Von Tapeten zum Hüftgelenk» nennt sich die Sonderausstellung im Museum Blumenstein, die die Industriegeschichte der Region Solothurn unter die Lupe nimmt. Darin eingebettet sind verschiedene Vorträge und Podiumsdiskussionen. Die jüngste Veranstaltung war der Geschichte und Zukunft der Uhrenindustrie gewidmet, die die Region Solothurn wesentlich geprägt hat.

Uhrenindustrie gegen die Armut

Viel Material zu diesem Thema hat der Historiker und Lehrbeauftragte am ZeitZentrum Grenchen, Vuk Djurinovic, gesammelt. Laut seinen Aussagen erfolgte der erste Anlauf der Stadt Solothurn, die Uhrenindustrie anzusiedeln, in den 1850er-Jahren – zwei Jahre nachdem die neue Bundesverfassung genehmigt wurde und die Abschaffung der Schranken im Personen-, Waren- und Geldverkehr ein wirtschaftliches Wachstum ermöglichte. Solothurn war zu jener Zeit arm und sah in der Ansiedlung von neuen Betrieben die Möglichkeit, die Armut zu bekämpfen und den Wohlstand zu heben. Entsprechende Fachleute holte man im französischen Jura, wo bereits viel Know-how vorhanden war. Geworben wurde mit dem Hinweis auf günstige Wohnverhältnisse und niedrige Lohnkosten sowie «jährlich zwei Klafter tannenem und einem Klafter buchenem Brennholz».

Uhren- statt Tabakfabrik

Bereits 1842 hatte der Arzt und Tüftler Johann Baptist Kottmann in Langendorf eine Liegenschaft gekauft, um industriell tätig zu werden. Auf Anraten von Joseph Roth, dem Gründer der 1854 in Betrieb genommenen Uhrmacherschule, gab Kottmann die darin untergebrachte Tabakfabrik auf und schuf mit seiner Ebauchefabrikation 1873 auf Anhieb 80 Arbeitsplätze.

1888 gründete Fritz Meyer dann an der Weissensteinstrasse die spätere Roamer Watch und trieb die Fertigung eigener Uhrwerke voran. Rund um die Fabrikationsgebäude entwickelten sich in der Folge neue Quartiere. Die Patrons entpuppten sich trotz der ständigen sozialen Konflikte zu wahren Wohltätern und vertraten die Meinung, dass die Arbeiterschaft ein eigenes Haus und einen Garten brauche, um sich wohl zu fühlen.

Ronnie Bernheim, Verwaltungsrat der Mondaine Group in Biberist und engagierter Bekämpfer der Swissness-Vorlage, fesselte im zweiten Teil die Zuhörer mit einer interessanten Familiengeschichte der Neuzeit.