«Uns fehlt das Personal, um Abfallsünder zu verfolgen», erklärt Peter Fedeli. Der Kommandant der Stadtpolizei führt aus: Dass man Schmutzfinken in flagranti erwischen müsse, um überhaupt eine Strafe verhängen zu können, erschwere die Polizeiarbeit. So würden Litterer bei der Polizei nicht die höchste Priorität geniessen, sagt Fedeli.

Doch die Littering-Thematik bewegt viele und ist eines der meist diskutierten Themen des Sommers. Das weiss auch die Gewerbe- und Stadtvereinigung Solothurn und lud zum Podiumsgespräch. «Die zunehmende Abfallflut und die Sauberkeit unserer Stadt» standen als Diskussionspunkte auf dem Programm.

Der Einladung folgten rund 50 Personen. Als Redner und Diskutierende zu Gast waren nebst Peter Fedeli auch Werkhof-Leiter Patrick Schärer, Geschäftsfrau Carmen Rufer, Martin Moser vom Amt für Umwelt und die Schuldirektorin Irene Schori, geführt wurde die Diskussion vom Stadtredaktor der «Solothurner Zeitung», Wolfgang Wagmann.

Am Wochenende seien sie mit vier Mitarbeitern ab fünf Uhr morgens unterwegs, um die Stadt von Abfall zu befreien, so Werkhof-Leiter Schärer. «Ziel ist es, um acht Uhr eine saubere Stadt vorzufinden. Das gestaltet sich je nach Abfallmenge schwierig.»

Carmen Rufer besitzt ein Geschäft am Klosterplatz und erzählt, wie sie Abfallsünder zurechtweisen wollte: «Fünf Jugendliche sassen auf Holzbänken vor meinem Atelier und assen ihr Mittagessen. Ich wies sie darauf hin, ihre Abfälle in den nahen Abfalleimern zu entsorgen, was von ihnen mit Gelächter quittiert wurde. Schlimmer, sie kippten Getränke auf die Sitzbänke und verschmierten darauf Essensreste.»

In den folgenden Wochen habe die gleiche Gruppe täglich Essen und Abfälle in und vor ihrem Atelier deponiert, bis sie die Polizei zur Hilfe bitten musste, schilderte Rufer ihre Erfahrungen.

Prototyp eines Abfallsünders

Wer sind die Abfallsünder Solothurns? Die geladenen Experten zeichnen eher das Bild von verantwortungs- und anstandslosen, alkoholisierten Jugendlichen. Ein Bild, das Schuldirektorin Schori so nicht gelten lassen will: «Unsere Schüler werden früh auf die Littering-Thematik sensibilisiert. Aktionen wie das «Fötzele» steigern das Bewusstsein der Schüler.»

Bei Vergehen sind die Schulen auf die Kooperation der Eltern angewiesen. Bussen oder das Streichen eines freien Mittwochnachmittags, um Wiedergutmachung zu leisten, sei von Gesetzes wegen nicht möglich. Schliesslich sei die Prägung durch das Elternhaus entscheidend, so Schori.

Keine Zustände wie in Singapur

Eine Patentlösung für das Littering-Problem gibt es nicht. Am Podiumsgespräch diskutiert man Lösungsversuche und -vorschläge verschiedenster Art. Martin Moser vom Amt für Umwelt erwähnt die Website www.littering-toolbox.ch, die Gemeinden und engagierten Personen helfen soll, das Abfallproblem umsichtig und selbstständig zu lösen. Die Website sei im Wachstumsprozess und man warte gespannt auf mehr Rückmeldungen.

Mosers Lösungsvorschläge zielen in Richtung grösserer Eigenverantwortung und Zivilcourage, weg von Repression. «Ich bin gegen höhere Bussgelder. Wir müssen die Verhältnismässigkeit wahren. Strafen in der Höhe eines Monatslohnes, wie sie in Singapur verhängt werden können, erachte ich als übertrieben», so Moser.

Eine Arbeitsgruppe auf nationaler Ebene arbeitet aktuell an einer Idee, typische Abfallproduzenten wie Imbissbuden mit höheren Lenkungsabgaben zu belegen. Alternativ soll den Geschäften die Möglichkeit geboten werden, Verantwortung für das eigene Areal zu übernehmen und so die Abgaben zu senken.

Dank einer Wortmeldung von Bernard Künzli, Betriebsleiter BSU, werden weitere Lösungsansätze publik. «In den öffentlichen Verkehrsmitteln zeigt der Trend weg von Abfallkübeln. Sind solche nicht vorhanden, nehmen unsere Fahrgäste ihre Abfälle mit und entsorgen diese in den Kübeln bei der Bushaltestelle.» Noch verfüge die BSU über Abfallbehälter in ihren Bussen, man werde jedoch verfolgen, wie andere Unternehmen das Problem handhaben, so Künzli.

Ob mit Bussen, einer Website, grösserer Eigenverantwortung oder dem Entfernen von Abfalleimern dem Littering Einhalt geboten werden kann, werde sich zeigen. Letztlich sei jede und jeder selbst verantwortlich, dass die eigene Umgebung nicht im Abfall versinke, dies der Tenor des Abends.