Stadt-und Gewerbeverein

Mitglieder des Stadt- und Gewerbevereins wollen Aktien breit streuen

Christoph Rölli

Christoph Rölli

Die Mitglieder der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn wollen Aktien der Rythalle AG übernehmen. Doch der Präsident Christoph Rölli hat ein Problem.

Mit der Fusion zur Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn (SGSO) 2010 wurde auch der Aktienbestand an der Rythalle AG des vorherigen Gewerbevereins und der Stadtvereinigung zusammengelegt. Die nunmehr 50 Prozent erlaubten es dem neuen SGSO-Präsidenten Christoph Rölli, sich letzten Herbst zum neuen VR-Präsidenten der Rythalle AG anstelle von Roger Saudan wählen zu lassen.

Die neue Machtkonzentration passt nun offenbar nicht allen SGSO-Mitgliedern - ihrer 34 stellen deshalb an der Generalversammlung vom 28. März den Antrag, die Aktien breit zu streuen. Konkret: Jedes Mitglied soll eine Namenaktie erhalten, die beim Austritt an die SGSO zurückfällt. Die Ausnahme: Bei einer Zugehörigkeit von 11 Jahren soll die Rückgabepflicht entfallen. Die gut 500 Mitglieder wären damit just im Besitz eines Viertels aller Rythalle-AG-Aktien oder der Hälfte jener gut 1000 Stück, welche die Stadt- und Gewerbevereinigung derzeit hält.

Doch Präsident Christoph Rölli sieht ganz andere Probleme auf seine SGSO zukommen: «Man kann über den Antrag diskutieren, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt dafür.»

Gutscheine schenken zu wenig ein

Der Grund ist relativ lapidar: Die Stadt- und Gewerbevereinigung braucht derzeit jede Aktie der Rythalle AG, um eine drohende Unterbilanz und den allfälligen Konkurs zu vermeiden. «Die Stadtvereinigung, die vor der Fusion ihre Geschenkgut-scheine alleine herausgab, ging jährlich von 3 Prozent nicht eingelöster Gutscheine aus und bilanzierte diese als Ertrag in der separat geführten Geschenkgutscheinrechnung.» Drei Jahre sind die Gutscheine gültig, dann verfallen sie, doch für Christoph Rölli und den SGSO-Vorstand mitsamt Geschäftsführer Willy Reinmann kristallisierte sich nach näheren Untersuchungen und einer Änderung des bisherigen Gutschein-Handlings ein düsteres, ja erschreckendes Bild heraus: Die nicht eingelösten Gutscheine lagen nicht bei drei, sondern - vorerst geschätzt - eher nur einem Prozent. Was zur Erkenntnis führte, «die Auflösungen der letzten Jahre hätten nie in der ausgewiesenen Höhe erfolgen dürfen.»

Oder wie im SGSO-Geschäftsbericht betont wird: «Der Fehlbetrag bewegt sich leider in einer Höhe, die eine Sanierung der Geschenkgutscheinrechnung nötig macht.» Um fast 600 000 Franken musste der Posten «nicht eingelöste Geschenkgutscheine» auf nunmehr 1,572 Mio. Franken erhöht werden, mit geschätzten weiteren 140 000 Franken aus den Vorjahren ergab sich damit ein Fremdkapital von über 1,7 Mio. Franken in der Bilanz. Deshalb entschied man sich zu einigen drastischen Massnahmen, um diese wieder einigermassen passabel zu gestalten.

Die Aktien sind viel mehr wert

«Als erste Massnahme aktivierten wir in der Bilanz die Weihnachtsbeleuchtung von null auf 250 000 Franken», schildert Christoph Rölli das Vorgehen bei der Sanierung. «Dann strichen wir unsere Vorstandsentschädigung von 10 000 Franken.» Und als dritter drastischer Schritt wurde eine Bewertung der Rythalle-AG-Aktien vorgenommen. Das Resultat laut Rölli: Der Wert einer Aktie liegt real bei rund 320 Franken, sodass der tiefe Buchwert in der Bilanz von bisher 50 auf neu 300 Franken angesetzt werden konnte. Und mit nunmehr 300 000 statt 50 000 Franken erreicht man in den Büchern ein jetzt halbwegs akzeptables Ergebnis. Vor diesem Hintergrund wäre deshalb für Christoph Rölli die Abgabe der Hälfte aller Aktien an die Mitglieder undenkbar: «Es kann nicht sein, dass wir damit in eine Unterdeckung fallen.»

Doch ganz abgesehen davon, sieht Rölli noch andere Gründe, dem Mitgliederantrag kritisch zu begegnen: Es sei nicht ersichtlich, wer den Antrag initiiert habe, «es sind nur 34 Mitglieder aufgeführt, aber es gibt keinen eigentlichen Ansprechpartner». Zudem würde die unterschiedliche Bedeutung der einzelnen Mitglieder auch in Sachen Beitragsleistungen nicht berücksichtigt. Und letztens «gibt es schon seit 1986 einen Aktionärsbindungsvertrag, der den Gewerbeverein und die Stadtvereinigung stets dazu gezwungen hat, sich auf eine gemeinsame Position festzulegen.»

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