Blumenstein
Museum zeigt seltenes Oster-Prunkstück an zwei Tagen

Mit dem so genannten Ostergrab hat das Museum seit drei Jahren eine seltene und besondere Trouvaille in ihrem Fundus. Am Ostermontag und -dienstag ist der besondere Holzschrein aus dem 15. Jahrhundert für die Öffentlichkeit zu sehen.

Andreas Kaufmann
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Das Ostergrab von Biberist im Museum Blumenstein.

Das Ostergrab von Biberist im Museum Blumenstein.

Hansjoerg Sahli

Beinahe wäre die zunächst unspektakuläre graue Kiste aus Tannenholz auf der Müllhalde gelandet – hätte nicht Viktor Marty, Archivar der katholischen Kirchgemeinde Biberist, vor drei Jahren genauer hingeschaut. Was nämlich auf dem Estrich des dortige Pfarrhauses unter uraltem Staub unbemerkt sein Dasein fristete, war ein seltenes Juwel von kirchenhistorischer Bedeutung – ein sogenanntes Ostergrab, datiert aufs 15. Jahrhundert.

Wie der Name andeutet, handelt es sich dabei um einen sakralen Gegenstand, der früher während der Karwoche und über Ostern in die liturgischen Rituale eingebunden wurde. Ein Ostergrab verdeutlichte und symbolisierte das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Zur Verehrung im Verlauf der Passionsgeschichte wurde dazu eine Christusfigur in dieses sarkophagähnliche Behältnis gelegt, die aber zum Zeitpunkt des Fundes schon nicht mehr im Schrein lag.

Malerei der Passionsgeschichte

Beim «Biberister Ostergrabs» weisen gerade an der Aussenseite angebrachte Malereien auf die besondere österliche Bedeutung der Reliquie hin. Während die an einer der Längsseite angebrachte Malerei wegen eines Wasserschadens nicht mehr rekonstruiert werden konnte, sind auf der anderen Seite Maria Magdalena, Maria Kleophae, Mutter des Jakobus, sowie Salome erkennbar.

Die drei Jüngerinnen aus der Gefolgschaft Jesu sind mit Salben für die Totensalbung abgebildet. Auf den beiden Stirnseiten sind jeweils Wächter zu sehen. Der Deckel des Ostergrabs ist als gen Himmel gerichtete Seite mit Engeln verziert. Die Grundierung der Kiste ist in einer Farbe gehalten, die sich «Caput Mortuum» nennt – zu deutsch «Totenkopf».

Diese entspricht einem Rotton mit Violettstich, der an geronnenes Blut erinnern soll. Damit der Holzschrein im alten neuen Glanz wieder erstrahlen konnte, war im Fundjahr 2012 eine aufwendige Instandstellung durch «Blumenstein»-Restauratorin Brigitta Berndt vonnöten.

Eins von dreien schweizweit

Beim «Ostergrab von Biberist», wie das Prunkstück bereits benannt wurde, handelt es sich um eines von schweizweit drei vorhandenen Ostergräbern. Ein aus der Abtei Maigrauge FR stammendes Exemplar ist im Museum für Kunst und Geschichte in Fribourg zu sehen, ein weiteres ist im Museum Burg in Zug ausgestellt.

Der Biberister Fund wurde seinerseits als Schenkung an das Museum Blumenstein übergeben. Aus aktuellem österlichen Anlass ist er in der museumseigenen Hauskapelle zu sehen, und zwar am Ostermontag von 10 bis 17 Uhr und am Dienstag von 14 bis 17 Uhr. Die kurze Ausstellungsdauer begründet Blumenstein-Konservator Erich Weber damit, dass das Ostergrab stets nur zur Osterzeit gezeigt worden war.

Quellen (u. a.): Urban Fink-Wagner