Solothurn

Mit Stahlstützen wird Kunstmuseum-Fassade vor Absinken bewahrt

Diese grossen Stahlstützen sollen die Nordfassade vor einem weiteren Absinken bewahren. Wolfgang Wagmann

Diese grossen Stahlstützen sollen die Nordfassade vor einem weiteren Absinken bewahren. Wolfgang Wagmann

Die Sicherungsarbeiten nach den Fassadenrissen sind beim Kunstmuseum in Solothurn im Gang oder vollzogen.

Es wird teurer und dauert länger – das Bauprojekt, das die Nord- und Westseite des Kunstmuseums Solothurn säumt. Dort entsteht zur Zeit der für 6,2 Mio. Franken budgetierte Kulturgüterschutzraum, der mehr Platz für die Schätze des Kunstmuseums schaffen soll. Doch statische Probleme werfen das Vorhaben nun um ein halbes Jahr zurück und treiben die Kosten um mehr als 330'000 Franken in die Höhe (wir berichteten).

Als das Kunstmuseum für den Bau des Schutzraums unterfangen werden musste, entstanden in einzelnen Kunsträumen und im nordseitigen Treppenhaus Risse, die sich später noch erweiterten. Nach entsprechenden Expertisen wurden Anfang Woche bereits mehrere Massnahmen eingeleitet: Sechs so genannte Mikropfähle stützen die bestehende Fassade und tragen deren Last, um weitere Absenkungen zu verhindern. Ferner zu sehen sind diagonale, gegen die Werkhofsstrasse abgestützte Träger, die die Fassade «vor dem Kippen» sichern sollen. Wie der städtische Hochbauchef Lukas Reichmuth ausführt, sind zwischen den Trägern und der Fassade Kraftmessdosen angebracht, um festzustellen, ob sich die Fassade bewegt. In den dargelegten Zusatzkosten sind die Fassadenschäden noch nicht inbegriffen. «Dazu müssen wir schauen, wie sich diese Risse weiterentwickeln», so Reichmuth. Darauf angesprochen meinte Museumshauswart Til Frentzel: «Die Risse sind nicht breiter geworden.»

Kein kompletter Baustopp

Ursprünglich ging das Stadtbauamt nicht zwangsläufig von erheblichen Verzögerungen durch den Vorfall aus: «Wir hatten zwar nie einen kompletten Baustopp, aber doch zumindest an einer Stelle», sagt Reichmuth weiter. «Vor allem aber verzögern die nicht vorhergesehenen Tiefbaumassnahmen das Bauprojekt. Ebenso haben die Abklärungen Zeit in Anspruch genommen.»  

Auf die Lagerung und die Logistik der Kulturgüter selbst sollen laut Reichmuth die ausserordentlichen Umstände aber keinen Einfluss haben: So dient der bestehende Kulturgüterschutzraum nach wie vor dem Zweck, Exponate des Kunstmuseums zu beherbergen, bis der neue Schutzraum voraussichtlich im Sommer fertiggestellt wird. Lediglich der Lift im Kunstmuseum wird aufgrund der Verzögerungen ebenfalls später in Betrieb gehen.

Handarbeit statt Liftfahren

Genau dieser Umstand ist auch das aktuelle Hauptproblem der baulichen Verzögerungen für den Konservator des Kunstmuseums, Christoph Voegele. «Die Verzögerung des Lifteinbaus ist derzeit unser grösstes Handicap. Müssen wir doch alle Ausstellungsobjekte von Hand hinauftragen, statt sie mit dem Lift transportieren zu können. Dagegen sieht Voegele, der kürzlich in einer internen Sitzung die Folgen der Bauverzögerung thematisiert hatte, keinen Einfluss auf die Museumsaktivitäten selbst. «Die Ausstellungen des ersten Halbjahres 2016 sind zum Glück so konzipiert, dass wir im Haus keine schweren Objekte wie beispielsweise Eisenplastiken oder Steinskulpturen herumbewegen müssen.» Auch die Lagerung der Kulturgüter bereite durch die Verzögerung keine Probleme – «denn wir haben den Vertrag für das Aussenlager noch nicht gekündigt», so der Konservator, der sich aber nach wie vor auf den neuen Kulturgüterschutzraum quasi im Haus freut.

Ziemlich genau vor zwei Jahren hatten 42 Prozent der Stadtsolothurner Stimmberechtigten den Kredit von 6,2 Mio. Franken mit 70,7 Prozent Ja-Stimmen genehmigt. Allerdings musste die Stadt nach Vorfinanzierungen, Bundesbeträgen und einer Spende der Mathys-Stiftung nur noch 2 Mio. Franken investieren. Damals war Christoph Voegele von einer Eröffnung des Neubaus Ende 2015 ausgegangen. 

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