Ausbau

Nach einem Jahr «Chaos»: Velostation Solothurn kommt wieder ins Rollen

Über Monate bewegte sich in der unterirdischen Veloparkplatz-Anlage am Hauptbahnhof Solothurn nichts. Jetzt wurden neue doppelstöckige Anlagen eingebaut, und auch die stehengelassenen Velos werden wieder abtransportiert.

Wer für sein Velo auf sicher einen Parkplatz am Solothurner Hauptbahnhof will, muss früh aufstehen. «Man muss vor 6.30 Uhr hier sein», meint Walter Kaiser, Leiter der Velostation. Dann mache es «wusch» und es alles sei belegt. «Es ist wie in einem Parkhaus. Wenn keine Plätze mehr da sind, dann ist voll.» 

Geklaut, vergessen oder aus sonst einem Grund: Velos, die irgendjemand in der unterirdischen Velostation abgestellt hat und nicht wieder damit weggefahren ist, belasten den täglichen Betrieb. Je mehr unnötig belegte Plätze es gibt, desto mehr Pendler müssen sonst wo parkieren. Wer es pressant hat, stellt sein Velo einfach irgendwo neben die Ständer oder am Rand der Aufgänge zu den Gleisen.

Damit die gut genutzte Anlage nicht mit ungebrauchten Velos belegt ist, werden diese regelmässig abtransportiert. Während dem letzten Jahr passierte das allerdings nicht. Das ganze Prozedere war blockiert, weil die SBB vorübergehend keine Velos mehr entgegennahmen. Sie sind verantwortlich für die Seite der Velostation, die näher an den Gleisen liegt, sowie für die Veloständer beim Park&Ride und eben für den Abtransport aller beschlagnahmten Velos. Für die nördliche Seite in der Velostation ist die Einwohnergemeinde Solothurn zuständig.

Plan der Velostation Solothurn

Plan der Velostation Solothurn

Keine Antwort bekommt man von den SBB auf die Frage, wieso es während rund einem Jahr einen Abtransport-Stopp gab. Offenbar kam es zu einem Personalwechsel, von offizieller Seite ist dies allerdings nicht bestätigt.

Normalbetrieb

Aus welchem Grund auch immer: Jetzt läuft die Bewirtschaftung der Velostation wieder. Die Stadt hat im August mit dem Einbau neuer doppelstöckiger Anlagen mehr Plätze geschaffen. Und auch die stehengelassenen Velos, die wertvolle Plätze blockieren, werden wieder weggeschafft. Das bestätigt Benedikt Affolter, Projektleiter Tiefbau beim Stadtbauamt. Anfang September seien zum ersten Mal wieder Fahrräder weggeräumt worden. Ende September stand die zweite «Räumete» an.

Die SBB holen dann jeweils die mit Bändel markierten Fahrräder ab und lagern sie in einen Raum in Wangen an der Aare ein. Bis dahin werden die Besitzer der Drahtesel einen Monat Zeit gehabt haben, ihr Eigentum aus der Gefahrenzone zu nehmen. In einem ersten Schritt markieren nämlich Mitarbeiter der Velostation verdächtige Velos am Pneu mit einem Stift. Stehen die Velos zwei Wochen später immer noch genauso da, erhalten sie einen Bändel. Wieder nach zwei Wochen ist die Zeit abgelaufen. Dann werden sie von den SBB eingezogen und eingelagert. Sowohl SBB-, als auch Stadt-Seite. «Drei bis viermal im Jahr werden jeweils zirka 30 Velos pro Seite ausgeräumt», erklärt Walter Kaiser, Leiter der Velostation. 

Beschränkter Platz

Mit der kürzlich erfolgten Erweiterung der Parkier-Anlage ist die Anzahl Abstellplätze in der 2009 erbauten Station auf 530 gewachsen. Anfang 2019 soll auch noch das letzte Drittel der Stadt-Seite mit den Anlagen bestückt werden. Dann stehen 620 Abstellplätze zur Verfügung. Dazu kommen noch die 190 Plätze im bewachten Teil. Insgesamt soll es laut den SBB am Bahnhof über 1000 Veloabstellplätze geben, wird vorgerechnet. 

Aus welchem Grund auch immer: Jetzt gehts wieder vorwärts. Für Benedikt Affolter ist es erfreulich, dass so viele mit dem Velo unterwegs sind. Allerdings gebe es einfach nicht mehr Platz am Bahnhof. Für die neue Anlage, die bereits zu einem Teil eingebaut wurde, hat sich die Stadt nach einiger Analyse entschieden. «Wir haben uns schlau gemacht, welche Anlagen andere Städte verwenden und zwei Offerten eingeholt», so Affolter. «Im April 2018 wurde im westlichen Teil je ein Muster montiert, damit wir vergleichen können.» 

Den Zuschlag erhalten hat nun ein Anbieter von Anlagen, die auch in Aarau und Basel eingebaut wurden. Die Anlage wurde laut Affolter sehr schnell benutzt. Was man bemerkt habe: «Frauen begreifen das System schneller als Männer», verrät der Projektleiter Tiefbau beim Stadtbauamt.

Das Positive am gewählten Produkt: Durch die breiteren Zwischenräume – zwischen den einzelnen Ständern sind 50 Zentimeter Abstand – kommen sich die Lenker nicht in die Quere und die Schiene kann fast bis auf den Boden gezogen werden. Das Manko: Grössere Velokörbe auf dem Gepäckträger kommen dadurch mit der oberen Schiene in Berührung. 

Als nächstes folgt noch eine Betriebsanleitung samt Hinweis, dass es vom Platz her knapp mit den Körben wird.

Und auf der RBS-Seite?

Längerfristig könnte sich noch auf der RBS-Seite etwas tun. Im Hinblick auf die Umgestaltung des Gleises käme ein Ausbau der Veloabstellplätze infrage. Vor drei Jahren wurde bereits investiert. Doch es besteht noch Luft nach oben. Im Gegensatz zur nördlichen Anlage, die im Frühjahr 2019 voll ausgebaut sein wird. Könnte auch ausserhalb des Bahnhofs-Areals noch was gehen? «Oberirdisch haben wir kein Projekt für zusätzliche Abstellplätze am Laufen», so Benedikt Affolter. Was in der Unterführung im Frühjahr 2019 noch eingebaut wird, ist eine sogenannte taktil-visuelle Markierung, damit sich Sehbehinderte besser zurechtfinden.

Freie Plätze gebe es immer mal wieder bei den Velo- und Mofa-Abstellplätzen beim Park&Ride auf SBB-Areal. «Diese sind sehr gut erreichbar. Wir stellen aber fest, dass sie nicht immer ausgelastet ist.» Offenbar ist es für viele einfacher, in die unterirdische Anlage zu fahren – und sich halt mal länger auf Parkplatzsuche zu begeben.

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