So einfach das Wort «aseweg» ist, so vieldeutig ist es und als Titel passend für die Musik auf der neuen CD von Christoph Greuter. Es steht für seine Herkunft und die Gründe, warum und wie er zu dieser Musik gefunden hat. Warum er sie so liebt und was er damit ausdrückt.

«Aseweg» heisst so viel wie «gerade so» und ist in der Ostschweiz gebräuchlich; auch im Toggenburg, wo Greuter aufgewachsen ist. Er sagt: «Dieses neue Album ist ein Extrakt aus all dem, was ich bis heute musikalisch erlebt, durchlebt und künstlerisch gemacht habe.»

Der 53-Jährige lebt seit 30 Jahren in Solothurn, ist Gitarrist und Lautenist, erteilt Musikunterricht, gibt Konzerte im In- und Ausland, sowohl solistisch als auch als musikalischer Begleiter von Autoren und Formationen des Neuen Schweizer Folk. Seine Ausbildung erarbeitete sich Greuter an Jazzschulen und an der Schola Cantorum Basiliensis (Musikakademie Basel) sowie bei Kapazitäten in Alter Musik, Folk und Blues.

Es erstaune ihn heute noch, dass er schon im frühen Alter von zehn Jahren Rock und Blues gehört habe. «Das war für mich eine Initialzündung. Solche Musik wollte ich auch machen und die Gitarre schien mir das richtige Instrument dafür zu sein. Meine Mutter finanzierte mir privaten Gitarrenunterricht. Doch der Gitarrenlehrer zog nach einem Jahr weg.» Der Verlust seines Lehrers habe ihn damals so traurig gemacht, dass er einige Jahre lang keine Gitarre mehr angerührt habe.

Einen Rat befolgt

Das änderte sich erst, als er Ende der Schulzeit von einem Schulkollegen animiert wurde, mit ihm Gitarre spielen zu lernen. «Dann allerdings gings grad richtig los», sagt Greuter. Neben seiner Lehre als Bauzeichner besuchte er eine Jazzschule, und eines Tages stellte sich für ihn die Frage: Will ich Musiker werden oder doch einen anderen Beruf vorziehen?

Ein renommierter Organist in der Ostschweiz, mit dem Greuter gemeinsam musizierte, habe ihm geraten: «Schliess zuerst ein anderes Studium ab, das Musikstudium kannst Du immer noch machen.» Greuter tat dies denn auch und wurde Landschaftsarchitekt, bevor er in Basel Musik studierte. Heute wirkt er nicht nur als Konzertmusiker und Musikpädagoge, sondern auch als Fachreferent für Klassik und Musikwissenschaft in der Zentralbibliothek Solothurn und Herausgeber von Musik-Editionen.

«Solothurner Tantz» von 1861

Was steckt hinter den Musiktiteln auf der CD «aseweg» wie zum Beispiel «Obehindere», «Hogerwält» «Napf» oder «Seluner»? «Die einen basieren auf Themen alter Schweizer Jutze, die anderen entstammen aus Inspirationen von Landschaften», antwortet Christoph Greuter. Das Entdecken alter Schweizer Volksmusik habe während des Studiums an der Hochschule begonnen.

Christoph Greuter - 11chörige Laute

Christoph Greuter - 11chörige Laute

Musik aus der Solothurner Lautentabulatur der Zentralbibliothek Solothurn, der einzigen Schweizer Lautenhandschrift des 17. Jahrhunderts im «vieil ton». Abbildungen: Kupferstiche von David Herrliberger, 1757, «Prospekt von Solothurn» (aus der Zentralbibliothek Solothurn). Musik aus dem Album «Marion pleure - Le Luth en Suisse»

«Mir fiel bei den Studienkollegen aus Frankreich, Italien, Spanien, England oder Deutschland auf, dass sie ihre eigene Musikkultur mitbrachten und sich selbstverständlich auf deren Wurzeln besannen. Ich fragte mich, wo denn eigentlich die Wurzeln der Schweizer Musik sind.» Er begann zu forschen, fand in Musikhandschriften und –drucken des 16. und 17. Jahrhunderts der alten Eidgenossenschaft Einiges und verfasste daraus die kommentierte Edition «Radix» (Mülirad-Verlag).

Zu den Fundstücken zählt zum Beispiel ein «Solothurner Tantz» (ebenfalls auf der CD) aus dem Jahr 1681. Greuter betont jedoch: «Diese frühe Schweizer Musik im Volkston hat stilistisch nichts mit der heutigen Ländlermusik zu tun. Und diese wiederum hat nichts zu tun mit meiner Art, alte Schweizer Volksmusik zu interpretieren.»

In der Tat übernimmt Greuter teilweise die alten, einfachen Themen, arrangiert sie neu und reichert sie mit anderen Tönen und Klangfarben an, nicht selten mit bluesigen Klängen. Er spielt auf diversen Halszithern und Akustik-, Resonator- und Elektro-Gitarren amerikanischer Bauart.

«Kompliziert kann jeder …»

Bei seinen Eigenkompositionen bringt Greuter gerne den Anblick einer Landschaft zum Klingen: «Ähnlich einem Bluesgitarristen, der mit seinem Spiel eine weite Ebene in Arizona zu projizieren vermag, tue ich es mit der hügeligen Landschaft des Emmentals, des Toggenburgs oder den Steinwüsten in den Alpen.» Ist das Motiv da, spielt Greuter es ein, lässt es auf sich wirken und entscheidet dann, was klanglich und melodisch hinzugefügt werden könnte.

Grundsätzlich belässt er aber die melodischen Grundmotive in ihrer Einfachheit. «Kompliziert kann jeder Trottel», habe die US-amerikanischen Folksingerlegende Pete Seeger (1919– 2014) einmal gesagt, und davon hält Greuter viel: «Denn was bringt es, eine komplexe Komposition technisch perfekt vorzutragen, die aber niemanden zu berühren vermag?»

Dem Musiker ist aber auch klar, dass er mit seiner «stillen und dennoch kreativ wirkenden Art von Musik», wie kürzlich ein Fachmagazin über seine Musik urteilte, nicht die grosse Masse ansprechen kann. «Das ist ja auch nicht mein Ziel. Ich liebe es, Konzerte vor einem Publikum zu geben zu, das bewusst zuhört und meine Musik, fernab vom Mainstream, schätzt; Musik, die aus unseren Tälern und Chrachen entspringt und sich mit Elementen der traditionellen US-Musikkultur vermischt.» Eben: «Aseweg» sei das.

CD «aseweg», Christoph Greuter, Label: Narrenschiff (nar2017123) Die nächsten Auftritte
in der Region: 13. April, 19 Uhr, Matzendorf; 15. April, 17 Uhr, ref. Kirche Solothurn; 20. April, 19 Uhr, Gasthaus Krone, Laupersdorf; 27. April, 18.30 Uhr, Zentralbibliothek Solothurn; 17. Juni, 11 Uhr, Museum Dornach.