Solothurn
Museum Altes Zeughaus wird für Innensanierung ausgeräumt

Das Museum Altes Zeughaus Solothurn wird für den Umbau völlig ausgeräumt. Mehrere hundert Ausstellungsobjekte müssen verpackt und gezügelt werden und das exakt 400 Jahre nach der Inbetriebnahme des Hauses.

Fränzi Rütti-Saner
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Museum Altes Zeughaus in Solothurn wird geleert
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 In der Harnischsammlung werden die einzelnen Objekte, hier alte Helme, sorgfältig von ihren Plätzen geholt, vom Staub befreit und ...
 ... in Luftfolie eingepackt und zur Lagerung im Depot mit einem Strichcode und der Inventarsignatur versehen.
 Der «Züghus-Joggeli» wird der Letzte sein, der das Museum Altes Zeughaus verlassen wird. Ende August wird das Haus geschlossen.

Museum Altes Zeughaus in Solothurn wird geleert

Hanspeter Bärtschi

Ein Wohnungsumzug ist für jede Privatperson eine logistische Herausforderung. Jedoch ein ganzes Museum zu zügeln, ist schon fast eine Herkules-Aufgabe. Dem Team des Museums Altes Zeughaus in Solothurn stellt sich dieser einmalige, wahrscheinlich schon historische Auftrag, seitdem grünes Licht für die Innensanierung dieses Gebäudes erteilt wurde.

Das repräsentative, einzigartige Haus wurde zwischen 1609 und 1614 gebaut. Seit 1907 als Museum geführt, ist hier Militaria aus dem Kanton Solothurn und der Schweiz, insbesondere die bedeutendste Harnischsammlung Europas untergebracht. Jürg Räz, Co-Museumsleiter und für die Logistik dieses Umzuges zuständig, sagt: «Wir verfügen über ein eigens fürs Depot gemietetes, historisches Haus in Solothurn.» Den genauen Standort möchte er lieber nicht verraten, dies auch aus Sicherheitsgründen, wie er sagt. «Bis Ende September muss das ganze Museum leer geräumt sein.»

Zwei Inventare zusammenführen

«So etwas haben wir noch nie gemacht, das passiert wohl auch nur einmal im Leben eines Museumsmitarbeiters», meint Markus Brülisauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hauses und Verantwortlicher für die Inventarisierung der Objekte. Bei dieser Gelegenheit wird gleich noch eine andere Aufgabe an die Hand genommen. Brülisauer: «Eine einheitliche Inventarisierung war schon lange fällig. Bisher gab es Objekte, die in einem Zettelkatalog vermerkt wurden, teilweise mit Fotos. Für andere wiederum gab es ein elektronisches Inventar. Nun musste man, für den Umzug ins Depot, diese beiden Inventare zusammenführen.

Jedes Objekt bekommt nun einen Strichcode. Darin ist ihm sein Platz im Depot zugewiesen, aber auch der künftige Platz in der neuen Ausstellung, sofern es sich denn um ein Ausstellungsobjekt handelt.» Entsprechend wird im Depot eingeräumt. Brülisauer weiter: «Wir belassen die einzelnen Themenbereiche möglichst beisammen, so ist das spätere Auffinden einfacher». «Sorgenkinder» sind noch die grossen Geschütze. «Wir haben einen Standort, doch sind wir noch nicht ganz zufrieden damit», führt Räz aus. «Bis Ende September bleibt noch Zeit, den Lagerplatz entsprechend einzurichten oder nach Alternativen zu suchen.»

Lücken mit Hinweistafeln versehen

In den vergangenen Wochen wurden querbeet Objekte der Ausstellung entnommen und gezügelt. «In erster Linie diejenigen Dinge, die den Besuchern weniger auffallen. Zum Beispiel Wandschmuck oder Gegenstände, die bisher auch eher im Hintergrund zu sehen waren. So-lange das Haus geöffnet ist, werden dort, wo sichtbare Lücken entstehen, entsprechende Hinweistafeln aufgestellt», sagt Räz. Diese Arbeit habe im Juli begonnen. In diesen Tagen wird in erster Linie die Administration gezügelt. In der Hauptgasse 53 hat man geeignete Büroräume gefunden. Räz: «Ich bin froh, dass es von dort nicht weit ins Museum Altes Zeughaus ist.» Ebenfalls ist man derzeit daran, Vitrinen zu leeren oder die weniger exponierten Objekte der Harnischsammlung zusammenzu- tragen, vom Staub zu befreien, zu verpacken und mit einem Strichcode zu versehen.

