Solothurn
Monochromie, die «zwischen den Zeilen» wirkt

Die Solothurner Künstlerin Myriam F. Levy stellt in der Galerie Abbühl ihre feinfarbigen Bildtafeln aus.

Eva Buhrfeind
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Die Bildtafeln bestehen aus Wachs und Farbpigmenten.

Die Bildtafeln bestehen aus Wachs und Farbpigmenten.

zvg

«Zwischen den Zeilen» hat die aus Solothurn gebürtige und in Israel lebende Myriam F. Levy, sie führt auch ein Atelier in Solothurn, ihre kleinen monochrome gefärbten Bildtafel genannt. Und diese mattfarbenen Bildinhalte sind diffizil in Bildgestaltung wie eben auch in der Rezeption, der Wahrnehmung einer taktilen, feinen Häutigkeit. Was im ersten Moment an klassische, abstrakte Farbfeldmalerei erinnert ist letztendlich Ausdruck eines ebenso intensiven wie kontemplativen Prozesses, der sich einer absoluten Farbwirkung nähert, und dabei auf der uralten Bildtradition der «Enkaustik» beruht.

Hierzu verarbeitet die 1960 geborene Künstlerin reine Farbpigmente in Bienenwachs, schichtet dann die eingefärbten Wachsschichten aufeinander und konserviert mit einem Heissluftgerät diese Farbwachsschichten, die sich miteinander zu Farbfeldern verschmelzen. Farbfelder, hinter deren weichhäutiger Oberfläche durchaus dezente Momente einer prozesshaften Bildfindung zwischen intuitiv und kontrolliert, Transparenz und Dichte, Farbe und Licht ahnbar werden.

Kleine fragil wirkende Farbfeld-Tafeln sind es hier, die im Lauf der langwierigen Trocknungsprozesse noch ihre Farbstimmung verändern und als Überraschungsmoment eine Konzentration ebendieser Bildbeobachtung bewirken. Eine Beobachtung also jener künstlerischen Situationen «zwischen den Zeilen», die zwischen den Schichten, die zwischen Schmelzen und Materialisierung von Farben und Wachs eine Art Klaviatur langlebiger Farbklänge in eine stille, samten wirkende Monochromie einbettet.

Archivarischer Charakter

In einer weiteren Ausstellung werden neue Arbeiten von Valérie Balmer präsentiert. Die Lenzburger Künstlerin hat ihr bereits 2016 vorgestelltes Thema «lettres de guerre», Feldpost, Schriften und das Geheimnis dessen, was zwischen den Zeilen steht, weiter zurückgenommen bis auf die absolut vordergründige Reinheit und die Farbpalette vergilbter und verblichener Papierbögen, Kuverts und angedeuteter kalligrafischer Spuren.

Mit Ölfarben rückseitig auf Glas gemalt, raffiniert den Moment der Collage andeutend, erhält diese diffuse Transparenz einen archivarischen Charakter. Die Künstlerin lässt ahnen, was geschrieben sein, was geschrieben werden könnte: vergangene anekdotische Geheimnisse, die sich im gegenwärtigen Bildmoment verschlüsseln.

Die Ausstellung ist bis zum 21. November in der Galerie Christoph Abbühl zu sehen. Sie ist donnerstags und freitags zwischen 14 Uhr und 18.30 Uhr und samstags zwischen 14 Uhr und 17 Uhr geöffnet.