«Heimart»
Mitten im Leben: Der Laden von Menschen mit Behinderung etabliert sich

Der Zusammenschluss von 16 Institutionen für Menschen mit Behinderung etabliert sich: Der Laden von Heimart inmitten von Solothurn lockt Kunden aus der ganzen Schweiz an.

Andreas Kaufmann
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Stephan Oberli (Vorstand Verein), Katharina Allemann (Ladenleiterin), Gisela Luder (Leiterin Tagesstruktur) und Iris Kohler (Ladenmitarbeiterin) im «Heimart»-Laden am Stalden.

Stephan Oberli (Vorstand Verein), Katharina Allemann (Ladenleiterin), Gisela Luder (Leiterin Tagesstruktur) und Iris Kohler (Ladenmitarbeiterin) im «Heimart»-Laden am Stalden.

Andreas Kaufmann

Was Gutes schaffen – und damit sichtbar an die Öffentlichkeit. So der erklärte Wille, der im Frühjahr vor drei Jahren zur Gründung des Heimart-Ladens am Stalden führte. 13 Institutionen für Menschen mit Behinderung wagten damals den Schulterschluss, um hier die Produkte aus ihren eigenen Werkstätten feilzubieten: Dekoartikel, Spielzeug, Textilien, Kerzen, Schmuck, Glashandwerk, Lebensmittel und vieles mehr.

Mittlerweile sind es 16 Organisationen aus dem ganzen Kanton Solothurn, die im «Heimart»-Laden vertreten sind. Die Solodaris-Stiftung stellt das ständige Verkaufspersonal, während sich in der Schauwerkstatt im ersten Obergeschoss die mittlerweile 16 Institutionen im mehrheitlichen Turnus abwechseln und einen Blick auf ihr Arbeiten gewähren.

Seit 1. Februar dieses Jahres hat neu Katharina Allemann die Ladenleitung inne. Zuvor war sie in der Betreuung und Aktivierung tätig, danach im Bereich Tagesstrukturen. Und in den letzten sieben Jahren leitete sie das Restaurant Pfefferkorn an der Rathausgasse, das als agogisches Angebot für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ebenfalls der Solodaris-Stiftung angehört.

Mitten in der Öffentlichkeit

«Mir gefiel die Idee des Ladens sehr gut, insbesondere die Mischung aus Kontakt mit Kunden und mit Menschen mit Beeinträchtigung», sagt Allemann, die diese Form des Arbeitens vom «Pfefferkorn» kennt. Was sich ebenso bewährt, sei die Lage mitten in der Öffentlichkeit, sagt Stephan Oberli, Gesamtleiter im Discherheim und Vorstandsmitglied beim 2016 gegründeten «Heimart»-Verein.

«Inklusion und Teilhabe sind äusserst wichtig. Die Klienten sind stolz, ihren Beitrag zu leisten, das selbst Hergestellte zu präsentieren und sich als Teil der Öffentlichkeit zu verstehen.» Was Allemann bereits beobachten durfte: «Die Verkäufer gehen direkt auf die Kundschaft zu. Mich freut es, wie gut sie mit Kunden ins Gespräch kommen.»

Dabei ist die hier gezeigte Arbeit alles andere als Selbstzweck, sagt Gisela Luder von «Solodaris», Leiterin der Tagesstrukturen: «Es wird nicht einfach nur so vor sich hingebastelt. Wir ermitteln, welche Ressourcen jeder Einzelne mitbringt und setzen ihn oder sie entsprechend der vorhandenen Fähigkeiten ein.»

Und die Motivation der Klienten sei gross, weiss Oberli vom Discherheim: «Am Anfang haben sich die Klienten eher um den Einsatz im Laden gedruckst. Jetzt reissen sich viele darum.» Auch bei der Kundschaft hat das Ladenkonzept Erfolg, das laut Oberli in der Schweiz einzigartig in dieser Form ist. So kommen laut Allemann Touristen aus der ganzen Schweiz zu Besuch. «Und ein deutsches Paar macht auf seiner Fahrt ins Berner Oberland stets in Solothurn Halt, um den Laden zu besuchen», weiss Luder.

Teurer Standort macht zu schaffen

Doch wie steht es um die Beliebtheit beim benachbarten Gewerbe, insbesondere aber bei den Mitstreitern im Geschenkesegment? «Wir stehen nicht mit anderen Geschenkläden in Konkurrenz», sagt Oberli, «sondern ergänzen das Angebot und tragen damit zur Vielfalt des Altstadt-Gewerbes bei.» Ausserdem werde kein Preisdumping betrieben.

Auch der Kritik, dass sich aus öffentlicher Hand unterstützte Institutionen auf dem freien Markt positionieren, hält «Heimart» entgegen: «Die Institutionen erfüllen den Auftrag im Sinne des ‹Erfinders›, indem sie hier eine sinnvolle Tätigkeit anbieten», sagt Oberli.

Wirtschaftlich habe man im vergangenen Jahr gut gearbeitet, «noch sind wir aber nicht in allen Bereichen selbsttragend.» Insbesondere die Liegenschaftsmiete falle ins Gewicht: «Der Standort ist relativ teuer.» Die Liegenschaft befindet sich im Besitz der Solothurnischen Immobilienverwaltung von Urs Rudolf.

Um die finanziellen Herausforderungen zu bestreiten, helfen sich die Institutionen untereinander solidarisch aus. «Langfristiges Ziel ist aber schon, eigenfinanziert zu sein.» Ein Ausbau, wie er auch schon einmal als Vision zur Sprache kam, sei indes aktuell kein Thema. «Zuerst wollen wir diesen Standort weiter stärken und vernetzen», sagt Oberli.

Die beteiligten Institutionen: Solothurnisches Zentrum Oberwald, Haushaltungsschule Theresiahaus, Blumenhaus Buchegg, Sonnhalde Gempen, Netzwerk Grenchen, Buechehof Lostorf, Stiftung Solodaris, Stiftung Schmelzi, Stiftung Cerebral, Stiftung Arkadis, Villa Rosentau, Alte Schmitte, Discherheim, Pro Infirmis, Rodania, VEBO.