Stadtorchester Solothurn

Monster-Performance: Dirigent tanzte auf zwei Hochzeiten

Enthusiastisch gefeiertes Frühlingskonzert sowie Kinderkonzert unter und mit Harald Siegel.

Harald Siegel, der in Leipzig geborene Leiter des Stadtorchesters Solothurn, absolvierte mit seinen Musikerinnen und Musikern eine Monster-Performance: Erst stand er als dirigierender Solist oder klavierspielender Dirigent mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 KV 488 im Fokus – am Folgetag führte er das Kinderkonzert «Der Josua mit der Zauberfiedel» gleich zweimal hintereinander auf. Jolanda Steiner erzählte das musikalische Märchen vom kleinen und schwachen Josua, der mit einer Wundergeige bis zum Mond reist. Mit von der Partie waren auch kleine Geigerinnen vom Solotutti Zentrum für Musik.

Wie Mozart begann auch Harald Siegel früh mit Musizieren. Mit sechs Jahren lernte er das Klavierspiel und mit zehn Jahren trat er bereits im neuen Gewandhaus auf, wurde mit 14 Jahren als Jungstudent an die Hochschule für Musik Leipzig aufgenommen. Entsprechend früh entdeckte er auch die Affinität zum Dirigieren. Selbst den ersten Posten als Dirigent am Theater Biel-Solothurn erhielt Siegel, noch bevor er sein Studium abgeschlossen hatte.

Ein spannendes Live-Erlebnis

Seit 2014 leitet er nun das Stadtorchester Solothurn, mit dem er erstmals seine Doppelbegabung auslebte, gleichzeitig als Dirigent und als Pianist Furore machte. Dabei begeisterte nicht allein die Fingerfertigkeit, sondern, mit welcher Vehemenz er sich mit Mozarts Klavierkosmos auseinandergesetzt hat, wie geläufig und lyrisch er den Solistenpart gestaltete. Siegel gab dem Orchester vom Klavier aus reaktionsschnell Einsätze und Impulse, hier ein Kopfnicken, dort ein Handzeichen, hob Mozarts Dialogkunst sowohl als Dirigent wie auch als Pianist hervor.

Das Orchester zeigte sich durchweg gut disponiert, die Streicher intonierten das Thema des Kopfsatzes leicht und gefällig und die Bläser nahmen es glänzend auf. Trotzdem, bei den Tutti liessen sich kleine Unebenheiten und Brüche nicht überhören. Sich in die Solopassagen zu versenken und blitzschnell wieder dem Orchester widmen bedeutet, auf zwei Hochzeiten zu tanzen, kleine Perfektionstrübungen in Kauf zu nehmen. Doch letztlich macht nicht sterile Notentreue elektrisierende Konzerte aus, vielmehr sind es spannende Live-Erlebnisse. Entsprechend enthusiastisch wurden Orchester und Solist vom Publikum gefeiert

Dank und Abschied

Applaudiert wurde für einmal auch einem speziellen «Solisten»: nämlich dem Kassier des Stadtorchesters Solothurn. Präsidentin Marie-Louise Kissling dankte Franz Fischer für dessen seit 1980 geleisteten Effort für die Finanzen und die Abo-Verwaltung.

Doch nicht nur für den öffentlich Geehrten markierte das diesjährige Frühlingskonzert den Schlusspunkt einer langjährigen Aufgabe. Auch Geigerin Monika Steiner verabschiedete sich mit Mozart und Schubert von «ihrem» Stadtorchester, dem sie seit mehr als 35 Jahren verbunden ist. «Natürlich war mir wehmütig ums Herz, trotzdem genoss ich jede Minute. Für mich endet nun ein Lebensabschnitt, der mir unendlich viel bedeutete.» Entsprechend beseelt spielte sie letztmals Schubert.

Bei dessen 6. Sinfonie in C-Dur folgten die Musiker präzise den Intentionen von Harald Siegel, verleihen dem Werk rhythmische Prägnanz. Siegel lässt die Musiker zuweilen kammermusikalisch filigran agieren, artikuliert klar und kraftvoll.

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