Neuer Werkhof
Nach dem Motto: Nur machen, was einfach machbar ist

Auch Fasnachtszünfte wären an einem neuen Werkhof interessiert. Doch das Stadtbauamt winkt vorderhand ab, es gebe Dringenderes. Weil Bauleiterin Andrea Lenggenhager skeptisch ist, wurde auch kein dafür nötiger Planungskredit aufgenommen.

Wolfgang Wagmann
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Solothurner Zeitung

Neu ist die Idee nicht und selbst im Werkhof selbst steigt der Leidensdruck zusehends: Ein neuer Werkhof könnte endlich genug Platz für den Betrieb selbst bieten, und der jetzige Standort neben dem Baseltor mit seiner Plattform hoch über der Aare und Altstadt für Attraktiveres, beispielsweise eine Wohnüberbauung mit neuen Steuerzahlern, genutzt werden.

Vor gut zwei Jahren erklärte zwar der damalige Leiter Stadtbauamt, Werner Stebler, dass man mit dem Bau der Westumfahrung die früher als Schrebergarten genutzte so genannte Rossallmend, «als möglicher Standort für einen neuen Werkhof» ins Auge gefasst habe. Auch wurde das inzwischen als Steinlager der Stadt genutzte Areal bei der letzten Ortsplanungsrevision als Zone für öffentliche Bauten B ausgeschieden, doch, so Stebler damals, «dringlich ist das Ganze nicht.» Zumal er den bisherigen Standort des städtischen Werkhofs als zentral und damit optimal vor allem für die Abwicklung aller Altstadt-Anlässe erachtete.

Schon Musikgehör, aber...

Steblers Nachfolgerin Andrea Lenggenhager ist mit dem Thema neuer Werkhof inzwischen auch schon konfrontiert worden, musste aber in der jüngsten Finanzplan-Debatte ebenfalls passen: «Wir haben angesichts der anstehenden Grossprojekte zu wenig Kapazitäten, um in den nächsten vier Jahren auch noch ein solches Vorhaben angehen zu können.» Und angesichts des Investitionsvolumens das anstehe - Schulhäuser-Sanierungen, neue Turnhallen, Stadttheaterumbau - «macht es auch wenig Sinn etwas zu planen, das man vorläufig ohnehin nicht realisieren könnte.

Eine Win-win-Situation?

Damit wurden zarte Hoffnungen einiger Fasnächtler für Erste geknickt, in den nächsten Jahren die dauerhafte Lösung eines grossen Problems zu finden: die Suche nach einer geeigneten Lokalität für den Bau ihres Umzugswagens. Insbesondere die beiden UNO-Stammzünfte Hauptgassleist und die Hudibras Chutze fürchten, mittelfristig ohne Wagenbau-Möglichkeit dazustehen und sind deshalb in Absprache mit der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO auf die Stadt zugegangen. Ihre Idee: In einer neuen Werkhofhalle auf der Rossallmend könnten noch zusätzlich zwei, drei Zünfte im Winter Wagen bauen. «»Der Werkhof kann sich problemlos so organisieren, dass während den sechs bis acht Wochen Platz für zwei bis drei Wagenbauzünfte zur Verfügung gestellt werden könnte», schreibt Martin Gutknecht in einem «Strategiepapier» zu Handen der Stadtbehörden, das er als Hauptgassleistler für beide Zünfte verfasst hat.

Gutknecht sieht in einer Konzentration des Werkhofs in der Rossallmend «eine Win-win-Situation», was in einem Masterplan dargestellt werden könnte. «Dabei sind auch Aspekte auszuleuchten wie die Reduktion des finanziellen Aufwandes infolge Betriebsoptimierungen, der Wegfall von Einmietungskosten sowie der zu erzielende Mehrwert aus der Nutzungsänderung des heutigen Werkhofareals zum Beispiel als Wohnzone oder für Kleingewerbe.»

Doch jetzt ist bereits eine Vorbedingung für die angedachte Betriebsaufnahme des neuen Werkhofs im Winter 2014/15 nicht erfüllt: Bei der Behandlung des Finanzplans in der GRK wurde aufgrund der erwähnten Skepsis von Bauleiterin Andrea Lenggenhager kein entsprechender Planungskredit für einen neuen Werkhof aufgenommen. «Schade», meint Martin Gutknecht, «wir haben sowohl mit den GRK-Mitgliedern wir mit Werkhof-Chef Patrick Schärer Gespräche geführt und durchaus positive Feedbacks erhalten.»

Werkhof platzt aus allen Nähten

Im Stadtbauamt ist sich Andrea Lengggenhager auch nicht sicher, ob die Rossallmend mit ihrer optimalen Anbindung an die Westumfahrung nicht zu schade für einen Werkhof wäre. «Auch das müsste man noch prüfen.» Als weniger wichtig erachtet Werkhofchef Patrick Schärer selbst die Standortfrage, auch die zentrale Lage der jetzigen Anlage am Altstadtrand ist für ihn nicht das erste Kriterium. «In Solothurn ist man schnell überall», findet er. Wichtiger wäre für ihn eine Konzentration des jetzt auf vier Standorte verzettelten Werkhofbetriebes. Denn sein 40-köpfiges Personal muss jeden Tag vom Arbeitsplatz neben dem Baseltor, wo vor allem das Kleingerät deponiert ist, ins Stadtpräsidium an die Baselstrasse oder sogar in die Aarmatt Zuchwil ausrücken, um die entsprechenden Fahrzeuge zu fassen. «Wir haben einfach zu wenig Platz für alles, vor allem, seit noch der Unterstand hinter dem Stadtpräsdidium abgebrannt ist», könnte sich Schärer durchaus mit einem neuen Standort anfreunden: «Das wäre für uns wirtschaftlicher.»