Literaturtage

Motto «Konflikt.Stoff»: Streiten sich Bichsel und Co. nun untereinander?

Die 37. Solothurner Literaturtage stehen dieses Jahr unter dem Motto «Konflikt.Stoff». Was heisst das für die 56 Autorinnen und Autoren aus der ganzen Schweiz?

Reibung erzeugt Wärme, heisst ein Grundsatz der Physik. Aber Reibung erzeugt auch Geschichten, Gesprächsstoff – und immer wieder Literatur. Ob private oder politische Konflikte, ob generationenübergreifende oder familiäre, ob psychologische oder jene des Übersetzens: «Die Literatur hat es oft mit wortwörtlich unsäglichen Dingen zu tun. Doch sie entwickelt eine Sprache dafür», erklärte Reina Gehrig, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, an der Medienkonferenz. Aus diesem Grund stünden die Literaturtage 2015 unter dem explosiven Motto «Conflicts Conflitti Conflits Konflikt.Stoff».

Das Literaturfest findet alljährlich über das Auffahrtswochenende statt, diesmal zum 37. Mal, vom 15. bis 17. Mai. In seinem Kern eine Werkschau des aktuellen literarischen Jahrgangs, versammelt es auch dieses Jahr aus allen Landesteilen 56 Autorinnen und Autoren, die im vergangenen Jahr ein bemerkenswert gutes Buch herausgegeben haben. Insgesamt treten über 100 Gäste aus dem In- und Ausland an, um Konflikte für einmal nicht zu begraben, sondern vielmehr an der Literatur zu spiegeln.

So wird der berühmte Simeliberg beim Sprachkünstler Michael Fehr zum Schauplatz eines Krimis. Und Noëlle Revaz aus der Romandie zeichnet das düstere Bild einer Zukunftsliteratur, die statt von ihrem Inhalt nur noch von ihrer Verpackung lebt.

Einen der Höhepunkte der Literaturtage bildet das Podiumsgespräch zwischen Alain Berset und Lukas Bärfuss. Wie funktioniert Rhetorik? Was verbindet Literatur und Politik? Wann vermag Sprache politisch zu wirken? Solche Fragen werden der «kulturell engagierte Politiker und der politisch engagierte Schriftsteller», so Gehrig, ins Visier nehmen. Auch die politische Vergangenheit der Schweiz ist immer wieder Stoff einer literarischen Auseinandersetzung; mit ihr beschäftigen sich Lukas Hartmann («Auf beiden Seiten») oder Guy Krneta («Unger üs»).

Auch Ruth Schweikert tritt in Solothurn auf – und das gleich doppelt: Einmal mit ihrem neuen Roman («Wie wir älter werden») und ein ander Mal gemeinsam mit dem Präsidenten des internationalen Autorenverbandes PEN, John Ralston Saul. Die beiden diskutieren darüber, wie der Verband Autoren beistehen kann, deren politische oder schreiberische Freiheit bedroht ist.

Mit Humor und Jubiläen

«Das Motto Konflikt.Stoff ist weit gefasst, dennoch hilft es der Programmkommission, Schlaglichter auf die Werkschau zu werfen», erklärt Gehrig. So rückt etwa die literarische Übersetzung, als Schnittstelle zwischen den Sprachen naturgemäss konfliktreich, noch stärker als sonst in den Fokus.

Und Ehrensache, dass sich beim Jugendliteraturschwerpunkt sämtliche Reibereien mithilfe von Anna Sommers Scherenschnitten und Matto Kämpfs Humor pünktlich zum Schluss jeder Veranstaltung in Wohlgefallen auflösen.

Aber es geht auch gänzlich konfliktfrei – etwa, wenn an den Literaturtagen zwei Jubiläen begangen werden: Der Mundartmeister der kurzen Form, Ernst Burren, feiert seinen 70. Geburtstag nach: mit Pedro Lenz, Manfred Papst sowie dem Publikum. Und auch Peter Bichsels 80. Geburtstag kriegt ein Solothurner Echo – in einer Veranstaltung mit dem Autor sowie Ralf Rothmann als Lesenden. Denn Bichsel unterliegt auch jenseits der 80 keineswegs dem Trägheitsgesetz. Doch halt, damit wären wir bereits bei einem ganz anderen physikalischen Grundsatz angelangt.

Solothurner Literaturtage Vom 15. bis 17. Mai, verschiedene Veranstaltungsorte. Genaues Programm: www.literatur.ch

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