Die Barfüssergasse hat viele Adresswechsel gesehen, Geschäfte kamen und gingen. Jetzt geht das wohl mit Abstand dienstälteste: «Pasta d‘ Angelo». Das Schaufenster stets «amächelig» dekoriert, lockte das italienische Spezialitätengeschäft von Pia und Angelo Raimondo seit 1985 eine treue Stammkundschaft ins Lädeli. «34 Jahre ist das schon her», schüttelt Angelo fast etwas ungläubig den Kopf.

Wie es zum Start kam? «Nun wir wollten es einfach machen», erzählt Pia. Und deshalb reisten die beiden nach Italien, um bei einem Profi-Pastaiolo alles zu lernen, was es bei der Pasta-Zubereitung zu beachten gilt. Ihr Geschäftsmodell funktionierte, denn damals gab es in Solothurn noch nichts Ähnliches.

Aus Pasta d'Angelo wird künftig die «Pastaria Tomaso»

   

Hat es noch von den…?

Das Resultat konnte sich jahrzehntelang sehen – und eben schmecken lassen; Tagliatelle, Ravioli der Sorten Rind, Spinat und Ricotta, Kürbis, Gemüse, Zitrone oder auch Artischocke und «Biiilz!», wie Angelo zu sagen pflegte, dann die Tortellini und - oft nachgefragt - die Lasagne.

Die bange Frage war eigentlich stets nur: Hat es noch vom Gewünschten? «Und die Gnocchi!» ergänzt Angelo die Aufzählung. «Später kamen die anderen Produkte dazu, wie Öle, Wein und Grappa, Panettone zu Weihnachten, die fein aufgeschnittene Mortadella oder die knackigen Salametti von Zanetti. «Ja, dorthin fahren wir einmal. Ins Puschlav», freut sich Angelo auf kommende ruhigere Zeiten, ohne das Anwerfen der Teigmaschine morgens früh um sechs Uhr. Denn diesen Samstagnachmittag ist «Finito» im «Pasta d‘ Angelo». Pia und Angelo Raimondo hören auf und gehen in Pension.

Blumen und Schokolade

Oder auf Reisen. Das steht ganz oben auf der To-Do-List von Angelo Raimondo. Bevorzugte Ziele wären die alte Heimat Italien, dann aber auch – „Amerika. Dort habe ich nämlich Verwandte.» Aber irgendwie ist er noch gar nicht soweit. «Ig schaffe, sowie jede Tag“. An den Samstag mag er noch gar nicht denken. Obwohl Stammkunden sich jetzt schon verabschieden. «Mit Blumen und Schokolade.»

Auch klingelt das Telefon für letzte Reservationen. 34 Jahre hat ihnen die Kundschaft die Treue gehalten. «Es war schon immer ein Auf und ab», weiss Pia von besseren und schlechteren Zeiten. Deshalb das Credo der Beiden: «Wir möchten uns bei unseren Kundinnen und Kunden für all die Jahre zusammen bedanken.» Das ist für sie das Wichtigste. «Und dann möchte ich mit Kunden am Samstag auf den Märet», freut sich Angelo.

Das wird diesen Samstag garantiert noch nicht der Fall sein, so wie es in all den Jahren nie möglich gewesen wäre. Es dürfte eng werden, im Lädeli, und wie so oft den obligaten Rückstau im Hausgang mit Durchblick geben. Bis Angelo mit dem gewohnt fröhlichen Lachen sein letztes «Ciao!» an den Mann, respektive die Frau gebracht hat. Denn bei «Pasta d‘ Angelo» kaufte man nicht nur Pasta oder Olivenöl, sondern erhielt auch gleich noch ein wenig Seelenbalsam mit auf den Weg.