Solothurn
Moderne Wagen haben zu wenig Platz in den älteren Parkhäusern

Es werden immer breitere Autos hergestellt, während die Parkplätze immer gleich eng bleiben. Dies führt zwangsläufig zu Platzproblemen in den Solothurner Parkhäusern.

Wolfgang Wagmann und Andreas Kaufmann
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Wer in Solothurn in den zwei älteren Parkhäusern parkieren will, muss schlank sein, genau einparkieren können und ein nicht all zu breites Auto lenken. Denn diese sind breiter geworden - die Parkfelder jedoch nicht.

«Die Problematik ist bekannt», räumt Niklaus Studer, VR-Präsident der Parking AG Solothurn, ein. Speziell grössere Geländefahrzeuge sieht er als Verursacher der Misere - «wir haben deshalb begonnen, Mieter mit solchen Autos ins Parkhaus Berntor zu verlegen, wo die Platzverhältnisse viel komfortabler sind.»

Nicht nur im Baseltor wirds für grössere Modelle eng
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Im Bieltor sind die Platzverhältnisse am Knappsten
Schon mittlere und kleinere Wagen stossen im Bieltor an ihre Grenzen
Wer so parkiert schafft für andere Probleme - ob für Frau oder Mann
Komfortable Platzverhältnisse im Parkhaus Berntor
Die konisch angelegten Parkplätze im Berntor sind bequem anzufahren
Im Ladendorf Langendorf gibts schon XXL-Parkplätze

Nicht nur im Baseltor wirds für grössere Modelle eng

Wolfgang Wagmann

Daneben beobachtet der Herr über Solothurns 1288 unterirdische Parkplätze viel Disziplinlosigkeit bei den Parkhaus-Besuchern: Frauen-Parkplätze werden auch von Männern benützt, parkiert wird so, dass ohne Rücksicht auf andere das Auto optimal steht, «ja ein Mieter mit einem grösseren Wagen stellt diesen regelmässig auf zwei Feldern ab.»

Was nach mehrmaliger Ermahnung dazu führen könnte, dass dem renitenten Lenker der Mietvertrag gekündigt wird.

Aus drei mach zwei?

Fahrzeugbreite: Um gut 20 Zentimeter breiter geworden

Als Mitte der 70er-Jahre Solothurn beim Bieltor sein erstes Parkhaus erhielt, war der VW-Golf I ganze 1610 mm breit. Der jetzige Golf VII misst dagegen 1799 mm, ist also 18,9 cm oder fast 15 Prozent breiter geworden. Der ab 1975 gebaute 3er BMW E21 mass damals auch 1610 mm, der heutige F30 hat um 21 cm auf 1811 mm «zugelegt». Im Gegensatz zur Mittelklasse ist die Zunahme bei grösseren Limousinen weniger augenfällig.

Der Mercedes der S-Klasse war 1975 bereits 1870 mm breit, die aktuelle 222er Baureihe bringts nur auf 29 Millimeter mehr. Die Geländewagen gibts zwar auch im Breitenbereich von 1800 bis 1900 mm; der gängigste Mittelklass-SUV von Mercedes, der W166 misst jedoch 1926 mm. Beim Chevrolet Tahoe mit 2007 mm dagegen bleiben in einem Mitte-Feld des Parkhauses Bieltor links und rechts gerade noch 72,5 mm oder gut 7 cm bis zum weissen Strich - sofern der Geländewagen präzise in der Mitte parkiert worden ist.

Für Andreas Burgener, Direktor Auto Schweiz, ist klar, warum die Autos stetig breiter geworden sind: «Da gab es einmal die normativen Auflagen der Sicherheit wie den Seiten-Aufprallschutz, und dann den Wunsch nach mehr Komfort.».(ww)

Das Thema wird bei der Parking AG durchaus ernst genommen - in der Diskussion stehen XXL-Parkplätze wie beispielsweise im Ladendorf Langendorf.

Doch seien die Möglichkeiten in den Parkhäusern beschränkt, «wir können nicht einfach Säulen entfernen, die für die Statik unabdingbar sind», erklärt Niklaus Studer. Geprüft werde jedoch, weniger, aber breitere Parkplätze zu realisieren.

«Doch das verursacht Mindereinnahmen oder höhere Kosten für die Parkhausbenützer und führt zu weniger Parkplatzkapazitäten. Das zieht einen Rattenschwanz von Problemen mit sich.»

Einen Ausbau des Parkhauses Baseltor mit breiteren Parkfeldern, wie vor einigen Jahren von den Stadtbehörden angedacht, sieht Studer nicht als Lösung - «verbreitern der Felder im bestehenden Parkhaus ist viel billiger.»

Und so wälzt André Daumüller, Betriebsleiter der Parking AG, derzeit Pläne, wie der Parkierkomfort verbessert werden könnte. «Im Baseltor muss ohnehin wegen ständigen Wasserlachen der Boden erneuert werden.» Dabei stehe jedoch nicht nur Gussasphalt oder Zement als Belag zur Diskussion, sondern auch die Parkfeldgrösse.

«Wir haben mehrere Varianten ausgearbeitet. Wenn wir im vierten Stockwerk aus jeweils drei noch zwei Parkfelder machen und das auf dem ganzen Parkdeck umsetzen verlieren wir von 115 Plätzen 37 und hätten noch 78.

Mit nur einem Drittel der Gesamtfläche bleiben noch 101, bei der Hälfte noch 95 oder 20 Parkfelder weniger als bisher», rechnet Daumüller vor, der such aber eine Reduktion über alle Geschosse wegen des massiven Kapazitäts- und Einnahmenverlusts nicht vorstellen kann. Entschieden sei aber noch nichts, darüber befinden werde demnächst der Verwaltungsrat der Parking AG.

Aussteigen verursacht Schäden

Die drei Parkhäuser

Im 1976 eröffneten Parkhaus Bieltor sind die 450 Parkfelder zwischen 2150 (Mitte) und 2350 mm (Aussenfelder) breit. Im 1991 eröffneten Baseltor gibts auf 488 schräg angeordneten Parkplätzen 2400 mm Distanz zwischen den Linien. Diese sind im 2005 eröffneten Berntor breiter und die 350 konischen Parkfelder weisen im Ein- und Ausstiegsbereich durchwegs rund 2,5 Meter Platz auf. (ww)

Dank Videoüberwachung weiss die Parking AG stets, was auf den Parkdecks abgeht. Niklaus Studer sieht aber keine Zunahme von Parkier-Zwischenfällen. Rolf Hug, Geschäftsführer der Carosserie Hug AG in Zuchwil, ergänzt: «Für mich als Automobilisten ist es eine Qual, dass die Parkplätze nicht breiter wurden, die Fahrzeuge dagegen schon.»

Als Reparateur meint er: «Es ist immer mehr Technik in den Autos. Es gibt auch Einparkhilfen wie eine Parkdistanz-Kontrolle, die reagiert, sobald man zu nahe an ein Hindernis gerät. Das hilft auch bei engsten Parkplätzen sehr - aber nur beim Einparkieren.»

Parkschäden hätten in den letzten Jahren sicher nicht abgenommen, «gerade weil beim Aussteigen viele Schäden entstehen».

Haben Sie schon negative Erfahrungen in Parkhäusern gemacht? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen im Kommentarfenster mit.