Portrait

Mountainbikerin Hielke Elferink will hoch hinaus, ihr Alter ist da zweitrangig

«Ich will einfach sehen und erleben, wie weit ich es als Mountainbikerin noch bringen kann», sagt die 30-jährige Mountainbikerin Hielke Elferink.

«Ich will einfach sehen und erleben, wie weit ich es als Mountainbikerin noch bringen kann», sagt die 30-jährige Mountainbikerin Hielke Elferink.

Die 30-jährige Mountainbikerin Hielke Elferink ist in Solothurn «eingefahren». In einem Alter in dem andere ihre Karriere beenden, gibt die Holländerin erst richtig und begeistert Vollgas.

Nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel Velo gefahren wie in Holland. Es soll da ja mehr Fahrräder als Menschen geben und allein 32 000 km Radwege. Der Drahtesel ist also für die Oranjes sozusagen das, was der Bär für die Berner ist.

Holländische Bike-Marathon-Meisterin zu sein, und das zum vierten Mal in Folge, heisst darum was - sollte man meinen. «Leider ist das nicht so», erzählt Hielke Elferink. «Fussball ist auch bei uns das dominierende Thema.» Allein, wenn die 30-jährige Physiotherapeutin vielleicht bald Weltmeisterin wird, wer weiss wie viel da punkto Popularität noch geht? 2016 wurde die Neu-Solothurnerin WM-Elfte.

Die sportliche Karriere von Elferink verblüfft. Als 30-Jährige hat sie soeben ihr erstes Profijahr hinter sich. Dies für das deutsche Team Craft - Rocky Mountain. Die Solothurnerin Nathalie Schneitter, 2004 Junioren-Weltmeisterin und 2006 U23-Vizeweltmeisterin, ist gleichen Jahrgangs wie Elferink und hat ihre Profi-Karriere soeben beendet.

Hielke Elferink kam vor wenigen Monaten via Freiburg i. B. nach Solothurn, weil ihr Freund bei BMC in Grenchen einen Job als Projektmanager fand. Seither verbindet Schneitter und Elferink eine Freundschaft. «Sie hat mir viele Strecken, die Stadt und die Umgebung gezeigt und durch sie habe ich hier Leute kennengelernt», sagt die Holländern.

«Das hat mir sehr geholfen, mich einzuleben.» Inzwischen ist die Aare sowas wie ihre zweite Badewanne geworden. «Ich mag es sehr darin zu schwimmen», sagt sie.

Aus Hobby wird Beruf

Hielke Elferink stammt aus der Gegend von Enschede und spielte bis 20 Basketball. Bis in die holländische Nati hat sie es als kleine Spielerin gebracht. Danach standen Ausbildung und Job im Vordergrund. Der Sport, sprich das Bike, war Hobby. «Irgendwie wurde das mit dem Velo dann aber immer mehr und mehr und das mit der Arbeit immer weniger und weniger.» Bis schliesslich aus dem Hobby der neue Job wurde. «Ich will einfach sehen und erleben, wie weit ich es als Mountainbikerin noch bringen kann», sagt Elferink. Erfahren, «wo die Decke ist.»

Einem normalen Job nachgehen könne sie später noch lange. «Ich habe das ja schon jahrelang getan», sagt sie. Ihr Ziel sei bestimmt aber nicht fix auf eine Zahl oder ein Ereignis ausgerichtet, sagt sie. «Der Weg ist das Ziel.» Die Karriere der holländischen Meisterin verläuft also umgekehrt zur Klassischen.

Das hat auch Vorteile. «Ich darf und muss nicht unbedingt Erfolg haben.» Was nicht heisst, dass da auch nur ein Millimeter weniger Ehrgeiz wäre, als bei denen, die schon als Kind Rennen fuhren. Ganz im Gegenteil: «Weil ich so spät angefangen habe, bin ich hungrig und freue mich auf alles, was kommt.» Nix von ausgelaugt, ausgepowert oder gesättigt also...

«Ich geniesse es auch extrem, in der Natur und in den Bergen zu sein», sagt Elferink. Der höchste Berg in Holland sei gemessen an Schweizer Verhältnissen ein «Loch». Viel mehr als 100 Meter gehts da selten auf einmal hoch. Wer aus einem so flachen Land kommt, dem kann es offenbar nicht steil genug sein.

Im Fall von Elferink auf jeden Fall ist das so. Wenn sie vom Leiden am Berg erzählt, von den Tausenden Höhenmetern, die sie in zig schweisstreibenden Stunden auf dem Bike bezwingt und davon, «dass Du je nach Rennen im Ziel zutiefst glücklich aber für eine Woche tot bist vor Erschöpfung», dann klingen diese Worte aus ihrem Mund wie eine Opera Seria aus Mozarts Feder.

Der Ungeübte freilich dehydriert schon beim Zuhören und nimmt erste Symptome von Seitenstechen, Keuchhusten und Atemnot wahr. Bei Elferink indes spürt man, wenn sie spricht, die Lust am «Flow», wenn Köper, Geist und Umfeld unter sportlicher Anstrengung Eins werden. Da ist so viel Hingabe, Wertschätzung und Demut auch vor der Natur, vor all dem, was nicht vom Menschen geschaffen ist.

«Wenn ich auf dem Bike bin spüre ich die enorme Kraft dahinter», sagt Elferink. Mountainbike ist darum ihr Ding, das, so dünkts einen, irgendwann in ihrem Leben noch kommen musste.

Fast Schneitters Nachbarin

Dass das berühmteste Mehretappen-Rennen der Welt, das Cape Epic in Südafrika, das im Duo pedalt wird zu den jährlichen Saison-Highlights gehört, ist logisch. Letztes Jahr, als noch nirgends geschrieben stand, dass es Elferink und ihren Freund wenig später nach Solothurn verschlagen würde, hatte ich «Kontakt mit Nathalie Schneitter und habe sie gefragt, ob sie mit mir fahren würde.»

Damals hatte das nicht geklappt. Unterdessen wohnen die beiden ein paar hundert Meter voneinander entfernt. «Schon speziell.» Nach einem vierten und fünften Rang möchte Elferink heuer beim Cape Epic, und nicht nur da, sondern so oft wie möglich, aufs Podest.

Nathalie Schneitter hat zweifellos noch den einen oder anderen Tipp im Köcher, den sie ihrer neuen Kollegin als «Coach» mitgeben kann. Denn obwohl gleich alt ist Schneitter als Bikerin ein Routinier, Helferink eher ein Greenhorn.

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