Solothurn
Nach 37 Jahren hat der Türkische Sportclub endlich ein Clublokal auf dem Brühl

Der Türkische Sportclub Solothurn TSCS hat sein Clublokal auf dem Sportplatz Brühl bezogen.

Mustafa Dikbas
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Gelungene Integration: Das Lokal des türkischen Sportclubs (r.) ist gleich neben dem Clubhaus der Schwinger zuhause.

Gelungene Integration: Das Lokal des türkischen Sportclubs (r.) ist gleich neben dem Clubhaus der Schwinger zuhause.

zvg

Die Geschichte wurde langsam zur unendlichen Geschichte: Seit beinahe 30 Jahren bemüht sich der Türkische Sportclub Solothurn (TSCS) um ein eigenes Clublokal auf dem Sportplatz Brühl. Schon unzählige Projektideen sind formuliert und teilweise auch in Angriff genommen worden, nie aber kam das Vorhaben über die Planungsphase hinaus. So hätte der Türkische Sportclub mal zusammen mit einem Nachbarverein ein Lokal bauen sollen, ein andermal änderte die Stadt die Nutzungspläne des Platzes. Zuletzt stand eine Integration des Lokals im Neubau Brühl mit der Schwingerhalle zur Diskussion.

Im September 2016 kam dann endlich die erlösende Botschaft von der Sportkommission: Die Baubehörde hat den Materialraum auf dem Brühl in den Neubau Schwingerhalle gezügelt. Dadurch ist Platz frei geworden für ein Clublokal. Wissend um die lange Leidensgeschichte des TSCS haben die Behörden diesen Raum den Türken zur Verfügung gestellt.

«Wir gehören zur Stadt»

«Wir sind fast aus den Wolken gefallen, als wir die Zusage erhielten», schildert Clubpräsident Ensar Dağcı den Moment. Das Lokal sei wichtig, weil es ein sichtbares Zeichen für die Existenz des Vereins darstelle: «Wir gehören seit 37 Jahren fest zur Stadt und zum Brühl, jetzt sieht man das auch», sagt Dağcı. Das Lokal habe aber auch eine materielle Bedeutung.

«Beste Form der Integration»

«Zu Recht sind Sie und auch Ihre Nachfolger stolz darauf, dass Sie dieses Haus mit eigenen Händen so schön gemacht haben, wie es sich heute präsentiert.» Stadtpräsident Kurt Fluri war anlässlich der Eröffnungsfeier beim Clubhaus des TSCS voll des Lobes. Weiter verwies er auf die Funktion der Verein als Kitt der Gesellschaft. Und: «Wenn sich traditionelle Schweizer Vereine und – ebenfalls bereits traditionelle – Ausländervereine auf demselben Platz zu sportlichem Wettkampf und geselligem Beisammensein treffen, so ist dies die beste Form der Integration.» Weiter stellte er den Anwesenden in Aussicht, dass 2019 ein Kunstrasenfeld erstellt werden soll, sofern die politischen Gremien grünes Licht geben. «Wir hoffen sehr, dass damit sowie mit der ebenfalls absehbaren Sanierung des Ricotenplatzes eine wesentliche Kapazitätsausweitung Ihrer Trainingsmöglichkeiten möglich wird», so Fluri. (szr)

tadtvereine könnten in der Regel nicht wie Dorfvereine auf eigene Trainingsplätze oder eben Clublokale zurückgreifen. «Das Lokal wird für zusätzliche Matchbesucher und somit mehr Einnahmen sorgen», sagt Dağcı. Das sei gerade in Zeiten wichtig, wo Vereine über Mitgliederschwund klagen. Kommt dazu, dass der TSCS zu den ältesten und grössten türkischen Vereinen in der Schweiz zählt. Er unterhält drei Aktivmannschaften im Fussball, ist mit Junioren in der Gruppierung Team Brühl Solothurn vertreten und führt noch ein eigenes Damen Volleyballteam.

Nur mit Fronarbeit finanzierbar

Die Arbeiten am Lokal haben fast ein ganzes Jahr gedauert. Bemerkenswert daran ist, dass sie grösstenteils von Vorstandsmitgliedern durchgeführt wurden. Das ging nicht ohne hohe Opferbereitschaft: «Die Leute haben viele Feierabende und ganze Wochenenden auf der Baustelle verbracht. Wir sind ihnen und deren Familien unendlich dankbar für das Verständnis», sagt Dağcı, «aber auch den Nachbarvereinen. Anders hätten wir den Bau kaum realisieren können.»

Nur bei Facharbeiten wie dem Einbau der Sanitäranlagen habe der Verein auf externe Dienste zurückgegriffen. Dieses Vorgehen geht auch auf das limitierte Budget zurück. Durch die Fronarbeit konnten die ursprünglich budgetierten Kosten um beinahe die Hälfte gesenkt werden. «Wir hatten keine andere Wahl», begründet der Präsident. Der Neubau musste ausschliesslich aus Mitgliederspenden und vereinzelten Sponsoren finanziert werden. Diesen zu Ehren hängt nun eine Tabelle mit ihren Namen im Lokal.

Eröffnung mit Würdenträgern

Der Stolz des Vereins konnte an der Eröffnungsfeier Ende Juni beobachtet werden. Der TSCS veranstaltete das Botschafter-Turnier mit türkischen Teams und lud dazu den höchsten türkischen Vertreter der Schweiz sowie den höchsten Solothurner ein: Botschafter Ilhan Saygılı und Stadtpräsident Kurt Fluri durchschnitten gemeinsam das rote Band zur Eröffnung.
«Es bedeutet uns viel, dass Stadtpräsident Kurt Fluri gekommen ist. Wir danken zudem der Sportkommission Solothurn, die sich aufrichtig und intensiv für ein Gelingen des Projektes eingesetzt hat», sagt Dağcı und lädt auch die breite Bevölkerung zu einem Besuch ein: «Wir würden uns freuen, auch an gewöhnlichen Tagen Gäste im Lokal zu begrüssen. Es steht allen Menschen offen.»

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