Literaturtage

Mundartnacht «gägäWärt»: Ein Abend voller Sprachakrobatik

Im Rahmen der Solothurner Literaturtage begeistern 18 Künstler an der Mundartnacht «gägäWärt» in der Kulturfabrik Kofmehl. An diesem Abend wurde von der Politik bis hin zu Alltagssituationen alles auf die Schippe genommen.

Die 13. Mundartnacht präsentierte sich in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn in ihren zahlreichsten Facetten. 18 Künstler aus verschiedenen Teilen der Deutschschweiz kamen nach Solothurn und sorgten mit ihren Dialekten, ihrer Sprachakrobatik und den unterschiedlichsten Darbietungsformen für das richtige Ambiente. Die drei Stunden voller Situationskomik sollten wie im Flug vergehen, denn die Anwesenden im praktisch ausverkauften Kofmehl lauschten begeistert den diversen Geschichten, musikalischen Klängen und unzählbaren Wortspielen, wie sich an ihrem Gelächter und dem starken Applaus zeigte.

An diesem Abend wurde von der Politik bis hin zu Alltagssituationen alles auf die Schippe genommen und sprachlich wie inhaltlich in viele Einzelteile zerlegt. Der Slam Poet Marco Gurtner (Thun), der sehr gerne redet, hatte die Lacher auf seiner Seite, als er entrüstet über die eigenen Erlebnisse am Street Food Festival erzählte und damit die übertriebenen Essgewohnheiten von heute thematisierte. So warf er dann auch die Frage auf, weshalb man vegan und so kompliziert leben müsse, statt sich mit einem einfachen «SchoggiCake» zufrieden zu geben.

Die Schweizer Meisterin in der Poetry-Slam-Szene, Hazel Brugger, schaffte es dann, dass Publikum ununterbrochen zum Lachen zu bringen, während sie selbst keine Miene verzog und nüchtern über den Tod und einen kleinlichen Klassenkameraden aus der Kindheit referierte. Missgelaunt und mit scharfem Auge für das Absurde schuf sie analysierend bitterböse Komik.

Auch viele skurrile Bilder gab es bei «gägeWärt». Der Walliser Rolf Hermann, dem man schon nur wegen seines Dialekts gebannt lauscht, liess in einer seiner Kurzgeschichten dem Ehemann auf der Weide das Widderfell anlegen, damit die Schafe küssende Ehefrau auch ihn küsst. Beim Zürcher Gerhard Meister hagelte es echte Katzen in der Migros, die von Regenschirmen aufgespiesst wurden und in denen man schliesslich versank.

Mit der Gitarre und der Sprache bewaffnet konnte der Innerschweizer Reto Zeller glänzen, der den Alltag auf amüsante und schräge Weise untersuchte. Dem Publikum bot er Pointen von Putin bis hin zu Selfies und dem Abschnitt im Leben, den Männer nur noch der Champions League widmen. Das Publikum aus der Reserve locken konnte auch das Quartett «und Apfelböck», das mit einem breit gefächerten Klangteppich und Rap Literatur schuf und ernste Themen schauspielerisch sowie mit realistischer Klarheit darbot. Im Stück, das sich um das Ideal eines Menschen drehte, stritten sich «du bisch richtig» und «du bisch falsch», indem sie mit Argumenten um sich warfen. Gegen Ende steigerten sie sich in einen Höhepunkt, in dem die Parteien durcheinanderredeten.

Zum Abschluss gab es insofern etwas Unerwartetes, als dass für den letzten Auftritt die Sprachkunst in den Hintergrund trat. Dafür machte sie einer musikalischen Darbietung Platz, in der mit Bubi Rufener und Oli Hartung von der Band «Bubi Eifach» die bekannte «schärfste Geheimwaffe aus Bern» auf die Bühne trat und mit ihren starken Bässen das Kofmehl erzittern liess. Die beiden Gitarristen machten Stimmung wie an einem Rockkonzert, wobei das Publikum mit rhythmischem Klatschen als Schlagzeug einsprang und Rufener mit rauchiger Stimme sang.

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