Während das Wasser wellenartig gegen das Ufer schlägt, warten gestern Nachmittag in Zürich Enge über zwei Dutzend Schaulustige, Freunde und Familienangehörige gespannt auf die Ankunft von Extremschwimmer Romano Mombelli.

Dann, um 16.18 Uhr, nach exakt 73 zurückgelegten Schwimmkilometern in vier darauffolgenden Tagen, erreicht der 24-jährige Solothurner sein Ziel: Romano Mombelli hat erfolgreich den Walensee, den Linthkanal sowie den Zürichsee mitsamt Obersee durchschwommen. Das hat vor ihm noch keiner versucht, geschweige denn geschafft.

Für sein Mega-Projekt «Sarganserland» benötigte Romano Mombelli insgesamt 18 Stunden und 44 Minuten und absolvierte dabei weit über 85 500 Armzügen: «Vor allem im Rücken und im Schulterbereich spüre ich nun schon eine Überbeanspruchung», antwortet er im Ziel schmunzelnd auf die Frage, ob er seine Arme noch bewegen könne.

Und so wird schliesslich auch für einen Spitzenathleten nach 73 Schwimmkilometern im Ziel selbst das Anziehen eines T-Shirts zu einer kleinen Tortur.

Planänderung wegen Gewitter

Um seine Ziele zu erreichen, hat Mombelli hart gearbeitet: Zwei bis vier Stunden Schwimmtraining absolviert der Solothurner täglich in den Schwimmbädern von Solothurn, Zuchwil oder Bern.

Hinzu kommt das regelmässige Sammeln von Erfahrungen im offenen Wasser. «Man kann das Schwimmen in der Badi und in einem See nicht vergleichen. Man weiss nie, was einen in den offenen Gewässern erwartet. Aber genau das macht den Reiz aus», sagt er.

Das bekommt Mombelli auch während seines neusten Projekts immer wieder zu spüren: Thermisch bedingter Gegenwind und damit einhergehender verstärkter Wellengang bremsten den Extremschwimmer zwischenzeitlich massiv aus. «Ich habe den Walensee etwas unterschätzt. Trotzdem gelang es mir gut, jeweils meinen Rhythmus zu behalten», sagt er.

Auch am zweiten Tag musste Romano Mombelli, der von einem professionellen Team mittels Boot begleitet wurde, Hürden überwinden: Der Linthkanal führte so wenig Wasser, dass das Team nur vom Ufer aus ihren Schützling auf dem 15 Kilometer langen Teilabschnitt begleiten konnten.

Heikel: Denn das Vorankommen über eine solch lange Distanz in einem offenen Gewässer ist derart anspruchsvoll, dass Mombelli sich alle 20 bis 30 Minuten mittels Energiegels verpflegen lassen musste.

Ursprünglich hätte der 24-jährige Solothurner am dritten Tag einen Ruhetag einplanen wollen, woraus jedoch wegen auftretenden Gewitterzellen nichts wurde. So musste Mombelli jeden Tag ins Wasser.

Es wurmt ihn besonders, dass er deshalb die letzte geplante Etappe von 44 Kilometern im Zürichsee schliesslich auf zwei Tage hatte aufteilen müssen. Doch das kam Mombelli wohl im Endeffekt zugute, musste er doch im unteren Zürichsee gegen starken Gegenwind ankämpfen, bevor sich die Regenwolken verzogen und Mombelli die Schlusskilometer bei herrlichem Sommerwetter, begleitet von leichtem Rückenwind, in Angriff nehmen konnte.

«Ich bin sehr zufrieden, wie wir unser Ziel trotz einigen Hürden erreicht haben und wir das Projekt durchziehen konnten», bilanziert Mombelli glücklich.

Ärmelkanal als nächstes Projekt

Damit hat Mombelli ein zweites Pionierprojekt in nur zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen: Bereits im letzten Jahr durchquerte er in vier Tagen den Murten-, Neuenburger- und Bielersee und folgte anschliessend noch dem Lauf der Aare von Biel nach Solothurn. Insgesamt spulte er so erfolgreich 105 Kilometer ab.

Kein Wunder also, dass Romano Mombelli auch selbst nach dem erneuten Mega-Projekt das Schwimmen längst nicht satthat.

So denkt der 24-jährige Langstreckenschwimmer bereits an weitere Projekte: «Mal sehen, ob ich diesen Sommer noch ein weiteres in Angriff nehmen werde. Und sonst würde ich gerne im nächsten Jahr den Ärmelkanal überqueren», sagt er, der auch schon die Strasse Gibraltars in Rekordzeit geschwommen ist.  

Der Ärmelkanal misst zwischen Frankreich und England an der engsten Stelle stolze 32,31 Kilometer, wobei der tatsächlich zurückgelegte Weg für Schwimmer oft weitaus länger ist, da sie starken Strömungen ausgesetzt sind. Doch das dürfte das Projekt für den Solothurner Romano Mombelli nur noch attraktiver machen.