Solothurn

Modehaus Brühweiler geht zu – «es tut mir weh, dass ich aufhören muss»

Brühweiler Mode unterhält an der Schmiedengasse eine einzige Geschäftsfläche, die sich über vier Altstadthäuser erstreckt.

Brühweiler Mode unterhält an der Schmiedengasse eine einzige Geschäftsfläche, die sich über vier Altstadthäuser erstreckt.

Das Traditions-Modehaus Brühweiler an der Schmiedengasse schliesst im Juli seine Türen. Damit gehen 63 Jahre lang Brühweiler Mode zu Ende. Ernst Brühweiler bedauert den Schritt.

März 2003. Die ganze Familie Brühweiler hat sich versammelt. Es gibt etwas zu feiern: 50 Jahre Mode Brühweiler. Der Familienclan glaubt an die Zukunft: Die dritte Generation steht in den Startlöchern bereit, Anna und Ernst Brühweiler überblicken ein stolzes Lebenswerk. Heute sitzt der letzte aktive Brühweiler, Ernst junior, in seinem Büro hoch über dem Amtshausplatz. «Nein, ich werde Christina das Geschäft nicht übergeben. Ende Juli ist Schluss.» 

Zu schwarz sieht der versierte Textilkaufmann die Zukunft seiner Branche. Das wolle er seiner Tochter nicht antun. Die sinkende Zahl Stammkunden, der Internethandel, das Einkaufen im Ausland und ein steigender Margendruck. Ernst Brühweiler zählt die Krankheitssymptome seiner Branche nicht das erste Mal auf, das ist spürbar. «Dazu verlieren wir ständig langjährige Lieferanten», verweist er auf einen ehemaligen Zulieferer, der nun in Solothurn selbst ein neues Geschäft eröffnet hat – als Konkurrent.

Ohnehin gebe es nur noch die «Grossen», die Ketten mit ihren Filialgeschäften. Die meisten familiengeführten Geschäfte dagegen seien verschwunden. Brühweiler zählt auf: «Sperisen, Knöpfli Sperisen, Anni Schneider, Sport Marbach, Jeker, Rosette». Die Liste ist lang. «Und Solothurn hat Frequenzen verloren. Vor allem am Abendverkauf. Ich habe mich damals sehr für die Einführung des Abendverkaufs eingesetzt.» Heute mache er nicht mehr mit. «Da kommen ja nur noch Ausländer in die Stadt», fordert er explizit, das auch zu schreiben. Denn genau das halte seine Stammkundschaft vom Shoppen im Abendverkauf ab.

Ein Herzinfarkt und mehr

«Es tut mir weh, dass ich aufhören muss.» Doch zu den äusseren, vor allem auch branchenbedingten Faktoren waren «hausinterne» gekommen. «Im November hatte ich einen Herzinfarkt», erklärt Ernst «Aschi« Brühweiler. Gut ein Jahr zuvor waren innert zwei Wochen seine Mutter und darauf der Vater verstorben. «Es folgten turbulente 14 Monate, in denen ich nur dank meinem Sohn Philipp, der die Buchhaltung erledigt hatte, über die Runden kam.» Brühweilers Chefeinkäuferin war zudem nach 25 Jahren in den Ruhestand getreten, eine weitere versierte Angestellte erhielt eine Diagnose, die sie aus gesundheitlichen Gründen zum sofortigen Aufhören zwang.

Dazu kam offenbar das Gefühl, trotz ständiger, ja zunehmender Präsenz kaum mehr erfolgreich Geschäften zu können. «Ich sitze sechs Tage da und arbeite. Doch ich weiss nicht so recht für was», fasst der 67-Jährige fatalistisch ein Problem zusammen, das viele selbstständige Geschäftsleute ohne eigentlichen Stab heute beschäftigt: der grosse administrative Aufwand, um den Laden überhaupt am Laufen zu halten. «Dabei machen wir durchaus noch schöne Umsätze», relativiert Ernst Brühweiler. «Dank unserer treuen Kundschaft aus der Region bis in den Bucheggberg oder bis Biel. Dort sind ja auch viele traditionelle Geschäfte verschwunden und so kommen die Leute zu uns.» Doch zunehmend werde diese Kundschaft weniger: «Sie stirbt allmählich weg», so der Geschäftsmann lakonisch.
Vier Häuser, weiterhin ein Laden?

Was auf die 63 Jahre Brühweiler Mode folgt, ist noch völlig offen. Ein Haus gehört der Familie, die vorderen zwei Richtung Bieltor der Lüthy Holding AG, das vierte einem weiteren Solothurner Geschäftsmann. «Wir schauen jetzt einmal, welche Interessenten kommen. Eigentlich wäre es ja wünschbar, die bisherige Geschäftsfläche von rund 200 Quadratmetern im Parterre als Gesamtes zu vermieten», deckt sich Simone Lüthys Meinung mit derjenigen von Ernst Brühweiler, dass weiterhin ein einziges Geschäft über die vier schmalen Häuserfronten hinweg betrieben werden sollte. Ansonsten müsste man halt einzelne Flächen wieder abtrennen, ist sich auch Lüthy bewusst.

«Wir haben hier ja eine sehr gute Lage», glaubt Brühweiler, dass auch ein Nachfolgegeschäft an der belebten Verzweigung Gurzelngasse - Schmiedengasse erfolgreich bestehen könnte. «Aber», fügt er gleich an, «ein Textiler kommt wohl nicht mehr nach Solothurn.»

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