Die Kreuzung am Hauptbahnhof Solothurn ist eine der grössten und auch kompliziertesten in der Stadt. Jeden Tag nutzen tausende Autos, Velofahrer, Busse und Fussgänger den Knotenpunkt. 

Dass die Schienen des «Bipperlisi» quer über die Kreuzung führen, macht die Verkehrsführung und das Ampeltiming auch nicht einfacher. 

Blick auf den Bahnhofsplatz. Von allen Seiten kommen Fahrzeuge – und dann gibt es noch zwei Fussgängerstreifen und das Bahntrassee.

Blick auf den Bahnhofsplatz. Von allen Seiten kommen Fahrzeuge – und dann gibt es noch zwei Fussgängerstreifen und das Bahntrassee.

Normalerweise funktioniert ja alles wunderbar – mit kürzeren oder längeren Wartezeiten. Am Mittwoch wurden die Wartenden aber überrascht. Das «Bipperlisi» war gerade in den Bahnhof eingefahren, als um 12.11 Uhr die Ampeln rund um den Platz auf Orange umschalteten. Im ersten Moment warteten viele ab. Wer hat denn jetzt eigentlich Vortritt? Dann fuhren die ersten Fahrzeuge auf die Kreuzung hinaus und schlängelten sich durch. 

Nach zwei Minuten war der Spuk vorbei. Die Ampeln stellten wieder um. Auch der Bus Nummer 8 konnte seine Fahrt aufnehmen.

«Unglückliche» Fälle

Wieso passiert so etwas am helllichten Tag? Genau dann, wenn der Andrang auf den Knoten so gross ist? 

Genau dies ist das Problem, wie André Aebi, Projektleiter Elektrotechnik im Amt für Verkehr und Tiefbau, erklärt. «Ein System schaut, wie lange die Verkehrsteilnehmer warten müssen. Wird dabei die sogenannte maximale Wartezeit überschritten, schaltet es die Ampeln automatisch aus. Das kann in unglücklichen Fällen geschehen.»

Solche «unglücklichen» Momente gibt es, wenn Autos auf jeder Spur stehen, Fussgänger an den beiden Zebrastreifen am Warten sind, mehrere Busse ihre Fahrt aufnehmen wollen und dann auch noch die Bahn kommt. Dann sieht das System keine Möglichkeit, alle innerhalb von 1,5 Minuten (so lange und nicht länger sollte der Zyklus dauern) zu bedienen. Ganz klar ist laut Aebi: «Die Bahn hat zu 100 Prozent Vorrang. Sie bremst den ganzen Knoten aus. Alle anderen müssen warten und werden erst danach wieder über die Kreuzung gelassen.» Das Problem ist den Verkehrsplanern schon länger bekannt. «Und glücklicherweise geschieht es sehr selten», so André Aebi.

Aus Sicherheitsgründen 

Um zu verhindern, dass ein ungeduldiger Verkehrsteilnehmer in diesem Moment die Nerven verliert, bei Rot über die Ampel fährt und sich und andere so in grosse Gefahr begibt, wird für alle auf Orange umgestellt. Die Sicherheit soll so grösser sein.

Oft geschieht dies aber nicht. «Das passiert wohl weniger als einmal im Monat», schätzt André Aebi. 

Besonders Mühe bereitet das «Bipperlisi» dem Ampelsystem übrigens, wenn es mit Verspätung am Bahnhof Solothurn eintrifft, nur rasch die Passagiere aus- und einsteigen lässt und gleich wieder die Fahrt Richtung Langenthal aufnimmt. Dann bleibt dem System nicht einmal die Möglichkeit, von allen Seiten Fahrzeuge durchzuschleusen.