Stifdtungsauflösung
Mit magistraler Präsenz wurde ein Jubiläumsfonds närrisch zu Grabe getragen

Nachdem sich die Stiftung zur Jahrtausendfeier Solothurns aufgelöst hat, wurde am Montagnachmittag das Vermögen aus dem Fonds ausgeschüttet. 11.67 Franken gingen an die Narrenzunft Honolulu, während 11.68 dem Departement des Innern ausbezahlt werden.

Andreas Kaufmann
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Landammann Peter Gomm, Ober der Narrenzunft Honolulu Peter Keller, alt Regierungsrat Max Egger, Regierungsrätin Esther Gassler, Stiftungsratspräsident Robert Caviezel und Stadtpräsident Kurt Fluri.

Landammann Peter Gomm, Ober der Narrenzunft Honolulu Peter Keller, alt Regierungsrat Max Egger, Regierungsrätin Esther Gassler, Stiftungsratspräsident Robert Caviezel und Stadtpräsident Kurt Fluri.

Andreas Kaufmann

Mit einem Budget von 3,6 Mrd. Franken lässt sich ein stattliches, unvergessliches Fest für alle Bewohner des Kantons feiern. So träumten nämlich 1981 der damalige Ober der Narrenzunft Robert Caviezel und seine Zunftkameraden.

Diese riefen damals den «Jubiläumsfonds für die Feier 1000 Jahre Stand Solothurn Eidgenossenschaft» mit elf Franken Startkapital ins Leben. Mit den Zinseszinsen lasse sich dereinst - also im Jahre 2481 - eine Jubiläumsfeier steigen zu lassen, die sich gewaschen hat.

Doch nun hat die Stiftung «im blüehende Alter vo nume 32 Johr ihres Zytleche gsägnet», wie Caviezel, bislang Stiftungsratspräsident, anlässlich der gestrigen Vermögensausschüttung im Stadtpräsidium bedauerte.

Statt der 3,6 Mrd. waren es gestern nach abgebrochener Weiterführung der stiftung lediglich zwei Lederbeutel. Einen mit 11.67 Franken für die Narrenzunft Honolulu und einen mit 11.68 Franken fürs Kantonale Departement des Innern - Zweckbestimmung: Bedürftige.

Zwei Geldbeutel statt Milliarden

Die Stiftung begann als fasnächtlicher Klamauk, und nun wird sie, 467 Jahre zu früh, unter gleichen humoristischen Vorzeichen zu Grabe getragen. Bemerkenswert: Caviezel konnte eine stattliche magistrale Prominenz für den Anlass zusammentrommeln.

Peter Gomm, der zeichens seines Departements den einen Geldbeutel entgegennahm, wurde begleitet von Regierungsrätin Esther Gassler. Mit von der Partie war aber auch alt Regierungsrat Max Egger, der im Januar 1982 als damaliger Staatsschreiber den Regierungsratsbeschluss zum Jubiläumsfonds in Versform (!) niederschrieb: «In Honolulu, Salodurum, isch Stiftigssitz, bis ihri Duur um. S Justizdepartement prüeft s Ganze - all Johr, nach übliche Usanze. Und Chöschte sy mol nid z'berappe, dr Staat nimmt die uf sini Chappe.»

Doch entgegen der gesungenen Devise «es isch immer so gsy» sei halt das Wiehern des Amtsschimmels dann doch lauter gewesen, so Caviezel.

Mehrfach sei das Stiftungsrecht geändert worden. Und auch die Verzinsungsannahme von vier Prozent Jahreszins dürfte wohl illusorisch gewesen sein: «Weder Kapitalmarktentwiklig, no d'Gsetzgäbig isch exakti mathematischi Wüsseschaft.» Und so hätte denn die Stiftung durch den Verwaltungsaufwand alsbald mehr Geld aufgezehrt als kumuliert.

Eine gespielte Ernsthaftigkeit um total 23.35 Franken machte die Ausschüttungszeremonie zur Bürokratie-Persiflage. Und ihre Akteure spielten trotz übervoller Terminkalender gerne mit - wie es sich für die fünfte, Jahreszeit eben gehört.