Solothurn
Nach der WM: Die Solothurner Veranstalter von Public Viewing ziehen Bilanz

Die drei grossen Anbieter von Public Viewing in Solothurn - «Beachstyle», «Beach Arena» und «SO geht Fussball» - ziehen Bilanz und Lehren und blicken in die Zukunft.

Andreas Kaufmann und Wolfgang Wagmann
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Sie liessen sich auch vom Regen nicht die Stimmung verderben
8 Bilder
Stadionatmosphäre im «Beach Style» am Dornacherplatz
Tropische Nächte in Solothurn
Ana Maria fiebert mit
Blick in die Rythalle
Wie im Strand so auch in der «Beach Arena»: Kinder können mit Sand viel Spass haben.
Wenn es gegen Abend abkühlt, tuts auch eine Fahne als Decke.
Best of Solothurner Public Viewings

Sie liessen sich auch vom Regen nicht die Stimmung verderben

Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Gerade die Vorrundenspiele hatten vom Sonnenschein profitiert. Dafür stellten die vergangenen anderthalb Wochen die Wetterfestigkeit der Solothurner auf die Probe. Was für Umberto Monopoli, «Beachstyle»-Platzchef, kein Problem darstellte: «Dank überdachter Tribüne hatten wir auch so eine gute Auslastung.» Lediglich der Kälteeinbruch habe einige abgeschreckt, für den WM-Konsum die warmen Stuben zu verlassen. Auch der Wegfall der grossen Fanmeilen – Portugal, Italien und Spanien – sei als Einbruch spürbar gewesen.

Als Flop bezeichnete er das Kleine Finale, top hingegen bilanzierten die Schweizer Spiele: «Zum Teil mussten wir um die 1800 Leute wegschicken, weil wir am Limit waren.» Sonst zeigt sich Monopoli begeistert «über die ausgelassene Stadionstimmung, die vom Baby bis zum 80-Jährigen alle erfasste». Auch viele Nicht-Solothurner haben so den Weg ins «Rio am Jurasüdfuss» gefunden. Rahmenanlässe wie Fitnessworkshops oder Konzerte seien ebenso gut angekommen, «auch wenn man merkte, dass die Leute vor allem für den Fussball hergekommen sind».

Zuversichtlich klingt der Ausblick der Organisatoren. «Beachstyle» soll es als Marke auch weiterhin geben. «Die städtischen Behörden gewähren uns ein Vorrecht für die Nutzung des Platzes, der sich für uns nach wie vor hervorragend eignet.» Dies nicht nur für Public-Viewing-Anlässe, sondern auch für andere Veranstaltungen im Rahmenprogramm. Beim Umsatz haben sich die wegfallenden Fanmeilen bemerkbar gemacht, «insgesamt kommen wir aber mit schwarzen Zahlen und blauem Auge raus».

Verhaltenes Finale im CIS

Ähnlich resümiert Micha Rusterholz für die «Beach Arena». Auch er schätzt, dass es finanziell aufgeht, nicht zuletzt auch dank guter Partnerschaften mit Lieferanten und Dienstleistern. Auch stärken ihm viele positive Rückmeldungen vor allem zum Ambiente den Rücken. Etwas ernüchtert blickt er auf das verregnete Finale zurück: «350 Besucher hatten wir, 1000 hättens werden können.» Und das, obwohl er als Publikumsmagneten Kaya Yanar gewinnen konnte, der als Comedian auch schon das Hallenstadion füllte. «Die Leute hielten sich auf alle Fälle die Bäuche vor Lachen», wendet er ein.

Das Schlechtwetter war denn auch der Grund, die Halbfinalspiele gar nicht zu übertragen. Dafür ist er mit der Resonanz auf den Familientag zufrieden, von denen stolze Sandburgen zeugten. Analysiert er die ganze WM-Zeit, so ist er sich der etwas abseitigen Lage bewusst – gegenüber dem zentraleren Dornacherplatz, an dem man eher auch zufällig vorbeikomme. «Bei mir gibts einfach den Badi-Bonus, der bei 30 Grad lockt.» Er schätzt, dass total 10 000 Besucher sein Angebot besucht haben. Abgesehen von den Schweizer Spielen kommt er zum Fazit, dass mit drei Public Viewings der hiesige Markt gesättigt sei.

Gern hätte er die Anlage länger stehen lassen. Doch am nächsten Wochenende steht ein Beachvolley-Turnier an. Bis dahin wird abgebaut und: «Die Möblierung und andere Einrichtungsobjekte verkaufen wir ab Platz.» Für ein weiteres Mal würde er einige Änderungen ins Auge fassen: «Es bräuchte eine überdachte Tribüne. Ausserdem würde ich unsere Geschäftspartner durch eine Gewinnbeteiligung einbinden, um das finanzielle Risiko zu vermindern.» Ob es zu einem nächsten Mal kommt, lässt er noch offen. «Aber ich habe von einer anderen Stadt ein Angebot erhalten, einen solchen Anlass zu organisieren.»

«Es ist sehr lang»

Die Schlussphase der Weltmeisterschaft kam Harri Kunz und Markus Wälti in der Rythalle doppelt entgegen: Das garstige Wetter trieb die Fans unter das schützende Dach, und da sich Deutschland bis zum Titel fightete, wurde die Halle mehr und mehr zum Fan-Tempel der Löw-Truppe. «Nach dem Finalsieg ging noch ordentlich die Party ab», so Kunz – aber ansonsten sei alles friedlich und ruhig geblieben. Nur einem etwas bekloppten Zeitgenossen, der am Finalabend unmittelbar vor der Rythalle Kracher um Kracher gezündet hatte, nahm er um Mitternacht persönlich das restliche Feuerwerk ab. «Es war aber schön, dass wir das Ganze ohne grosses Security-Aufgebot mit eigenen Leuten durchführen konnten», meint im Nachgang der erfahrene Event-Organisator.

Dank den Sponsoren-Packages mit Essen sei er auch in flaueren Zeiten gut über die Runden gekommen, «wir sind jedenfalls zufrieden». Überraschend sei im Übrigen der Zulauf auch zum Spiel um den 3. und 4. Platz zwischen Holland und Brasilien gewesen. Seine auch von der HESO her routinierte Truppe habe das Ganze recht stressfrei gemeistert, «aber so eine WM ist halt schon sehr lang», blickt Harri Kunz auf rund fünf Wochen Dauereinsatz zurück. Was ihn aber besonders freut: «Solothurn hat prima mitgemacht, wie sonst an der Fasnacht, am Märet-Fescht oder an der HESO auch. Wir haben aber auch etwas geboten – gleich drei grössere Public-Viewing-Angebote, während es in anderen Städten wie Bern gar nichts gab.»

Um bereits vorauszuschauen: Nach «SO geht Fussball» wird im Advent möglicherweise «SO-cool» wieder ein Thema werden. Allerdings nicht in der Reithalle, sondern allenfalls mit der Eisbahn auf dem Kreuzackerplatz und kombiniert mit dem Wiehnachtsmäret.