Klassische Musik
Mit Geigenkunst das Publikum im Konzertsaal Solothurn begeistert

Der Verein für Klassische Musik Solothurn brachte mit Maria Solozobova eine begnadete Geigerin und mit Sayaka Sakurai eine souveräne Begleiterin in den Konzertsaal. Die beiden begeisterten das Publikum im Konzertsaal Solothurn.

Silvia Rietz
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Von der Fee geküsst: Maria Solozobova und Sayaka Sakurai.

Von der Fee geküsst: Maria Solozobova und Sayaka Sakurai.

Hansjörg Sahli

Der neu gegründete Verein für Klassische Musik Solothurn ist mit dem Ziel angetreten, «eine Angebotslücke im Kulturleben Solothurns zu schliessen und mit grossen Namen und Orchestern das ‹provinzielle Konzert-Angebot› auf Zürcher und somit Weltklasse-Niveau zu heben», wie Vereinspräsident Patrick Neuenschwander hervorhebt.

Diesen Anspruch hat das Auftaktkonzert (dem im Herbst ein weiteres folgen soll) nicht erfüllt. Wohl aber, mit Maria Solozobova und Sayaka Sakurai zwei aufstrebende Künstlerinnen mit geradezu instrumentaler Akrobatik zu präsentieren.

Eine der interessanten Geigerinnen der jüngeren Generation

Maria Solozobova dominierte den Abend und gehört sicher zu den interessanten Geigerinnen der jüngeren Generation. Eine Solistin, die technischen Schwierigkeiten mit Bravour und Leichtigkeit begegnet. Mit unbändiger Spielfreude, geradezu stupender Technik und Virtuosität, gibt sie der Geige ein Eigenleben. Furios bereits der Beginn mit Strawinskys Divertimento für Violine und Klavier nach Tschaikowskys Ballett «Le baiser de la fée».

Orchestermusik, die er gemeinsam mit dem Geiger Samuel Dushkin für Violine und Klavier arrangierte. Souverän, mit raschen Tempi, viel Vibrato und einfach virtuos, erzeugte Maria Solozobovas Spiel atemlose Spannung. Dabei: Nicht nur die Geigerin, auch Pianistin Sayaka Sakurai wurde beim gemeinsamen Auftritt mit dem inspirierten Klavierpart von der Fee geküsst.

Feuer und Souveränität auf der Bühne

Ganz in ihrem Element war Maria Solozobova bei der Solo-Sonate Nr. 3 op 27 von Eugène Ysaÿe. Der Komponist hat in das Bravourstück alles hineingepackt, was schwierig ist für die Geige. Bewundernswert, mit welchem Feuer und Souveränität sie die «Ballade» zum Blühen brachte.

Tschaikowskys «Souvenir d'un lieu cher» op 42 und das «Valse-Scherzo» gerieten zum eigentlichen Höhepunkt. Was die beiden jungen Interpretinnen aus Tschaikowskys gleichermassen virtuosen wie poetischen Kompositionen zaubern, hat Klasse. Klar, brillant, farbstrotzend und aus innerlich zutiefst musikalischen Persönlichkeiten gespielt.

Die «musikalischen Provinzstadt Solothurn»

Wenn neue Initiativen so tolle Interpreten und gute Musik in die Ambassadorenstadt bringen, sind sie ein Gewinn. Kokettiert ein Verein aber mit Weltklasse-Format, müssen sich die Organisatoren anstrengen, um eine von ihnen gefunden geglaubte «Nische» abzudecken.

Immerhin gastierten in der «musikalischen Provinzstadt Solothurn» allein schon durch die beiden städtischen Orchester und Frag-Art Grössen wie Vladimir Ashkenazy, Sol Gabetta und Patricia Kopatchinskaja - und letztes Jahr sind Weltstars wie Dimitri Ashkenazy, Nicolas Altstaedt und Giora Feidman aufgetreten. Allein im April wird mit Peter-Lukas Graf eine weitere Berühmtheit zu hören sein. Auch mit der mitreissenden Solistin des Auftaktkonzertes, Maria Solozobova, gibt es übrigens ein Wiederhören: Am 4. November, im regulären Konzertangebot des Stadtorchesters Solothurn.