Wie viele Stücke müssen geräumt werden?

Laut Co-Leiterin Claudia Moritzi sind im Inventar des Museums Altes Zeughaus 18 000 verzeichnete Objekte (inkl. rund 8000 Zinnfiguren) aufgeführt. Von den rund 10 000 Stücken (ohne Zinnfiguren) lagerte ein Teil schon seit einiger Zeit im Aussendepot des Museums Altes Zeughaus MAZ. Der andere Teil befand sich im MAZ in der Ausstellung sowie in Depoträumen des Hauses.
Bei der jetzigen Räumung müssen aus dem Museum komplett noch geschätzte 7000 Objekte gezügelt werden. Davon waren bis Anfang Juli noch rund 3500 Gegenstände in der Ausstellung zu sehen. Co-Museumsleiterin Claudia Moritzi erklärt: «Mit dem Zügeln dieser Ausstellungs-Objekte haben wir im Juli angefangen. Dazu kommen dann nochmals so viele Stücke, die in verschiedenen Depots im Haus gelagert waren. Mit dem Zügeln dieser Depot-Objekte haben wir bereits im Februar angefangen. Wie viele Teile pro Tag verpackt werden, kann ich nicht sagen. Das hängt stark von den Objekten selbst ab und von der Anzahl eingesetzter Mitarbeiter.» (frb)

Publikum möglichst nicht stören

Momentan sind es noch die «regulären» Museums-Mitarbeiter, die beim Umzug anpacken. Räz meint, dass das bis zum Ende des Umzuges auch so bleibt. «75 Prozent unserer Arbeitszeit wenden wir derzeit für diese Arbeit auf. Wir packen vormittags ein, damit die Besucher nicht gestört werden. Bis Mittag sind die verpackten Objekte bereit zum Verschieben ins Depot und dann geht die Arbeit dort weiter.

Besonders heikel sind die Sammlungs-Objekte im Grunde nicht, sagen die Museumsfachleute. «Militärisches Material ist von Natur aus sehr robust», so Brülisauer. Anfällig und heikel seien insbesondere die Textilien – Fahnen, Uniformen und Kopfbedeckungen. «Für die Kopfbedeckungen stehen uns gepolsterte Schachteln aus säurefreiem Karton zur Verfügung.»

Kleinere Objekte wie Pistolen oder Messer werden in Seidenpapier verpackt. Das ist noch immer das beste Material, weil es luftdurchlässig ist. Was stosssicher sein muss, wird in Luftpolsterfolie eingepackt. «Schadhafte Objekte werden höchstens stabilisiert und konserviert, damit der Schaden nicht grösser wird.» Restauriert wird dann während der Zeit im Depot, «aber nur das, was in die Dauerausstellung kommt», erklärt Räz und schiebt nach: «Glücklicherweise ist die Harnischsammlung erst vor ein paar Jahren vollständig restauriert worden.»

Leihgaben in die ganze Schweiz

Der Zeitpunkt der Züglete ist wie zufällig gut gewählt. Wegen der Jubiläen im Zusammenhang mit dem 1. und 2. Weltkrieg oder der Schlacht bei Marignano werden derzeit viele Objekte an andere Museen ausgeliehen. «Viele Kollegen in der ganzen Schweiz wissen, dass wir für eineinhalb Jahre schliessen. Deshalb haben wir auch vermehrt Anfragen nach Leihgaben», führt Claudia Moritzi, die Co-Museumsleiterin, aus. Während der Zeit der Innensanierung arbeiten die Museums-Mitarbeiter dann voll daran, die Objekte, welche für die künftige Ausstellung vorgesehen sind, wissenschaftlich aufzuarbeiten und für die Ausstellung vorzubereiten. «Mitte Oktober sollen dann die Bauarbeiten im Haus beginnen. «Der Letzte, der das Museum Altes Zeughaus vor Baubeginn verlassen wird, ist unser ‹Züghus-Joggeli›, sagt Räz.

Museum Altes Zeughaus Solothurn. Ermässigte Eintrittspreise bis 11. August. Ab 12. August bis Ende August gratis. Ab Ende August voraussichtlich bis März 2016 geschlossen.