Einrahmungsgeschäft

Nach Bellach wieder zurück in Solothurn: Mit dem neuen Standort ist auch die Freude zurück

«Die Grösse, die Lage – einfach perfekt», sagt Nicole Schranz über ihr neues Lokal.

«Die Grösse, die Lage – einfach perfekt», sagt Nicole Schranz über ihr neues Lokal.

Die Bellacherin Nicole Schranz hat mit ihrem Einrahmungsgeschäft neu auf Stadtboden am Ritterquai 2 Fuss gefasst.

Eigentlich wollte sie aufhören. Dieser Gedanke war schon fast zu Ende gedacht, und Nicole Schranz begann Pläne fürs Danach zu schmieden. Mehr als 20 Jahre führt sie nun schon ihr eigenes Einrahmungsgeschäft, das sie 1999 von einem Tag auf den anderen übernommen hatte.

Wenn sie als Jugendliche in Solothurn unterwegs war, besuchte Schranz regelmässig ihre Mutter, die bei Schlüter Einrahmungen am Börsenplatz im Verkauf tätig war. Auch wenn ihre Arbeit als Hochbauzeichnerin damals noch vollkommen aus Handwerk bestand: Sie merkte immer mehr, dass sie noch mehr mit den Händen machen möchte. Eines Tages fragte sie Bernhard Schlüter, ob sie ihm nicht ab und zu zur Hand gehen möchte. So begann sie dort im Geschäft zu arbeiten. Sie lernte das Handwerk von der Pike auf, machte sich mit der Technik des Vergoldens vertraut: Die Arbeit machte ihr Spass.

1999 kam ihr erster Sohn zur Welt, und Schranz beschloss, sich mindestens ein Jahr lang vollständig auf ihre neue Aufgabe als Mami zu konzentrieren. Doch drei Monate nach der Geburt ihres Sohnes stand sie wieder im Geschäft: als Geschäftsführerin. Der frühere Besitzer war verstorben. Und so übernahm die Bellacherin das Geschäft, das sich inzwischen am Stalden befand. «Obwohl ich wenig Ahnung von Geschäftlichem hatte, stürzte ich mich in dieses Abenteuer. Denn die Arbeit und das Geschäft waren mir ans Herz gewachsen.»

Arbeit und Familie unter einen Hut gebracht

Nach dem dritten Sohn machte sie sich aber auf die Suche nach Räumlichkeiten in Bellach: «Nur so war es mir möglich, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.» Es folgte der Umzug nach Bellach. Der Raum war riesig, hell mit grossen Fenstern, aber etwas gar versteckt. Als sich 2011 die Möglichkeit ergab, direkt an einer besser befahrenen Strasse ein Atelier zu übernehmen, nutzte sie die Chance. Doch die Situation auf dem Markt wurde schwierig. Immer weniger Aufträge kamen – kein Wunder, kann man heutzutage Fotos direkt auf Leinwand drucken lassen. Trotzdem: «Es gibt noch Leute und Bilder, die ohne Rahmen einfach nicht auskommen.» Immer wieder erhält sie Aufträge, die den üblichen Rahmen sprengen und sie fordern. So musste sie 2004 für einen Papstbesuch in Bern 10 x 3 Meter grosse Tücher aufziehen und im Freien aufhängen, ein nicht einfaches Unterfangen. Spannend findet sie auch die Aufträge eines Stammkunden, der mit Leidenschaft die Welt bereist und mit Trouvaillen aus fernen Ländern zu ihr kommt. So konnte sie schon Fächer, mongolische Mützen, Indianerschmuck und vieles mehr einrahmen. Auch Nuggi und Babykleider hat sie schon eingerahmt.

Und vor kurzem kam eine Kundin mit einem Alltagsgegenstand zu ihr ins Geschäft, den sie verlegt und erst nach Monaten wieder gefunden hatte. Sie wollte ihn eingerahmt haben, als Erinnerung daran, in Zukunft mehr Ordnung zu halten. Trotzdem, 2019 kam die Krise: «Mein Lebensmittelpunkt spielte sich im selben Dorf ab, das Geschäft lief nicht mehr so gut – und da fragte ich mich, ob jetzt nicht der Moment für eine neue Herausforderung wäre.»

Das Ende ihrer Zeit als Einrahmerin war schon fast besiegelt, da bot ihr eine Bekannte einen Raum in Solothurn an. «Ich hätte abgesagt, aber Freunde und Familie haben mir gut zugeredet.» So hat sie sich den Raum angeschaut – und sich in diesen verliebt: «Die Grösse, die Lage – einfach perfekt.» Zwar deutlich kleiner als das Atelier in Bellach, aber genau das gefiel ihr. Zeit sich von Bildern, Rahmen und Krimskrams zu trennen – und mit weniger Ballast einen Neuanfang zu wagen. Seit dem 1. Dezember ist sie in den neuen Räumlichkeiten am Klosterplatz anzutreffen: Mit dem neuen Standort ist auch die Freude zurück.

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