nun «Blumenstein»-Kurator Erich Weber: «Wir haben uns entschieden, den Anlass nach elf doch recht erfolgreichen Ausgaben einzustellen, bevor der Goodwill der freiwilligen Helfer aufgebraucht ist.» Für ihn sei nun der richtige Zeitpunkt für neue Projekte gekommen, «denn auch ein Museum lebt vom Wechsel». 2002 war der Anlass ins Leben gerufen worden, dies dank der Initiative von Restauratorin Brigitta Berndt. Erklärtes Ziel: das Ansehen des Museums Blumenstein zu heben und das Haus zu beleben.

Breitere Öffentlichkeit fehlte

Ein massgeblicher Motor des Anlasses war neben mehreren ehrenamtlichen Experten und Restauratoren das Auktionshaus Zofingen, das sich um eine Einschätzung mitgebrachter Trouvaillen bemühte. Aus Sicht von Jules Lang, Mitinhaber des Auktionshauses, wäre es nötig gewesen, eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen und Werbung über die Region hinaus zu streuen. Nicht zuletzt wegen der Einschränkung auf ein regionales «Stammpublikum» scheint nach und nach auch die Güte der Ware nachgelassen zu haben. Lang stellt dazu fest: «Mit der Zeit wuchs der Flohmarktanteil der Ware, die von Besuchern mitgebracht wurde.» Ginge man konzeptionell über die Bücher, könnte man den Anlass reaktivieren, bestätigt er, «denn die Idee ist gut.» Man habe den Anlass immer auch als Frondienst im Sinne einer Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit bestritten: «Auch in unserer täglichen Tätigkeit geht es darum, Schwellenängste zum Auktionshaus abzubauen.» So sei es wichtig, dass Interessierte Fragen zu ihrem Familienerbstück stellen können: «Aus den Gegenständen liest man oft auch eine Geschichte heraus», so Lang.

Auf eine alte Idee folgt eine neue

Erich Weber selbst blickt zufrieden auf die vergangenen Durchführungen zurück – ortet gleichzeitig aber auch Schwächen, die bei einem Ausbau der Idee aufgekommen wären: «Würden wir das Konzept erweitern, so würden wir letztlich vom eigenen Erfolg überrannt.» Damit spricht er unter anderem die Räumlichkeiten des «Blumenstein» an, das schon bei 450 Schlange stehenden und wartenden Besuchern an seine Grenzen stosse. Zudem seien für ein städtisches Museum mit freiem Eintritt die Werbemassnahmen über die Region hinaus unerschwinglich. Weiter gestalte sich die Sponsorensuche zur Finanzierung eines derart lokalen Anlasses schwierig. Und selbst wenn dann die Idee einschlagen würde, fehlte eben doch der Platz.

Doch auf alte Ideen folgen neue: Weber kündigt an, anstelle von «Schätze schätzen» sei ein neuer Anlass geplant. Am 12. Mai, dem Internationalen Museumstag, findet ein besonderer Thementag mit dem Museum Altes Zeughaus und dem Schloss Waldegg statt, bei dem ein Shuttledienst zwischen den drei Institutionen zum Einsatz kommt. Das Thema des Anlasses ist noch offen.

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