Solothurn
Mit Werbung auf dem Gepäckträger durch die Stadt pedalen - und ein Sackgeld verdienen

Das Start-up Working Bicycle bringt die Werbung auf Fahrrädern nach Solothurn. Die erste solche Werbekampagne startet im August.

Fabio Vonarburg
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Werbung auf Fahrrädern kommt nach Solothurn.

Werbung auf Fahrrädern kommt nach Solothurn.

zvg

Mit dem Fahrrad durch die Stadt pedalen und dabei ein kleines Sackgeld verdienen? Was verlockend klingt, ist in wenigen Wochen möglich. Doch das Ganze hat einen Haken: Dazu wird das eigene Velo zum Werbeträger. Sprich: Man erhält eine Kiste auf den Gepäckträger, auf der die Werbebotschaft einer lokalen oder nationalen Firma oder Organisation prangt.

Aus dieser Idee hat das Start-up Working Bicycle ein Geschäftsmodell entwickelt und Anfang 2018 lanciert. Ab August ist das Jungunternehmen in 18 Schweizer Städten sichtbar. Darunter neu auch Solothurn. «Anfang August starten wir im Auftrag eines unserer Kunden, die erste Werbekampagne in der Stadt Solothurn», bestätigt Jérôme Huber von Working Bicycle, der das Unternehmen gemeinsam mit zwei Studienkollegen gegründet hat und nun führt.

Zuerst wird man in Solothurn Werbung eines national tätigen Unternehmens vorbeiflitzen sehen, danach wird die Solothurner Spitäler AG die Eröffnung des neuen Spitals auf diese noch eher ungewöhnliche Art und Weise bewerben, wie Huber berichtet.

Etwas mehr als 20 Franken pro Woche verdienen

Bis dahin ist das Start-up noch auf der Suche nach Fahrradfahrern, die sich bereit erklären, Werbung mit sich herumzufahren. «Bis jetzt haben uns 80 Velofahrer zugesagt, und damit hat Solothurn noch ein wenig Luft nach oben», sagt Jérôme Huber. Denn bis zum Start der Werbekampagne sollen es, wenn es nach dem Start-up geht, zumindest 100 sein. Wer mitmachen will, muss sich zuallererst die gleichnamige App des Start-ups herunterladen.

Diese hat zwei Funktionen: Einerseits können sich die Fahrradfahrer dort für jene Werbekampagnen anmelden, für die sie sich interessieren, sprich hinter denen sie stehen können, andererseits dient die App zur Kontrolle, ob die Fahrer die ausgemachten Bedingungen einhalten. Zwar erhalten Velofahrer, die Werbung mit sich herumfahren, 22.50 Franken pro Woche. Doch nur falls sie in diesen sieben Tagen mindestens zehn Kilometer zurücklegen und an mindestens drei Tagen unterwegs sind. Sonst fällt der Betrag weg. Wer weiter als die geforderten zehn Kilometer fährt, wird nicht zusätzlich belohnt. Aufgrund des technischen Aufwands habe man sich bislang dagegen entschieden, sagt Huber. «Wir haben aber vor, in Zukunft das Bezahlsystem entsprechend anzupassen.»

Dieses Kontrollsystem wirft Fragen bezüglich Datenschutz auf. Doch Jérôme Huber ver­sichert, dass Working Bicycle zwar sieht, wie viele Kilometer der einzelne Velofahrer zurückgelegt hat, doch man könne nicht bei jedem Velofahrer zurückverfolgen, wann, wer, wo durchgefahren sei. Die Fahr­wege der Einzelpersonen seien ano­nymisiert. «Wir sehen nur die Summe der Wege, die alle Fahrräder gemeinsam zurückgelegt haben.» Um die Boxen an den Fahrrädern zu montieren, arbeitet das Start-up in jeder Stadt mit einem Velohändler zusammen. In Solothurn ist dies die M-Way-Filiale an der Bielstrasse. Wer also an einer Kampagne teilnimmt, muss zuerst beim Velohändler die Box auf dem Fahrrad installieren und nach Abschluss wieder demontieren lassen. «Das dauert jeweils rund zehn Minuten», erklärt Jérôme Huber.

Werbung an Plätzen, wo es sonst nicht möglich wäre

Eine Kampagne zieht sich immer mindestens über zwei Wochen hinweg. Und wer auf diese Weise für sich werben möchte, zahlt pro Werbebox 84.90 Franken in der Woche. Derzeit hätte man ein Portfolio von über hundert lokalen und nationalen Werbekunden, führt Huber weiter aus. Diese würden an der Werbung via Fahrrad schätzen, «dass man mit der Werbebotschaft auch an Plätze herankommt, die man ansonsten nicht erreichen würde». Zudem seien die fahrenden Werbe­boxen ein Eyecatcher, «sie fallen auf». Bevor weitere Städte hinzukommen, will sich Working Bicycle nun vorerst in den 18Städten etablieren, betont Huber. Wie dies in Solothurn gelingt, wird man in den nächsten Wochen sehen. Daran, ob die fahrenden Werbeträger bald zum Stadtbild gehören.