«Lagerraum» steht in schwarzen Buchstaben auf der gelben Tür im Untergeschoss der Bielerstrasse 32 in Solothurn. Doch wer sich im Raum umblickt, kommt schnell zu dem Schluss, dass dieser wohl kaum als solcher genutzt wird.

In einer Ecke ist auf einem kleinen Podest ein Schlagzeug aufgebaut, in einer anderen steht ein Ständer mit zahlreichen Gitarren, dem dazugehörigen Verstärker und zahlreichen Effektpedalen am Boden.

Der Raum dient als Proberaum für die Solothurner Nachwuchsband «Out Sea». In der Mitte des Raumes, zwischen den Instrumenten, Zubehör, einigen Stehlampen und einem kleinen Tisch sitzen Roberto Jordi und Jean-Philippe von Büren, von ihren Freunden Rob und JP genannt, auf einem Sitzsack und einem (nicht sehr stabil wirkenden) Klappstuhl.

Gründung der Band

Vor etwa fünf Jahren haben Rob und JP damit begonnen, zusammen Musik zu machen und Songs zu schreiben. Nach gut vier Jahren des gemeinsamen Musizierens und diversen akustischen Bandprojekten beschlossen die beiden, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen.

«Wir kannten beide noch Musiker, von denen wir dachten, dass sie gut zu uns passen würden», erklärt Rob. So haben die beiden im April 2013, zusammen mit Schlagzeuger Silvan Beck und Bassist Peer Jüttner, die Band «Out Sea» gegründet.

In der Band übernimmt JP die Rolle des Gitarristen, während Rob für den Gesang sorgt. Die beiden leisten aber auch einen grossen Teil der Arbeit im Hintergrund. So sind es vor allem sie, die sich dem Songwriting widmen und neue Lieder schreiben.

«Wenn wir ein neues Lied schreiben, ist dieses bis zur Bandprobe meistens schon ziemlich fertig», erklärt JP, «die Anderen müssen dann noch ihre Parts hinzufügen.» Dass während einer Bandprobe ein Lied ganz von Null auf geschrieben wird, komme eigentlich kaum vor.

Proben im Gästezimmer

In der Anfangszeit stellten sich die Proben noch ein wenig umständlich dar. Da die Band zu Beginn noch kein eigenes Probelokal hatte, fanden die Proben der ersten Monate bei JP zu Hause im Gästezimmer statt. Ihren eigenen Bandraum haben die Solothurner mittlerweile seit etwa einem halben Jahr.

Doch nicht nur der Ort der Proben hat sich verändert, die Band hat sich auch musikalisch weiterentwickelt. «Würden wir die CD heute aufnehmen, würde sich das Ganze wahrscheinlich ziemlich anders anhören», stellt JP fest.

Die Mitglieder der Band und vor allem auch das Zusammenspiel miteinander haben sich weiterentwickelt. Bei den ersten Konzerten sei alles noch wie nach Protokoll gelaufen, alles sollte nach dem abgemachten Ablauf gehen. Mittlerweile seidie ganze Sache aber dynamischer geworden und die Kommunikation zwischen den Musikern habe sich verbessert.

«Heute sind wir viel lockerer und spontaner, wenn wir ein Konzert spielen. Wir müssen die Lieder nicht immer ganz genau so spielen wie wir sie geschrieben haben, es kann sein, dass ein Gitarren-Solo spontan 4 Takte länger wird oder, dass wir das Publikum miteinbeziehen und es zum Mitsingen animieren», stellt Rob fest.

Melodischer Indie Rock

Die Musik von Out Sea zu charakterisieren, stellt eine nicht ganz einfache Aufgabe dar. Die Ursache hierfür mag vor allem an der Vielzahl der Einflüsse liegen, welche sie entstehen lassen.

Sie reichen von Funk Bands wie Tower of Power, über Alternative-Rock Bands à la Mando Diao oder Coldplay, bis hin zu dezenten Grunge-Einflüssen. «Wenn ich unbedingt ein Genre nennen müsste, würde ich unsere Musik wohl als melodischen Indie Rock bezeichnen», meint Rob zögerlich.

Bei ihren Liedern ist es den Nachwuchsmusikern in erster Linie wichtig, dass die Melodien ihrem Publikum in Erinnerung bleiben. «Wenn uns jemand an einem Konzert sieht, der uns zuvor nicht kannte, wollen wir, dass diese Person beim nach Hause gehen unsere Lieder im Kopf hat und sie nachpfeifen kann», so JP.

Plattentaufe

Im September 2013 haben Out Sea vier ihrer Songs aufgenommen und damit ihre erste EP kreiert. Durch Schlagzeuger Silvan konnte die Band ihre Platte in einem professionellen Tonstudio aufnehmen - ohne dass es sie etwas kostete.

Denn Silvan ist von Beruf Elektriker und hatte beim Bau dieses Tonstudios mitgewirkt. Aus dieser Zeit hatte er noch einen Gefallen zugute, welchen er zu dieser Gelegenheit gerne einforderte.

Getauft wird die Platte am 28. Februar in der Kulturfabrik Kofmehl. Es ist schon der zweite Auftritt von Our Sea im Kofmehl, jedoch das erste Mal, dass die Solothurner selbst die Hauptattraktion auf der Kofmehl-Bühne sind.

«Wenn man vor dem Konzert hinter der Bühne im Backstage-Bereich wartet, kommt da schon ein wenig Star-Feeling auf», meint JP. So ist die Vorfreude gross, wieder auf der Bühne im Kofmehl stehen zu dürfen.

Ein grosser Traum

Mit etwas Glück könnten Out Sea aber schon bald auf einer viel grösseren Bühne, als auf der kleineren Raumbar-Bühne im Kofmehl spielen. Denn auch dieses Jahr bekommen vier Nachwuchsbands die Chance, auf der Waldbühne des Gurtenfestivals aufzutreten (siehe Kasten). Out Sea haben sich, wie 249 andere Bands auch, für einen dieser Plätze beworben.

Out Sea bewerben sich für einen Platz auf die Waldbühne

«Am Gurten Festival zu spielen, wäre für uns einfach ein Traum, der in Erfüllung geht»

«Wir waren schon oft, auch zusammen, am Gurtenfestival. Es ist definitiv unser Lieblinsfestival und einfach eines der Besten, das es gibt», schwärmt Rob vom Festival. «Für mich ginge ein grosser Traum in Erfüllung, wenn ich mit Out Sea auf der Bühne am Gurtenfestival spielen dürfte», meint JP, «das wäre etwas, von dem ich meinen Kindern wohl noch erzählen würde.»

Momentan belegen Out Sea den vierten Platz im Online-Voting. Um den nächsten Schritt zur Verwirklichung ihres Traumes zu schaffen, müssen Out Sea aber mindestens den dritten Platz erreichen. Gelingt ihnen das nicht, müssen sie darauf hoffen, eine der fünf Bands zu sein, welche von der Jury in die nächste Runde gewählt werden.

Abgesehen vom Traum auf der Festivalbühne zu stehen, geht es der Band aber auch darum, der Schweiz zu zeigen, dass es im Kanton Solothurn junge Bands gibt, die «etwas drauf haben».