Satzwerkstatt Solothurn
Mit Leib und Seele: Diese Schriftsetzer üben ihren Beruf immer noch mit Stolz aus

Zu Besuch in der Satzwerkstatt Solothurn, wo stolze Schriftsetzer ihren fast vergessenen Beruf am Leben erhalten.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Solothurner Theo Boesch (89) widmet sich heute noch mit Leib und Seele seinem Berufsstand
21 Bilder
Besuch in der Satzwerkstatt Solothurn
Die einzelnen Bleilettern werden Stück für Stück in den Winkelhaken gesetzt.
Niklaus Hochreutener aus Obergerlafingen zieht einen Druck durch die Handdruck-Presse
Alles ok? Hochreutener prüft den Druck
Alles fein säuberlich geordnet
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In der Satzwerkstatt sind Schriften aller Grössen und Werkstoffe zu bewundern.

Der Solothurner Theo Boesch (89) widmet sich heute noch mit Leib und Seele seinem Berufsstand

Hanspeter Bärtschi

Wer weiss heute noch, was ein Winkelhaken, ein Schiff, was Handsatz oder ein Hurenkind ist?

Die Männer, die sich seit 17 Jahren in der Satzwerkstatt Solothurn jeden Mittwochabend treffen, wissen es ganz genau. Es sind Fachbegriffe eines Schriftsetzers. Und diesen Beruf übten sie alle mal aus, mit Stolz – und tun es heute noch. Arthur Fischbach, Theo Bösch und Niklaus Hochreutener sind der sogenannte «harte Kern» der Satzwerkstatt im Burrisgraben in Solothurn. Hier treffen sie sich und arbeiten so, wie sie es vor vielen Jahren gelernt haben. Sie stellen sorgfältig komponierte in Handsatz hergestellte Drucksachen her. «Nur ganz kleine Auflagen, höchstens 100 Stück», sagt Fischbach.

Denn eigentlich ist nicht das Herstellen von Drucksachen ihr Anliegen, sondern das Weiterführen und Am-Leben-Erhalten eines Berufes, den man früher die «Schwarze Kunst» nannte. Immer wieder mal finden Besucher den Weg in die Satzwerkstatt, seien dies Schüler, Vereine oder Touristengruppen. Sie alle lassen sich von den vielen Setzkästen, angefüllt mit verschiedensten Schriften, von den originellen Handpressen und vor allem auch von den Erzählungen und den Informationen der Männer verzaubern.

«Zunächst waren wir mit der Satzwerkstatt in der ehemaligen Schmelzi-Druck in Grenchen untergebracht», beschreibt Fischbach die Anfänge. «Doch freuten wir uns sehr, als wir dann diesen Ort im Burrisgraben mieten konnten. Hier fühlen wir uns wie zu Hause.» Die Grafische Vereinigung Solothurn ist die Betreiberin der Satzwerkstatt. Deren Vorgänger-Organisation, der «Typografische Club», wurde bereits 1904 ins Leben gerufen.

Doch der Berufsstolz der «Schwarzkünstler» wurde Anfang der 1980er-Jahre angeknackst. Die grössten Druckereien vernichteten ihre letzten Bleisatzbestände, und Tonnen von wertvollen Schriften wurden eingeschmolzen, um Platz für Foto- und Filmsatz zu machen. Schon damals hatten Mitglieder der Grafischen Vereinigung Pläne, eine «Historische Druckwerkstätte» einzurichten. «Den ersten, rund 300-jährigen Setzkasten konnten wir in Chur kaufen», berichtet Fischbach. Es folgte der Zukauf weiterer Bestände. Heute können sie 17 Regale mit Holz- und Bleischriften sowie zwei Abzugspressen ihr Eigen nennen.

Finanziert wird das Ganze hauptsächlich durch Mitglieder und Sponsoren. «Wir sind keine Firma und nicht gewinnorientiert. Sinn und Zweck der Satzwerkstatt ist die Weitergabe der Kunst des Setzens an interessierte Personen, auch ohne Berufskenntnisse», sagt Fischbach, der für die Aussenkontakte zuständig ist.

Selbst der junge Präsident der Grafischen Vereinigung, Kuno Reinhart, ausgebildeter Polygraf, hat nie mit beweglichen Lettern gearbeitet und kennt die Technik nur vom Zuschauen. «Unsere grösste Sorge ist, Nachfolger zu finden, welche die Kenntnisse unseres Handwerkes weitergeben können. Momentan haben wir zwei ‹Lehrlinge›, Personen die aus blossem Interesse sich durch uns anleiten lassen», freuen sich die Männer.

Öffnungszeiten: jeden Mittwoch ab 19 Uhr. Burrisgraben 46, Solothurn. Führungen: Arthur Fischbach, Zuchwil, Telefon 032 685 26 15. www.satzwerkstatt.ch